Wehrmacht Heer (WH) Säbel für Offiziere .
Gesamtlänge ca: 99cm.
Der Offizierssäbel der Wehrmacht Heer verkörpert eine bedeutende Tradition der deutschen Militärgeschichte, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 und der anschließenden Wiederaufrüstung Deutschlands wurde 1935 die Wehrmacht offiziell gegründet, die die Reichswehr ablöste. Mit der Neuorganisation des deutschen Militärs kam auch die Notwendigkeit standardisierter Uniformen und Ausrüstungsgegenstände, einschließlich der Blankwaffen für Offiziere.
Der hier beschriebene Säbel entspricht dem Modell 1935, das durch eine Verordnung vom 4. Juli 1935 für Offiziere des Heeres eingeführt wurde. Diese Waffe diente primär zeremoniellen Zwecken und war Teil der Paradeuniform. Der Säbel stellte ein wichtiges Statussymbol dar und unterstrich den Rang und die Würde eines Offiziers im nationalsozialistischen Deutschland.
Die Fertigung erfolgte durch verschiedene renommierte Solinger Klingenhersteller, die eine jahrhundertelange Tradition in der Produktion von Blankwaffen besaßen. Solingen, oft als “Klingenstadt” bezeichnet, war seit dem Mittelalter das Zentrum der deutschen Schwert- und Messerherstellung. Firmen wie P.D. Lüneschloß, Carl Eickhorn, WKC (Weyersberg, Kirschbaum & Cie) und andere produzierten diese Säbel nach militärischen Spezifikationen.
Das charakteristische Messinggefäß mit Löwenkopf war ein herausragendes Merkmal dieses Säbeltyps. Der Löwenkopf am Knauf symbolisierte Mut und Stärke und war ein traditionelles Element deutscher Militärblankwaffen. Die Vergoldung des Gefäßes verlieh dem Säbel einen repräsentativen Charakter, der seiner zeremoniellen Funktion entsprach. Bei hochwertigen Ausführungen wurden manchmal Glasaugen in den Löwenkopf eingesetzt, was jedoch nicht bei allen Modellen der Fall war.
Ein besonders bedeutendes Element war der auf dem Parierlappen angebrachte Hoheitsadler mit gestreckten Flügeln, der das Hakenkreuz in seinen Fängen hielt. Dieses Symbol der nationalsozialistischen Wehrmacht war ab 1935 vorgeschrieben und unterschied die Säbel der Wehrmacht deutlich von denen der früheren Reichswehr, die noch den republikanischen Adler trugen.
Der schwarze Kunststoffgriff mit Drahtwicklung war eine praktische Lösung, die Griffigkeit und Haltbarkeit gewährleistete. Die Drahtwicklung, meist aus versilbertem oder vergoldetem Metalldraht, verhinderte das Abrutschen der Hand und verlieh dem Griff zusätzliche Stabilität. Der Einsatz von Kunststoff anstelle von organischen Materialien wie Horn oder Elfenbein war eine modernere Entwicklung, die auch wirtschaftliche Überlegungen widerspiegelte.
Die schwarz lackierte Stahlscheide war standardmäßig bei Heeres-Offizierssäbeln. Sie bestand aus Stahlblech und wurde schwarz lackiert, um Korrosion zu verhindern und ein einheitliches Erscheinungsbild zu gewährleisten. Die Scheide verfügte über Beschläge, darunter das Mundblech, Scheidenbänder für die Aufhängung und das Schleppblech (Ortband) am unteren Ende. Diese Beschläge waren üblicherweise aus Messing gefertigt und konnten ebenfalls vergoldet sein.
Der Säbel wurde an einem Portepee (Degentroddel) getragen, dessen Farbe und Ausführung den Rang des Offiziers und seine Truppengattung anzeigte. Das Portepee wurde durch die Griffschlaufe gezogen und diente sowohl praktischen als auch dekorativen Zwecken.
Die Gesamtlänge von circa 99 Zentimetern entsprach den militärischen Vorschriften und machte den Säbel handhabbar für zeremonielle Zwecke wie Paraden, Vereidigungen und andere offizielle Anlässe. Im Gegensatz zu früheren Jahrhunderten, in denen der Säbel eine echte Kampfwaffe darstellte, war er im 20. Jahrhundert primär ein Auszeichnungs- und Standeszeichen.
Die Produktion dieser Säbel erfolgte während der gesamten Zeit des Dritten Reiches von 1935 bis 1945. Die Qualität und Ausführung konnte je nach Herstellungsjahr und Hersteller variieren. Gegen Kriegsende, als Ressourcen knapp wurden, kam es häufig zu Vereinfachungen bei Material und Verarbeitung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des Dritten Reiches im Mai 1945 wurden viele dieser Säbel von alliierten Soldaten als Kriegstrophäen mitgenommen oder von deutschen Soldaten versteckt. Heute sind sie Sammlerstücke von militärhistorischem Interesse. Der wissenschaftliche und pädagogische Wert dieser Objekte liegt in ihrer Funktion als materielle Zeugnisse einer dunklen Epoche der deutschen Geschichte. Sie erinnern an die Militärtradition, aber auch an die Instrumentalisierung solcher Traditionen durch das nationalsozialistische Regime.
Bei der Bewertung und dem Sammeln solcher militärhistorischer Objekte ist stets zu beachten, dass sie im Kontext ihrer Zeit verstanden werden müssen. Sie sind wichtige Quellen für Militärhistoriker, Waffenkundler und Museen, die die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und der Wehrmacht dokumentieren und aufarbeiten.