Preußen Schirmmütze für einen Offizier im 2. Westfälischen Husaren-Regiment Nr. 11

Standort Krefeld, um 1910. Sattelform, das Tuch grün, roter Mützenbund, weiße Vorstöße, komplett mit beiden Kokarden, schwarz lackierter Schirm. Innen braunes Schweißleder mit alter Reparatur, goldgelbes Seidenfutter, Herstellerstempel und Stempel "Fr. Berenberg Dortmund. Größe ca. 56. Zustand 2.



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650,00

Preußen Schirmmütze für einen Offizier im 2. Westfälischen Husaren-Regiment Nr. 11

Die preußische Schirmmütze für Offiziere des 2. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 11 repräsentiert die verfeinerte militärische Tradition und das aristokratische Erbe der preußischen Husarenregimenter im Deutschen Kaiserreich. Diese um 1910 gefertigte Kopfbedeckung verkörpert die charakteristische Eleganz und den distinktiven Stil, der die Husareneinheiten von anderen Kavallerieformationen unterschied.

Das 2. Westfälische Husaren-Regiment Nr. 11 wurde 1813 als Teil der Befreiungskriege gegen Napoleon gegründet und hatte seinen Garnisonsstandort in Krefeld. Das Regiment entwickelte im Laufe des 19. Jahrhunderts eine stolze Tradition und nahm an wichtigen militärischen Operationen teil, einschließlich des Deutsch-Dänischen Krieges (1864), des Deutschen Krieges (1866) und des Deutsch-Französischen Krieges (1870-1871). Die Regimentsfarben grün und rot wurden zu identifizierenden Merkmalen dieser Einheit.

Die Schirmmütze (Feldmütze) wurde im Verlauf des späten 19. Jahrhunderts als praktischere Alternative zum traditionellen Tschako oder Kolpak eingeführt. Die hier beschriebene Mütze in Sattelform entspricht der preußischen Militärmode der wilhelminischen Ära, insbesondere der Zeit zwischen 1890 und 1914. Diese Form war charakteristisch für Offiziersdienstmützen und unterschied sich deutlich von den einfacheren Ausführungen der Mannschaften.

Das grüne Tuch der Mütze war die Waffenfarbe der Husaren und stellte eine jahrhundertealte Tradition dar, die auf die ungarischen Ursprünge dieser leichten Kavalleriegattung zurückgeht. Der rote Mützenbund und die weißen Vorstöße waren spezifische Regimentsabzeichen des 2. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 11, die in den preußischen Uniformvorschriften genau festgelegt waren. Die Allerhöchste Kabinetts-Order (AKO) regelte minutiös die Uniformierung jeder preußischen Militäreinheit, einschließlich der spezifischen Farbkombinationen.

Die beiden Kokarden an der Mütze hatten wichtige symbolische Bedeutungen. Die preußische Kokarde in schwarz-weiß repräsentierte die Zugehörigkeit zum Königreich Preußen, während die Reichskokarde in schwarz-weiß-rot die Loyalität zum Deutschen Kaiserreich nach 1871 symbolisierte. Diese doppelte Kokardenregelung war charakteristisch für preußische Regimenter im Kaiserreich.

Der schwarz lackierte Schirm war standard für Offiziersdienstmützen und diente sowohl praktischen als auch ästhetischen Zwecken. Die Lackierung schützte das Material vor Witterungseinflüssen und verlieh der Kopfbedeckung einen glänzenden, gepflegten Ausdruck, der dem Offiziersstand angemessen war.

Das Schweißleder und das goldgelbe Seidenfutter im Inneren zeigen die hochwertige Verarbeitung dieser Offizierskopfbedeckung. Das Seidenfutter war ein Luxusmerkmal, das den Status des Trägers unterstrich. Der Herstellerstempel und der Stempel “Fr. Berenberg Dortmund” weisen auf einen etablierten Militäreffektenhändler hin, der wahrscheinlich Offiziere in der Region Westfalen belieferte. Solche Firmen waren oft über Generationen im Militärgeschäft tätig und hatten enge Beziehungen zu lokalen Regimentern.

Die Größenangabe von etwa 56 entspricht den damals üblichen deutschen Kopfgrößenmaßen. Die Tatsache, dass das Schweißleder eine alte Reparatur aufweist, deutet darauf hin, dass diese Mütze tatsächlich getragen wurde und nicht nur ein Paradestück war. Dies verleiht dem Objekt zusätzliche historische Authentizität.

Die Zeit um 1910, in der diese Mütze gefertigt wurde, war eine Hochphase des preußischen Militarismus unter Kaiser Wilhelm II. Das deutsche Heer hatte sich zu einer der modernsten und mächtigsten Streitkräfte Europas entwickelt. Die Husarenregimenter, obwohl sie allmählich ihre traditionelle Rolle als leichte Kavallerie verloren, behielten ihre zeremoniellen Funktionen und ihren gesellschaftlichen Prestige bei. Offiziere in diesen Regimentern stammten häufig aus dem Adel oder dem gehobenen Bürgertum.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 änderte sich die Rolle der Kavallerie dramatisch. Die moderne Kriegsführung mit Maschinengewehren, Artillerie und Schützengräben machte traditionelle Kavallerieoperationen weitgehend obsolet. Das 2. Westfälische Husaren-Regiment Nr. 11 nahm dennoch an verschiedenen Operationen des Ersten Weltkrieges teil, bevor es 1919 mit der Auflösung der kaiserlichen Armee aufgelöst wurde.

Heute sind solche Offiziersschirmmützen wichtige militärhistorische Artefakte, die Einblick in die Uniformierungspraxis, soziale Hierarchien und handwerkliche Traditionen des Deutschen Kaiserreiches geben. Sie dokumentieren eine Epoche, die mit dem Ende des Ersten Weltkrieges unwiderruflich zu Ende ging.