Frankreich 2. Weltkrieg Vichy Regierung, Mitgliedsabzeichen Silberstufe "Rassemblement National Populaire"
Das vorliegende Mitgliedsabzeichen des Rassemblement National Populaire (RNP) stellt ein bedeutendes Zeitzeugnis der komplexen politischen Landschaft im besetzten Frankreich während des Zweiten Weltkriegs dar. Dieses circa 23 mm große Abzeichen in Silberstufe mit Knopflochausführung und der rückseitigen Bezeichnung “RNP” repräsentiert eine der bedeutendsten kollaborationistischen Parteien des Vichy-Regimes.
Das Rassemblement National Populaire wurde am 20. Januar 1941 von Marcel Déat gegründet, einem ehemaligen sozialistischen Abgeordneten, der sich zunehmend dem Faschismus zuwandte. Déat, der bereits in den 1930er Jahren durch seinen Artikel “Mourir pour Dantzig?” (Für Danzig sterben?) Aufsehen erregt hatte, entwickelte sich zu einem der prominentesten Befürworter einer aktiven Kollaboration mit Nazi-Deutschland. Die RNP entstand aus der Fusion mehrerer kleinerer faschistischer und kollaborationistischer Gruppierungen in der besetzten Zone Frankreichs.
Die Partei verfolgte eine ultrakollaborationistische Linie, die weit über die offizielle Position der Vichy-Regierung unter Marschall Philippe Pétain hinausging. Während Pétain zunächst eine Politik der vorsichtigen Zusammenarbeit verfolgte, forderte die RNP eine vollständige ideologische und militärische Angleichung an das nationalsozialistische Deutschland. Die Partei propagierte einen französischen Faschismus, der antisemitische, antidemokratische und antibolschewistische Elemente vereinte.
Das Mitgliedsabzeichen in Silberstufe deutet auf eine hierarchische Struktur innerhalb der Organisation hin. Wie bei vielen faschistischen Bewegungen der Epoche wurden verschiedene Rangabzeichen und Auszeichnungen verwendet, um Loyalität, Dienstdauer oder besondere Verdienste zu kennzeichnen. Die Knopflochausführung ermöglichte das diskrete Tragen im Zivilleben, während die rückseitige Kennzeichnung “RNP” die Authentizität des Abzeichens bestätigte.
Die RNP konzentrierte ihre Aktivitäten hauptsächlich auf die besetzte Zone, besonders in Paris, wo sie ihre Zentrale unterhielt. Die Partei verfügte über eine paramilitärische Organisation, publizierte Zeitungen wie “L'Œuvre” und organisierte öffentliche Kundgebungen. Trotz umfangreicher deutscher Unterstützung erreichte die RNP nie die Massenbasis, die Déat anstrebte. Schätzungen zufolge hatte die Partei zwischen 20.000 und 30.000 Mitglieder auf ihrem Höhepunkt im Jahr 1942.
Die Beziehung zwischen der RNP und dem Vichy-Regime war ambivalent. Pétain und sein Premier Pierre Laval betrachteten Déat und seine Partei mit Misstrauen, da deren radikale Position die diplomatischen Spielräume der Vichy-Regierung einschränkte. Dennoch wurde Déat im März 1944, kurz vor der alliierten Invasion, zum Minister für Arbeit und nationale Solidarität ernannt, was die zunehmende Radikalisierung des Regimes in seiner Endphase widerspiegelte.
Die Mitglieder der RNP beteiligten sich aktiv an der Verfolgung von Juden und Widerstandskämpfern. Sie unterstützten die deutschen Besatzungsbehörden bei Razzien und Deportationen und warben für die Rekrutierung französischer Arbeiter für den Kriegseinsatz in Deutschland sowie für den Dienst in der Legion der Französischen Freiwilligen gegen den Bolschewismus (LVF) an der Ostfront.
Nach der Befreiung Frankreichs 1944 floh Marcel Déat nach Deutschland und später nach Italien, wo er unter falschem Namen bis zu seinem Tod 1955 lebte. Viele RNP-Mitglieder wurden vor Gericht gestellt und wegen Kollaboration verurteilt. Die Partei wurde verboten, und ihre Symbole und Abzeichen wurden zu Relikten einer dunklen Periode der französischen Geschichte.
Heute dienen solche Mitgliedsabzeichen als wichtige historische Dokumente für die Erforschung der Kollaboration in Frankreich. Sie erinnern an die ideologische Zersplitterung der französischen Gesellschaft während der Besatzungszeit und an jene Franzosen, die aktiv mit dem Feind zusammenarbeiteten. Für Historiker und Sammler militärhistorischer Objekte repräsentieren diese Abzeichen die materielle Kultur einer politischen Bewegung, die versuchte, eine faschistische Alternative zur französischen Republik zu etablieren.