Braunschweig - Erinnerungsmedaille an die 100jahr Feier 1909 des Braunschweigischen Infanterie-Regiment Nr. 92

ohne Band, Zustand 2.
486955
100,00

Braunschweig - Erinnerungsmedaille an die 100jahr Feier 1909 des Braunschweigischen Infanterie-Regiment Nr. 92

Die Erinnerungsmedaille an die 100-jährige Feier des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92 aus dem Jahr 1909 stellt ein bedeutendes Zeugnis der preußisch-deutschen Militärgeschichte und der Tradition des Herzogtums Braunschweig dar. Diese Medaille wurde anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des Regiments geprägt und verliehen, das seine Wurzeln in den turbulenten Jahren der Napoleonischen Kriege hatte.

Das Infanterie-Regiment Nr. 92 gehörte zur preußischen Armee und trug den offiziellen Namen “Braunschweigisches Infanterie-Regiment Nr. 92”. Die Verbindung zu Braunschweig war dabei von besonderer Bedeutung, da das Regiment historische Traditionen des ehemaligen Herzogtums fortführte. Im Jahr 1809, dessen Zentenarium 1909 gefeiert wurde, befand sich Europa mitten in den Napoleonischen Kriegen, und die deutschen Territorien waren durch die französische Vorherrschaft zerrissen.

Die Gründung und frühe Geschichte des Regiments ist eng mit dem Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Wolfenbüttel, auch bekannt als der “Schwarze Herzog”, verbunden. Nach der Niederlage Preußens 1806 und der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches wurde das Herzogtum Braunschweig dem Königreich Westphalen unter französischer Kontrolle einverleibt. Herzog Friedrich Wilhelm weigerte sich, die französische Herrschaft anzuerkennen, und stellte 1809 die “Schwarze Schar” auf, ein Freikorps, das gegen die napoleonische Besatzung kämpfte.

Nach den Befreiungskriegen und dem Wiener Kongress 1815 wurde das Herzogtum Braunschweig wiederhergestellt. Die militärischen Traditionen des Herzogtums wurden im 19. Jahrhundert fortgesetzt, wobei braunschweigische Einheiten eine wichtige Rolle im Deutschen Bund und später im Deutschen Kaiserreich spielten. Mit der Heeresreform und der Integration kleinerer deutscher Kontingente in die preußische Armee nach 1866 und besonders nach der Reichsgründung 1871 wurde das Regiment als Infanterie-Regiment Nr. 92 in die preußische Armee eingegliedert.

Die Jahrhundertfeier im Jahr 1909 fand in einer Zeit statt, als das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II. auf dem Höhepunkt seiner Macht stand. Solche Jubiläumsfeiern waren im wilhelminischen Deutschland von großer Bedeutung. Sie dienten nicht nur der Traditionspflege und der Stärkung des Korpsgeistes, sondern auch der Demonstration militärischer Stärke und nationaler Einheit. Die Verleihung von Erinnerungsmedaillen gehörte zu den üblichen Ehrungen bei solchen Anlässen.

Erinnerungsmedaillen dieser Art wurden typischerweise nach den Bestimmungen der jeweiligen Landesherren oder des preußischen Kriegsministeriums gestiftet. Sie wurden an aktive und ehemalige Angehörige des Regiments, an verdiente Offiziere und manchmal auch an zivile Würdenträger verliehen, die mit dem Regiment verbunden waren. Die Medaillen wurden üblicherweise mit einem Band in den Farben des Herzogtums Braunschweig oder des Regiments getragen – typischerweise blau und gelb, die traditionellen braunschweigischen Farben.

Die Gestaltung solcher Jubiläumsmedaillen folgte in der Regel bestimmten ikonographischen Mustern. Häufig zeigten sie auf der Vorderseite das Wappen oder Monogramm des regierenden Herzogs oder des Kaisers, manchmal auch militärische Symbole wie gekreuzte Gewehre, Eichenlaub oder den preußischen Adler. Die Rückseite trug meist eine Inschrift, die das Jubiläum und die Jahre 1809-1909 commemorierte. Die künstlerische Ausführung entsprach dem Stil der wilhelminischen Epoche mit ihrer Vorliebe für historistische und repräsentative Formen.

Das Regiment selbst nahm an den wichtigsten Konflikten des Deutschen Kaiserreichs teil, einschließlich des Ersten Weltkriegs, der nur wenige Jahre nach der Jahrhundertfeier ausbrach. Mit dem Ende der Monarchie 1918 und der Auflösung der alten Reichsarmee wurden auch die traditionellen Regimentsstrukturen aufgelöst. Die Erinnerungsmedaille von 1909 blieb jedoch als historisches Zeugnis einer vergangenen Epoche erhalten.

Für Sammler und Militärhistoriker sind solche Jubiläumsmedaillen heute wertvolle Objekte. Sie dokumentieren nicht nur die Geschichte einzelner militärischer Einheiten, sondern auch die politische und kulturelle Bedeutung des Militärs im Deutschen Kaiserreich. Der Zustand 2 (sehr gut) der beschriebenen Medaille deutet auf eine gute Erhaltung hin, wobei das Fehlen des originalen Bandes häufig bei historischen Medaillen vorkommt, da Textilien vergänglicher sind als Metall.

Die Medaille steht exemplarisch für die Kultur der Erinnerung und Traditionspflege im preußisch-deutschen Militärwesen, die durch Jahrhundertfeiern, Gedenkschriften und eben solche Erinnerungsstücke lebendig gehalten wurde. Sie erinnert an eine Zeit, in der militärische Tugenden und dynastische Loyalität zentrale Werte der deutschen Gesellschaft darstellten.