Preußen Infanterie Offiziersdegen (IOD) a.Art .
Klingenlänge etwa 830mm
Gesamtlänge etwa 1020mm
Der preußische Infanterieoffiziersdegen alter Art (IOD a.Art.) repräsentiert eine bedeutende Epoche der preußisch-deutschen Militärgeschichte und steht exemplarisch für die Tradition des preußischen Offizierskorps im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Die Entwicklung des Infanterieoffizierdegens in Preußen ist eng mit den Heeresreformen nach den napoleonischen Kriegen verbunden. Nach der Niederlage von 1806 und den darauffolgenden Reformen unter Scharnhorst und Gneisenau wurde auch die Ausrüstung des Offizierskorps standardisiert. Der Degen entwickelte sich von einer reinen Hieb- und Stichwaffe zu einem Symbol der Offiziersehre und militärischen Autorität.
Die Bezeichnung “alter Art” bezieht sich auf das Modell, das vor der Einführung der neuen Art (n.Art.) um 1889 verwendet wurde. Der IOD a.Art. war typischerweise bis in die 1890er Jahre das reguläre Dienstmodell für Infanterieoffiziere und wurde danach weiterhin bei bestimmten Anlässen und von Veteranen getragen.
Das vorliegende Exemplar zeigt die charakteristischen Merkmale des schweren Dienstmodells. Mit einer Klingenlänge von etwa 830mm und einer Gesamtlänge von circa 1020mm entspricht es den regulären Maßvorgaben der preußischen Armee. Die Hohlkehle auf beiden Seiten der Klinge diente der Gewichtsreduzierung bei gleichzeitiger Beibehaltung der strukturellen Festigkeit - ein wichtiges konstruktives Element bei Militärblankwaffen.
Das Messinggefäß mit starrem Korb ist charakteristisch für preußische Offiziersdegen dieser Periode. Der Korbschutz bot dem Schwertarm im Gefecht einen gewissen Schutz, während die Messingausführung Korrosionsbeständigkeit gewährleistete. Die intakte Drahtwicklung am Griff zeugt von der sorgfältigen Verarbeitung und guten Erhaltung des Stückes. Diese Wicklung, meist aus Messing- oder Kupferdraht gefertigt, sorgte für einen sicheren Halt auch bei feuchten Bedingungen.
Die Fingeröse aus Messing ist ein typisches Detail preußischer Offiziersdegen und ermöglichte es dem Träger, den Degen sicher zu führen, während gleichzeitig eine gewisse Beweglichkeit des Handgelenks erhalten blieb.
Die schwarze Lederscheide mit Messingbeschlägen entspricht der üblichen Ausführung für Dienstdegen. Leder war das bevorzugte Material für Scheiden, da es relativ leicht, haltbar und kostengünstig in der Herstellung war. Die Messingbeschläge dienten sowohl der Verstärkung kritischer Punkte als auch der ästhetischen Gestaltung. Die erwähnte offene Naht ist eine typische Alterserscheinung bei Lederscheiden und mindert den historischen Wert des Objekts nicht wesentlich.
Im preußischen Heer war der Infanterieoffiziersdegen nicht nur eine Waffe, sondern vor allem ein Rangabzeichen und Symbol der Offiziersehre. Bei Paraden, Wachablösungen und formellen militärischen Anlässen war das Tragen des Degens obligatorisch. Im Gefecht des späten 19. Jahrhunderts hatte die Blankwaffe allerdings bereits ihre taktische Bedeutung weitgehend verloren - Gewehre mit größerer Reichweite und später Maschinengewehre dominierten das Schlachtfeld.
Dennoch behielt der Degen seine symbolische Bedeutung. Offiziere führten ihn zur Truppenführung, zum Signalgeben und als Zeichen ihrer Befehlsgewalt. In den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 trugen preußische Infanterieoffiziere diese Degen, obwohl sie selten in den direkten Nahkampf verwickelt waren.
Obwohl keine erkennbare Herstellermarke vorhanden ist, wurde die Produktion solcher Degen streng nach militärischen Vorschriften überwacht. Bekannte Hersteller wie WKC Solingen, Eickhorn, Carl Wüsthof und andere Solinger Klingenschmieden produzierten diese Waffen nach exakten Spezifikationen. Die schmucklose Ausführung der Klinge entspricht dem Charakter eines Dienstdegens im Gegensatz zu prunkvolleren Paradeausführungen.
Der angegebene Zustand 2 mit leichten Alters- und Gebrauchsspuren, aber insgesamt sehr guter Erhaltung, macht dieses Exemplar zu einem wertvollen historischen Zeugnis. Die intakte Drahtwicklung und die vollständige Ausstattung mit originaler Scheide erhöhen den dokumentarischen und Sammlerwert erheblich.
Der preußische Infanterieoffiziersdegen alter Art steht am Ende einer langen Tradition europäischer Fechtwaffen und markiert gleichzeitig den Übergang zur modernen Kriegsführung. Er verkörpert die militärische Kultur des preußischen Offizierskorps, das für Disziplin, Pflichtbewusstsein und militärische Exzellenz stand. Als Sammlungsobjekt bietet er heute einen materiellen Zugang zur preußisch-deutschen Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts.