Deutscher Luftsport Verband DLV - Schirmmütze für Flieger

um 1933/34. Sattelform, graublaues Tuch. Hoheitsadler aus Buntmetall, DLV-Schwinge aus Aluminium. Innen braunes Schweißleder und helles Futter mit Zelluloidtrapez. Größe ca.52. Zustand 2.
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€ 1.100,00

Deutscher Luftsport Verband DLV - Schirmmütze für Flieger

Die Schirmmütze des Deutschen Luftsport-Verbandes (DLV) für Flieger aus der Zeit um 1933/34 stellt ein bedeutendes Zeugnis der Übergangsphase deutscher Luftfahrtgeschichte dar. Der DLV wurde am 25. März 1933 gegründet und diente als zivile Tarnorganisation für die noch geheime Aufstellung der deutschen Luftwaffe, die offiziell erst am 1. März 1935 durch Hermann Göring verkündet wurde.

Nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages von 1919 war es Deutschland untersagt, eine Militärluftwaffe zu unterhalten. Die Weimarer Republik umging diese Restriktionen teilweise durch die Förderung des zivilen Luftsports und der Segelfliegerei. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde diese Strategie systematisch ausgebaut. Der DLV übernahm sämtliche bestehenden Luftsportorganisationen und wurde zum größten Luftsportverband der Welt mit zeitweise über 300.000 Mitgliedern.

Die vorliegende Schirmmütze in Sattelform aus graublauem Tuch entspricht der frühen Uniformordnung des DLV. Die Farbgebung orientierte sich bereits an der späteren Luftwaffenuniform und sollte eine gewisse Kontinuität schaffen. Das graue Blau war charakteristisch für fliegendes Personal und unterschied sich von den Uniformen anderer DLV-Abteilungen.

Besonders bemerkenswert sind die beiden Abzeichen dieser Mütze: Der Hoheitsadler aus Buntmetall und die DLV-Schwinge aus Aluminium. Der Hoheitsadler, auch Reichsadler genannt, war das staatliche Hoheitszeichen des Deutschen Reiches. Bei DLV-Uniformen blickte der Adler nach links (heraldisch rechts) und hielt einen Kranz mit Hakenkreuz in den Fängen. Die DLV-Schwinge, ein geflügeltes Abzeichen, symbolisierte die fliegerische Tätigkeit und war spezifisch für den Luftsportverband.

Die Innenaustattung mit braunem Schweißleder und hellem Futter sowie dem Zelluloidtrapez entsprach den damaligen Herstellungsstandards für höherwertige Kopfbedeckungen. Das Zelluloidtrapez diente zur Aufnahme eines Papierschildes mit Herstellerangaben oder Größenbezeichnung. Die Größe 52 war eine gängige Herrengröße.

Der organisatorische Aufbau des DLV war streng hierarchisch und militärisch strukturiert. Die Organisation gliederte sich in Landesgruppen, Gaue und Ortsgruppen. Bereits 1933/34 begann die verdeckte Pilotenausbildung für die künftige Luftwaffe. Unter dem Deckmantel des Sportvereins wurden junge Männer in motorisiertem Flug, Navigation und anderen militärisch relevanten Fähigkeiten ausgebildet.

Die Uniformierung des DLV folgte präzisen Vorschriften, die 1933 und 1934 mehrfach angepasst wurden. Die Schirmmütze war Bestandteil der Dienstbekleidung für aktive Flieger und sollte Seriosität und Professionalität ausstrahlen. Im Gegensatz zu späteren Luftwaffenuniformen waren die DLV-Uniformen noch relativ schlicht gehalten, ohne übermäßige Verzierungen.

Mit der offiziellen Gründung der Wehrmacht und der Luftwaffe 1935 verlor der DLV allmählich seine militärische Funktion. Die Organisation wurde 1937 umstrukturiert und in das Nationalsozialistische Fliegerkorps (NSFK) überführt. Viele DLV-Mitglieder wechselten direkt zur neuen Luftwaffe, wodurch der Verband seine wichtigsten Kader verlor.

Aus militärhistorischer Perspektive dokumentiert diese Schirmmütze die Aufrüstungspolitik des NS-Regimes in ihrer Anfangsphase. Sie zeigt, wie systematisch Deutschland die Beschränkungen des Versailler Vertrages unterlief und bereits Jahre vor der offiziellen Verkündung eine Luftstreitmacht aufbaute. Die scheinbar zivile Organisation des DLV war in Wirklichkeit ein integraler Bestandteil der geheimen Wiederaufrüstung.

Heute sind originale DLV-Uniformstücke aus der frühen Phase 1933/34 relativ selten, da die Organisation nur wenige Jahre in dieser Form existierte und viele Uniformteile später durch Luftwaffen- oder NSFK-Uniformen ersetzt wurden. Solche Objekte sind wichtige Quellen für die Erforschung der deutschen Militärgeschichte und der Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges.