Frankreich Orden der Ehrenlegion - 7. Modell der V. Republik ab 1870 - Ritterkreuz

Das Medaillon vorderseitig "Republique Francaise 1870", rückseitig Trikoloren. Beidseitig emailliert, das Medaillon aus Gold, am Band . Viel getragen, die Emaille leicht beschädigt, Zustand 2-.
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250,00

Frankreich Orden der Ehrenlegion - 7. Modell der V. Republik ab 1870 - Ritterkreuz

Der französische Orden der Ehrenlegion (Ordre national de la Légion d'honneur) repräsentiert seit über zwei Jahrhunderten die höchste Auszeichnung der französischen Republik. Das hier beschriebene Ritterkreuz gehört zum 7. Modell der V. Republik ab 1870, einer historisch bedeutsamen Ausführung, die nach dem Fall des Zweiten Kaiserreichs und der Proklamation der Dritten Republik eingeführt wurde.

Die Geschichte des Ordens beginnt am 19. Mai 1802, als der damalige Erste Konsul Napoleon Bonaparte die Ehrenlegion durch Gesetz gründete. Napoleon schuf damit eine neue Form der Anerkennung, die sowohl militärische als auch zivile Verdienste würdigen sollte und die alten Adelsprivilegien des Ancien Régime durch ein meritokratisches System ersetzte. Die Ordnung wurde am 15. Juli 1804 offiziell eingeweiht und entwickelte sich rasch zur bedeutendsten französischen Auszeichnung.

Das 7. Modell von 1870 markiert einen entscheidenden Wendepunkt in der Geschichte des Ordens. Nach der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg und dem Sturz Kaiser Napoleons III. im September 1870 musste die neu ausgerufene Republik die Ordenssymbolik anpassen. Die kaiserlichen Embleme wurden entfernt und durch republikanische Symbole ersetzt. Die Vorderseite des Medaillons trägt nun die Inschrift “République Française 1870”, die den republikanischen Charakter der neuen Staatsform deutlich macht und gleichzeitig das Gründungsjahr der Dritten Republik dokumentiert.

Die technische Ausführung dieses Ordenstyps folgt präzisen Vorgaben. Das Medaillon besteht aus Gold, während die charakteristischen fünf Doppelarme des Sterns in weißem Email ausgeführt sind. Die Rückseite zeigt die französischen Trikoloren (bleu, blanc, rouge), die seit der Französischen Revolution die nationalen Farben Frankreichs darstellen. Die beidseitige Emaillierung erforderte höchstes handwerkliches Können und wurde von spezialisierten Pariser Werkstätten durchgeführt, die oft über Generationen diese Kunst perfektionierten.

Der Rang des Ritters (Chevalier) bildet die Grundstufe in der fünfstufigen Hierarchie der Ehrenlegion: Ritter, Offizier, Kommandeur, Großoffizier und Großkreuz. Das Ritterkreuz wird traditionell am Band auf der linken Brustseite getragen. Das charakteristische Band in leuchtendem Rot symbolisiert das Blut, das für Frankreich vergossen wurde, und ist eines der bekanntesten Ordensbänder weltweit.

Die Dritte Republik (1870-1940) nutzte die Ehrenlegion intensiv zur Anerkennung militärischer Tapferkeit, besonders während des Ersten Weltkriegs. Hunderttausende französischer Soldaten erhielten die Auszeichnung für ihren Einsatz in den Schützengräben von Verdun, an der Marne und in Flandern. Auch zivile Verdienste in Wissenschaft, Kunst und öffentlichem Dienst wurden gewürdigt, was die universelle Bedeutung des Ordens unterstrich.

Die Tragespuren und leichten Emailschäden des beschriebenen Stücks zeugen von seiner tatsächlichen Verwendung durch den Träger. Solche Gebrauchsspuren sind bei historischen Orden durchaus erwünscht, da sie die authentische Geschichte des Objekts dokumentieren. Im Gegensatz zu fabrikneuen oder nie getragenen Stücken erzählen diese Orden eine persönliche Geschichte eines Einzelnen, der für seine Verdienste um Frankreich geehrt wurde.

Die Herstellung erfolgte nach 1870 in staatlich autorisierten Werkstätten, zunächst vor allem bei der renommierten Firma Arthus Bertrand in Paris, die seit 1803 offizielle Lieferantin der Ehrenlegion war. Die Qualität und Echtheit wurden durch strenge staatliche Kontrollen gewährleistet. Jede Verleihung wurde im Bulletin officiel de la Légion d'honneur dokumentiert, einem Register, das bis heute geführt wird.

Das 7. Modell blieb bis zur Gründung der Vierten Republik 1946 in Verwendung, wobei nach dem Ersten Weltkrieg kleinere Modifikationen vorgenommen wurden. Heute sind diese Stücke wichtige Zeugnisse der französischen Geschichte zwischen 1870 und 1946, einer Epoche, die durch zwei Weltkriege, politische Umbrüche und gesellschaftliche Transformationen geprägt war. Sammler und Historiker schätzen das 7. Modell besonders wegen seiner Verbindung zur heroischen Epoche der Dritten Republik und seiner handwerklichen Qualität.