Ausweis Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau u. Eisenhütten Hermann-Göring ( Hütte Braunschweig )
Kommt mit seinem Nachkriegs-Ausweis
Der vorliegende Ausweis der Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten Hermann-Göring, ausgegeben vom Werk in Braunschweig am 25. September 1942, stellt ein bedeutendes Zeitdokument der deutschen Rüstungsindustrie während des Zweiten Weltkrieges dar.
Die Reichswerke Hermann Göring wurden 1937 auf Befehl von Hermann Göring, dem Beauftragten für den Vierjahresplan, gegründet. Ursprünglich sollte das Unternehmen die Ausbeutung minderwertiger Eisenerzvorkommen in Deutschland ermöglichen, um die wirtschaftliche Autarkie des Deutschen Reiches zu fördern. Was als relativ kleines Projekt begann, entwickelte sich rasch zum größten Industriekonzern des nationalsozialistischen Deutschlands.
Das Werk Braunschweig, auch bekannt als die Watenstedt-Salzgitter-Werke, war eines der wichtigsten Produktionszentren der Reichswerke. Die Anlage wurde ab 1937 in der Nähe von Salzgitter errichtet und spielte eine zentrale Rolle in der deutschen Rüstungsproduktion. Bis 1942, dem Ausstellungsjahr des vorliegenden Ausweises, hatte sich das Werk zu einem der modernsten Stahlwerke Europas entwickelt.
Solche Werksausweise dienten mehreren wichtigen Zwecken: Sie identifizierten den Träger als berechtigten Mitarbeiter, gewährten Zugang zu gesicherten Produktionsstätten und waren während des Krieges auch für die Lebensmittelzuteilung und andere administrative Zwecke von Bedeutung. Das Foto auf dem Ausweis war obligatorisch und diente der eindeutigen Identifizierung. Die Ausweise wurden regelmäßig überprüft, insbesondere an den stark bewachten Werkstoren.
Im Jahr 1942, als dieser Ausweis ausgestellt wurde, befanden sich die Reichswerke auf dem Höhepunkt ihrer Expansion. Das Unternehmen beschäftigte zu diesem Zeitpunkt mehrere hunderttausend Arbeiter, darunter einen erheblichen Anteil von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen. Die Arbeitsbedingungen in den Werken waren oft extrem hart, besonders für die Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten.
Die Reichswerke Hermann Göring wuchsen während des Krieges durch die Eingliederung eroberter Industrieanlagen in den besetzten Gebieten, insbesondere in Polen, Österreich und der Tschechoslowakei. Der Konzern produzierte Stahl, Kohle, Munition und verschiedene andere kriegswichtige Materialien. Die Braunschweiger Hütte war speziell auf die Stahlproduktion ausgerichtet.
Der Umstand, dass zu diesem Ausweis auch ein Nachkriegs-Ausweis gehört, ist von besonderem historischem Interesse. Nach der deutschen Kapitulation 1945 wurden die Reichswerke von den Alliierten beschlagnahmt. Die Produktionsanlagen in der britischen Besatzungszone, zu der Braunschweig gehörte, wurden zunächst unter alliierte Kontrolle gestellt. Viele ehemalige Mitarbeiter der Reichswerke fanden in den Nachfolgeunternehmen Beschäftigung, was die Existenz von Nachkriegsausweisen erklärt.
Die Salzgitter AG, die 1937 als Kernstück der Reichswerke gegründet worden war, wurde nach verschiedenen Reorganisationen in der Nachkriegszeit zu einem der wichtigsten Stahlproduzenten der Bundesrepublik Deutschland. Die industrielle Infrastruktur, die während der NS-Zeit aufgebaut wurde, bildete paradoxerweise einen Teil der Grundlage für den wirtschaftlichen Wiederaufbau Deutschlands.
Der beschädigte Zustand des Ausweises ist typisch für solche Dokumente, die täglich benutzt wurden. Die Mitarbeiter mussten ihre Ausweise ständig bei sich tragen und an den Werkstoren vorzeigen. Die physische Abnutzung spiegelt die intensive Nutzung und die schwierigen Bedingungen der Kriegsjahre wider.
Aus sammlerischer und historischer Perspektive sind solche Dokumente wertvolle Zeugnisse der deutschen Industriegeschichte und der Rüstungsproduktion im Zweiten Weltkrieg. Sie dokumentieren nicht nur die administrativen Strukturen der Kriegswirtschaft, sondern auch die individuellen Schicksale der Menschen, die in diesem System arbeiteten – ob freiwillig oder gezwungen.
Die Kombination aus Kriegs- und Nachkriegsausweis ermöglicht zudem einen seltenen Einblick in die Kontinuitäten und Brüche der deutschen Industriegeschichte über die Zäsur von 1945 hinweg. Sie illustriert, wie industrielle Strukturen und teilweise auch Personal die politischen Umbrüche überdauerten, während sich die Eigentumsverhältnisse und die politische Rahmenbedingungen fundamental änderten.