Unentdeckt über die Meere,
Die Altmark war ein deutsches Versorgungsschiff der Kriegsmarine, das während des Zweiten Weltkriegs eine zentrale Rolle in der atlantischen Seekriegsführung spielte. Das Buch “Unentdeckt über die Meere – Die Fahrten der Altmark”, erschienen 1941 im Verlag Die Wehrmacht in Berlin, dokumentiert die spektakulären Operationen dieses Schiffes und stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Kriegspropaganda dar.
Die Altmark wurde ursprünglich als Tanker gebaut und diente ab 1939 als Trossschiff des Panzerschiffs Admiral Graf Spee. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, Kriegsschiffe auf hoher See mit Treibstoff, Proviant und Munition zu versorgen. Zwischen August und Dezember 1939 begleitete die Altmark die Admiral Graf Spee auf ihrer Handelskriegsfahrt im Südatlantik und Indischen Ozean. Während dieser Operation versenkte die Graf Spee neun alliierte Handelsschiffe mit insgesamt etwa 50.000 Bruttoregistertonnen.
Nach der Seeschlacht am Rio de la Plata im Dezember 1939, bei der die Admiral Graf Spee schwer beschädigt wurde und sich selbst versenkte, trat die Altmark eine gefährliche Rückreise nach Deutschland an. An Bord befanden sich etwa 299 britische Seeleute, die von der Graf Spee gefangen genommen worden waren. Die Altmark versuchte unentdeckt durch den Atlantik und entlang der norwegischen Küste nach Deutschland zu gelangen.
Am 16. Februar 1940 ereignete sich der Altmark-Zwischenfall im norwegischen Jøssingfjord. Britische Zerstörer, angeführt von der HMS Cossack unter Kapitän Philip Vian, enterten das deutsche Schiff in norwegischen Hoheitsgewässern und befreiten die gefangenen Seeleute. Dieser Vorfall verletzte die norwegische Neutralität und trug zu den Spannungen bei, die schließlich zur deutschen Operation Weserübung, der Besetzung Norwegens und Dänemarks im April 1940, führten.
Das vorliegende Buch aus dem Jahr 1941 ist Teil der umfangreichen Propagandaliteratur des Verlags Die Wehrmacht, der dem Oberkommando der Wehrmacht unterstand. Diese Publikationen dienten dazu, militärische Erfolge zu glorifizieren und die Moral der Heimatfront zu stärken. Der Verlag produzierte neben der gleichnamigen Zeitschrift “Die Wehrmacht” zahlreiche Bücher über Kriegsereignisse, Waffengattungen und militärische Persönlichkeiten.
Die Gestaltung als Ganzleineneinband mit 157 Seiten und Abbildungen entspricht dem typischen Format militärischer Publikationen dieser Zeit. Solche Bücher wurden in hohen Auflagen produziert und sowohl an Soldaten als auch an die Zivilbevölkerung verteilt. Die fotografischen Abbildungen sollten die Authentizität der Darstellung unterstreichen und den Lesern einen vermeintlich unmittelbaren Eindruck der Ereignisse vermitteln.
Aus historischer Perspektive sind solche Publikationen wertvoll für das Verständnis der nationalsozialistischen Propaganda und ihrer Methoden. Sie zeigen, wie militärische Ereignisse instrumentalisiert wurden, um bestimmte Narrative zu konstruieren. Die Darstellung der Altmark-Fahrt betonte die Kühnheit und Geschicklichkeit der deutschen Seeleute, während die britische Verletzung norwegischer Neutralität als Völkerrechtsbruch dargestellt wurde.
Die Altmark selbst wurde später in Uckermark umbenannt und diente weiterhin als Versorgungsschiff. Am 30. November 1942 explodierte sie im Hafen von Yokohama, Japan, wobei über 50 Menschen ums Leben kamen. Ihr Schicksal und ihre Rolle im frühen Seekrieg bleiben jedoch ein faszinierendes Kapitel der Marinegeschichte.
Für Sammler und Historiker repräsentiert dieses Buch ein wichtiges Dokument der Zeit. Der Erhaltungszustand 2 deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, was bei Publikationen aus der Kriegszeit nicht selbstverständlich ist. Viele dieser Bücher wurden während des Krieges stark genutzt oder gingen in den Wirren der Nachkriegszeit verloren. Die Erforschung solcher Primärquellen ermöglicht ein differenziertes Verständnis der Ereignisse und ihrer zeitgenössischen Wahrnehmung.