Westpreussen, Posen, Wartheland - Deutsche Volksliste im Warthegau
Das Erinnerungsabzeichen der Deutschen Volksliste im Warthegau stellt ein bedeutendes, wenn auch kontrovers diskutiertes Artefakt aus der Zeit der nationalsozialistischen Besatzung Polens während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses Abzeichen wurde an Personen verliehen, die in die Deutsche Volksliste (DVL) im Reichsgau Wartheland eingetragen wurden, einem administrativen Gebiet, das nach der deutschen Invasion Polens 1939 geschaffen wurde.
Der Reichsgau Wartheland, auch als Warthegau bekannt, wurde am 26. Oktober 1939 durch einen Erlass Adolf Hitlers gebildet und umfasste Teile der ehemaligen preußischen Provinzen Posen und Westpreußen sowie weitere polnische Gebiete. Der Gau wurde nach dem Fluss Warthe benannt und erstreckte sich über etwa 43.905 Quadratkilometer. Die Hauptstadt war Posen (Poznań), das in dieser Zeit in eine deutsche Musterstadt umgestaltet werden sollte. Gauleiter Arthur Greiser leitete diese Region und führte eine aggressive Germanisierungspolitik durch.
Die Deutsche Volksliste war ein Instrument zur rassischen Klassifizierung der Bevölkerung in den besetzten Gebieten. Sie wurde durch den Erlass vom 4. März 1941 formalisiert und teilte die Bevölkerung in vier Kategorien ein. Die erste Kategorie umfasste aktive Volksdeutsche, die sich vor 1939 für das Deutschtum eingesetzt hatten. Die zweite Kategorie bestand aus passiven Volksdeutschen, die ihre deutsche Nationalität bewahrt hatten. Die dritte Kategorie erfasste Personen mit deutschen Vorfahren, die sich polonisiert hatten, und die vierte Kategorie umfasste Polen mit deutschen Familienbeziehungen.
Die Eintragung in die Deutsche Volksliste war oft mit erheblichem Druck verbunden. Viele Polen wurden gezwungen, die DVL zu unterzeichnen, um ihre Existenzgrundlage zu sichern oder Repressalien zu vermeiden. Die Weigerung konnte zur Deportation, zum Verlust des Eigentums oder zur Einweisung in ein Konzentrationslager führen. Schätzungsweise 2,7 Millionen Menschen wurden in den besetzten polnischen Gebieten in die Deutsche Volksliste eingetragen, davon etwa 1 Million im Warthegau allein.
Das hier beschriebene Erinnerungsabzeichen wurde als Anerkennung für die Eintragung in die Deutsche Volksliste verliehen. Solche Abzeichen dienten der nationalsozialistischen Propaganda und sollten eine Bindung an das Deutsche Reich symbolisieren. Sie wurden typischerweise als Anstecknadel getragen und zeigten häufig nationalsozialistische Symbole oder Bezüge zum jeweiligen Gau. Das Abzeichen im Zustand 2 weist auf einen gut erhaltenen Zustand mit minimalen Gebrauchsspuren hin.
Die Germanisierungspolitik im Warthegau war besonders brutal. Etwa 630.000 Polen und Juden wurden zwischen 1939 und 1944 aus dem Gebiet deportiert, um Platz für etwa 537.000 Volksdeutsche zu schaffen, die aus dem Baltikum, Bessarabien und anderen Gebieten umgesiedelt wurden. Die polnische Intelligenz wurde systematisch verfolgt, die polnische Sprache im öffentlichen Leben verboten, und polnische Kultur- und Bildungseinrichtungen wurden geschlossen.
Im Warthegau befand sich auch das Vernichtungslager Chełmno (Kulmhof), das erste nationalsozialistische Vernichtungslager, in dem ab Dezember 1941 mindestens 152.000 Menschen, hauptsächlich Juden, ermordet wurden. Dies unterstreicht den verbrecherischen Charakter der nationalsozialistischen Herrschaft in dieser Region.
Nach dem Kriegsende 1945 wurden die Gebiete des Warthegaus wieder Teil Polens. Die Deutsche Volksliste wurde von den polnischen Behörden als kollaboratives Instrument betrachtet. Viele Personen, die in die DVL eingetragen waren, wurden nach dem Krieg zur Verantwortung gezogen, obwohl die Umstände ihrer Eintragung oft zwanghaft waren. Die Aufarbeitung dieser komplizierten Geschichte dauerte Jahrzehnte.
Heute sind solche Erinnerungsabzeichen wichtige historische Zeugnisse einer dunklen Periode der europäischen Geschichte. Sie dienen der wissenschaftlichen Forschung und der Erinnerungskultur, mahnen aber auch zur Wachsamkeit gegenüber rassistischer Ideologie und Zwangsassimilation. Museen und Forschungseinrichtungen sammeln solche Objekte, um die Geschichte der nationalsozialistischen Besatzung und ihrer Auswirkungen auf Millionen von Menschen zu dokumentieren und das Gedenken an die Opfer zu bewahren.