Elastolin - Heer Musiker auf Schrittpferd
Die Elastolin-Figur eines Heer-Musikers auf Schrittpferd repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Spielzeuggeschichte und zugleich ein bedeutendes kulturhistorisches Zeugnis militärischer Tradition. Diese 7 cm große Figur eines Trompeters zu Pferd stammt aus der Produktion der Firma Hausser, die unter dem Markennamen Elastolin von den 1920er bis in die 1950er Jahre hinein zu den führenden Herstellern von Massefiguren in Deutschland zählte.
Die O. & M. Hausser KG wurde 1904 in Ludwigsburg gegründet und entwickelte um 1926 das revolutionäre Material Elastolin, eine Masse aus Kasein, Kreide, Glycerin und anderen Zusätzen, die auf Drahtgestelle aufgebracht wurde. Diese Innovation ermöglichte die Produktion detaillierter, relativ stabiler und zugleich kostengünstiger Spielzeugfiguren. Im Gegensatz zu den traditionellen Zinnfiguren boten Elastolin-Figuren eine dreidimensionale Plastizität und waren für Kinder besser geeignet, da sie weniger zerbrechlich waren.
Die Darstellung von Militärmusikern hat in der deutschen Militärgeschichte eine lange Tradition. Seit dem 18. Jahrhundert gehörten Trompeter und andere Musiker fest zur Organisationsstruktur der Kavallerie und Infanterie. Der Trompeter hatte dabei nicht nur repräsentative Aufgaben, sondern erfüllte wichtige taktische Funktionen: Durch festgelegte Signale übermittelte er Befehle auf dem Schlachtfeld, koordinierte Bewegungen und gab wichtige Kommandos, wenn verbale Kommunikation aufgrund von Entfernung oder Kampflärm unmöglich war.
In der Reichswehr der Weimarer Republik und später in der Wehrmacht ab 1935 blieb die Militärmusik ein integraler Bestandteil des militärischen Zeremoniells und der Truppenorganisation. Berittene Musiker waren besonders bei Kavallerieregimentern und später bei Aufklärungseinheiten zu finden. Ihre Uniformen unterschieden sich häufig durch besondere Abzeichen und Kordeln von denen der regulären Soldaten, was auch in den Elastolin-Figuren detailliert nachgebildet wurde.
Die Hausser-Manufaktur produzierte ein umfangreiches Sortiment militärischer Figuren, das alle Waffengattungen und Epochen umfasste. Die Figuren wurden von talentierten Bildhauern entworfen und in Handarbeit bemalt. Besonders die Pferde-Figuren erforderten erhebliches handwerkliches Geschick, da die Proportionen und die Haltung der Tiere naturgetreu dargestellt werden mussten. Das “Schrittpferd” zeigt das Tier in ruhiger Gangart, was typisch für Paradehaltung oder den regulären Marsch war.
Der Zustand 2- (entsprechend der gängigen Sammlerterminologie) deutet auf eine gut erhaltene Figur mit leichten Gebrauchsspuren hin. Angesichts des Alters dieser Figuren – die meisten stammen aus der Zeit zwischen 1930 und 1945 – ist dies ein durchaus zufriedenstellender Erhaltungszustand. Häufige Alterungserscheinungen bei Elastolin-Figuren umfassen Farbabplatzungen, Risse in der Masse oder verbogene Drahtgestelle.
Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Firma Hausser ihre Produktion umstellen. In der französischen Besatzungszone gelegen, wurde zunächst die Herstellung militärischer Spielzeuge untersagt. Erst allmählich konnte die Produktion wieder aufgenommen werden, wobei zunehmend zivile Themen und später auch Kunststofffiguren das Sortiment bestimmten. Die klassischen Elastolin-Massefiguren wurden bis etwa 1955 produziert, bevor moderne Kunststoffe das traditionelle Material verdrängten.
Heute sind Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte, die nicht nur militärhistorisches Interesse wecken, sondern auch als Zeugnisse deutscher Handwerkskunst und Spielzeuggeschichte geschätzt werden. Sie dokumentieren die Uniformierung, Ausrüstung und Darstellung des Militärs in einer spezifischen historischen Epoche und bieten Einblicke in die Alltagskultur und das Spielverhalten vergangener Generationen. Musiker-Figuren wie der hier beschriebene Trompeter sind dabei besonders gesucht, da sie oft in geringerer Stückzahl produziert wurden als einfache Infanteristen oder Soldaten in Kampfhaltung.