Die deutsche Wehrmacht 1939 - 1945,
Das vorliegende Werk “Die deutsche Wehrmacht 1939-1945, Führung und Truppe, Band 1” aus dem Militair Verlag Norderstedt von 1993 repräsentiert eine wichtige Kategorie militärhistorischer Fachliteratur der Nachkriegszeit. Solche Publikationen entstanden in einem spezifischen historiographischen Kontext, der die wissenschaftliche Aufarbeitung der Wehrmacht und ihrer Rolle im Zweiten Weltkrieg widerspiegelt.
Die systematische Dokumentation und Analyse der Wehrmacht begann bereits unmittelbar nach Kriegsende, zunächst primär durch alliierte Historiker und im Rahmen der Nürnberger Prozesse. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich eine umfangreiche Forschungsliteratur, die verschiedene Aspekte der deutschen Streitkräfte zwischen 1935 und 1945 untersuchte. Werke wie das vorliegende, die in den 1990er Jahren erschienen, profitierten von der zunehmenden Öffnung sowjetischer Archive nach 1991 und dem gewachsenen zeitlichen Abstand, der differenziertere Analysen ermöglichte.
Der Militair Verlag gehörte zu jenen Verlagen, die sich auf militärhistorische Fachliteratur spezialisierten. Die Publikation in Großformat mit 234 Seiten deutet auf eine bebilderte Darstellung hin, die wahrscheinlich Organisationsstrukturen, Uniformen, Ausrüstung und möglicherweise biografische Informationen über Führungspersonal enthielt. Der Hartkartoneinband mit Schutzumschlag entsprach dem Standard hochwertiger militärhistorischer Publikationen dieser Epoche.
Die thematische Ausrichtung auf “Führung und Truppe” impliziert eine Darstellung sowohl der Kommandostrukturen als auch der operativen Einheiten. Die Wehrmacht gliederte sich in drei Teilstreitkräfte: das Heer, die Kriegsmarine und die Luftwaffe. Jede dieser Teilstreitkräfte hatte komplexe Führungsstrukturen, die sich während des Krieges mehrfach veränderten. Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) unter Wilhelm Keitel koordinierte theoretisch alle drei Waffengattungen, während Adolf Hitler ab 1941 zunehmend direkt in operative Entscheidungen eingriff.
Publikationen wie diese dokumentierten typischerweise die Entwicklung der Wehrmacht von ihrer offiziellen Gründung am 16. März 1935 durch das Wehrgesetz, das die Wehrpflicht wieder einführte und die Beschränkungen des Versailler Vertrages brach. Die anfängliche Stärke von 100.000 Mann der Reichswehr wurde massiv ausgebaut, bis die Wehrmacht 1939 etwa 2,7 Millionen und 1945 auf dem Höhepunkt über 9 Millionen Soldaten zählte.
Der Zeitraum 1939-1945 umfasst die gesamte Dauer des Zweiten Weltkriegs aus deutscher Perspektive, vom Überfall auf Polen am 1. September 1939 bis zur bedingungslosen Kapitulation am 8./9. Mai 1945. In diesen sechs Jahren durchlief die Wehrmacht dramatische Phasen: die erfolgreichen Blitzkriege 1939-1941, die Wendepunkte von Stalingrad und El Alamein 1942/43, und den anschließenden Rückzug an allen Fronten bis zum totalen Zusammenbruch.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Wehrmacht wurde besonders durch die Wehrmachtsausstellung (1995-1999) intensiviert, die zeitlich kurz nach Erscheinen dieses Bandes stattfand. Diese Ausstellung löste kontroverse Debatten über die Rolle der Wehrmacht bei Kriegsverbrechen und dem Holocaust aus und widerlegte die lange gepflegte Legende einer “sauberen Wehrmacht”. Moderne Forschungen haben eindeutig belegt, dass reguläre Wehrmachtseinheiten aktiv an Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung, an der Verfolgung und Ermordung von Juden sowie an anderen Kriegsverbrechen beteiligt waren.
Bücher dieser Art dienten verschiedenen Zwecken: Sie waren Nachschlagewerke für Sammler militärischer Ausrüstung und Uniformen, Quellen für militärhistorische Forschung und Dokumentationen für das allgemeine historisch interessierte Publikum. Der Zustand 2 bezeichnet in der Antiquariatsterminologie einen sehr guten bis guten Erhaltungszustand mit minimalen Gebrauchsspuren.
Die Bedeutung solcher Publikationen liegt in ihrer Funktion als Brücke zwischen Primärquellen und populärwissenschaftlicher Darstellung. Sie machten Informationen aus Archiven, ehemaligen Militärdokumenten und Zeitzeugenberichten einem breiteren Publikum zugänglich. Gleichzeitig müssen sie im Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet werden, da sich die historiographische Bewertung der Wehrmacht kontinuierlich weiterentwickelt hat.
Für Sammler militärhistorischer Literatur und Forscher stellen solche Bände wichtige Dokumentationen dar, die den Wissensstand und die Perspektiven der frühen 1990er Jahre widerspiegeln. Sie ergänzen neuere wissenschaftliche Arbeiten und ermöglichen einen Einblick in die Entwicklung der Wehrmacht-Historiographie über die Jahrzehnte hinweg.