Weimarer Republik Pressefoto, Generalleutnant a.D. Rohne der an den Feldzügen 1864,1866,1870 teilnahm, feiert am 6.3 sein 70 jähriges Militärjubiläum 6.3.1930
Pressefotografie in der Weimarer Republik: Militärjubiläen und die Erinnerung an die Einigungskriege
Das vorliegende Pressefoto aus dem Jahr 1930 dokumentiert das außergewöhnliche 70-jährige Militärjubiläum des Generalleutnants a.D. Rohne, eines Veteranen der drei deutschen Einigungskriege von 1864, 1866 und 1870/71. Solche Fotografien repräsentieren einen wichtigen Aspekt der Medienlandschaft und Erinnerungskultur der Weimarer Republik, in der die letzten Veteranen der Reichsgründungszeit besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfuhren.
Die Einigungskriege und ihre Veteranen
Generalleutnant Rohne gehörte zu jener immer kleiner werdenden Generation von Offizieren, die alle drei Einigungskriege miterlebt hatten. Der Deutsch-Dänische Krieg von 1864 um Schleswig-Holstein, der Deutsche Krieg von 1866 gegen Österreich und den Deutschen Bund, sowie der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 bildeten die militärische Grundlage für die Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871. Im Jahr 1930 waren Teilnehmer an allen drei Feldzügen bereits hochbetagt – wer 1864 als junger Soldat oder Offiziersanwärter teilgenommen hatte, war mindestens Mitte 80. Die Feier eines 70-jährigen Militärjubiläums im März 1930 bedeutet, dass Rohne vermutlich 1860 in den Militärdienst eingetreten war, möglicherweise in einem der preußischen Kadettenkorps oder als junger Leutnant.
Pressefotografie in der Weimarer Republik
Die Pressefotografie erlebte in den 1920er und frühen 1930er Jahren ihre erste Blütezeit in Deutschland. Mit der Entwicklung handlicherer Kameras, verbesserter Reproduktionstechniken und der wachsenden Bedeutung illustrierter Zeitungen wie der Berliner Illustrirten Zeitung oder der Münchner Illustrierten Presse wurde das Pressefoto zum wichtigen Medium der Nachrichtenübermittlung. Fotografien von militärischen Jubiläen, Veteranentreffen und Ehrungen gehörten zum festen Bestandteil der Berichterstattung, besonders wenn es sich um so seltene Ereignisse wie ein 70-jähriges Militärjubiläum handelte.
Die Maße von etwa 16 x 12 cm entsprechen einem gängigen Format für Pressefotos dieser Zeit, das sich gut für die Archivierung und den Versand an Redaktionen eignete. Auf der Rückseite solcher Fotos fanden sich üblicherweise Stempel der Presseagenturen, handschriftliche Notizen und gedruckte Bildunterschriften.
Erinnerungskultur und Militärtradition
In der Weimarer Republik existierte eine ambivalente Beziehung zur militärischen Vergangenheit. Einerseits hatte der verlorene Erste Weltkrieg und der Versailler Vertrag das Militär stark beschränkt – die Reichswehr durfte nur 100.000 Mann umfassen. Andererseits pflegten große Teile der Gesellschaft und besonders konservative Kreise die Erinnerung an die siegreichen Einigungskriege und die Reichsgründung. Veteranen der Kriege von 1864-1871 wurden als lebende Verbindung zur “glorreichen” Vergangenheit verehrt.
Die Feier eines solchen Jubiläums im Jahr 1930 fand in einer Zeit zunehmender politischer Instabilität statt. Die Weltwirtschaftskrise hatte Deutschland schwer getroffen, und radikale Parteien gewannen an Boden. In diesem Kontext dienten Ehrungen alter Militärs auch der Beschwörung einer vermeintlich besseren, geordneteren Vergangenheit.
Der Rang des Generalleutnants
Der Rang eines Generalleutnants war in der preußischen und deutschen Armee ein hoher Offiziersrang, der typischerweise Divisionskommandeure innehatten. Dass Rohne diesen Rang erreichte und anschließend “außer Dienst” (a.D.) gestellt wurde, deutet auf eine erfolgreiche militärische Karriere hin. Offiziere, die alle drei Einigungskriege mitgemacht hatten, genossen besonderes Ansehen und wurden häufig befördert, da sie über einzigartige Kampferfahrung verfügten.
Militärjubiläen als Institution
Das Feiern von Militärjubiläen hatte in der deutschen Tradition eine lange Geschichte. Nach 25 Jahren Dienstzeit (Silbernes Dienstjubiläum), 50 Jahren (Goldenes) und in seltenen Fällen 70 Jahren wurden Offiziere und Soldaten besonders geehrt. Diese Feiern beinhalteten oft Audienzen, Orden, öffentliche Zeremonien und eben auch Presseberichterstattung. Ein 70-jähriges Jubiläum war außerordentlich selten und wurde entsprechend gewürdigt.
Historischer Quellenwert
Pressefotos wie dieses sind heute wichtige historische Quellen. Sie dokumentieren nicht nur die abgebildeten Personen, sondern auch die Medienpraxis, die Erinnerungskultur und die gesellschaftlichen Werte ihrer Entstehungszeit. Der “gebrauchte Zustand” des Fotos – möglicherweise mit Knicken, Stempeln oder Beschriftungen – ist dabei keineswegs ein Nachteil, sondern bezeugt die tatsächliche Verwendung des Bildes im journalistischen Alltag und erhöht seinen dokumentarischen Wert.