Die Saarabstimmung von 1935 stellte ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte des Dritten Reiches dar und wurde von einer umfangreichen Propagandakampagne begleitet. Die vorliegende farbige Propaganda-Postkarte mit dem Slogan "1935 - Saarabstimmung - Deutsch auch Du an uns?“ dokumentiert eindrucksvoll die Bemühungen des nationalsozialistischen Regimes, die Bevölkerung des Saargebiets für eine Rückkehr zum Deutschen Reich zu mobilisieren.
Das Saargebiet war nach dem Ersten Weltkrieg gemäß dem Versailler Vertrag von 1919 unter die Verwaltung des Völkerbundes gestellt worden. Artikel 49 des Vertrages sah vor, dass nach fünfzehn Jahren, also 1935, eine Volksabstimmung über die zukünftige staatliche Zugehörigkeit des Gebietes stattfinden sollte. Die Bewohner konnten zwischen drei Optionen wählen: Anschluss an Frankreich, Anschluss an Deutschland oder Beibehaltung des Status quo unter Völkerbundverwaltung.
Die Propagandakampagne des NS-Regimes im Vorfeld der Abstimmung am 13. Januar 1935 war außerordentlich intensiv. Postkarten wie die beschriebene spielten dabei eine zentrale Rolle in der visuellen Massenkommunikation. Der Appell "Deutsch auch Du an uns?“ zielte darauf ab, ein Gefühl nationaler Zusammengehörigkeit zu erzeugen und emotionalen Druck auf die Abstimmungsberechtigten auszuüben. Diese Form der direkten Ansprache war typisch für die NS-Propaganda, die stark auf Volksgemeinschaftsideologie setzte.
Postkarten dieser Art wurden massenhaft produziert und verteilt. Sie trugen häufig Sonderstempel, die das historische Ereignis dokumentierten und den Sammlerwert erhöhten. Die Verwendung von Farbe war für die damalige Zeit bemerkenswert, da viele Propagandamaterialien noch in Schwarz-Weiß hergestellt wurden. Farbige Darstellungen sollten die emotionale Wirkung verstärken und die Botschaft einprägsamer gestalten.
Das Ergebnis der Saarabstimmung war überwältigend: 90,8 Prozent der Bevölkerung stimmten für die Rückkehr zum Deutschen Reich, nur 0,4 Prozent für den Anschluss an Frankreich und 8,8 Prozent für die Beibehaltung des Status quo. Dieses Resultat wurde von der NS-Propaganda als großer Triumph gefeiert und international als Bestätigung der deutschen Ansprüche dargestellt. Historiker betonen jedoch, dass neben nationalen Gefühlen auch wirtschaftliche Faktoren und die Angst vor französischer Herrschaft eine Rolle spielten.
Aus sammlungshistorischer Perspektive sind solche Propagandapostkarten heute wichtige zeitgeschichtliche Dokumente. Sie illustrieren die Methoden der nationalsozialistischen Massenbeeinflussung und die Instrumentalisierung nationaler Symbole. Der Zustand "2“ nach der gängigen Erhaltungsskala deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar hin, was bei Papiererzeugnissen aus den 1930er Jahren durchaus bemerkenswert ist.
Die Kombination aus Originalmarke und Sonderstempel macht solche Postkarten für Philatelisten und Militaria-Sammler besonders interessant. Sonderstempel wurden von der Reichspost für bedeutende politische Ereignisse ausgegeben und dokumentieren präzise Datum und Ort der Verwendung. Sie sind damit wichtige Provenienzmerkmale und historische Zeugnisse.
Die Saarabstimmung markierte einen wichtigen Schritt in der revisionistischen Außenpolitik des Dritten Reiches. Nach diesem propagandistischen Erfolg fühlte sich das NS-Regime in seiner Politik der schrittweisen Revision des Versailler Vertrages bestärkt. Nur zwei Monate später, im März 1935, führte Hitler die allgemeine Wehrpflicht wieder ein und verstieß damit offen gegen die Bestimmungen des Friedensvertrages.
Solche Propagandamaterialien sind heute unverzichtbare Quellen für die historische Forschung zur NS-Zeit. Sie dokumentieren nicht nur die visuellen Strategien der Machthaber, sondern auch die Allgegenwart politischer Botschaften im Alltag der 1930er Jahre. Jede Postsendung wurde so zum Träger ideologischer Inhalte.