Braunschweig Orden Heinrich des Löwen Satz 1. Klasse Kleinod und Bruststern, 1908 - 1918
Die 1. Klasse wurde in 118 Exemplaren verliehen, ein originaler Satz ist nur ganz selten zu finden.
Der Orden Heinrichs des Löwen gehört zu den bedeutendsten dynastischen Auszeichnungen des deutschen Adels im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Herzog Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg stiftete den Orden am 25. April 1834 zur Erinnerung an Heinrich den Löwen (um 1129-1195), den legendären Herzog von Sachsen und Bayern, der als Gründer der Welfendynastie und als einer der mächtigsten Fürsten des Mittelalters in die Geschichte einging. Der Orden diente zur Auszeichnung von Personen, die sich durch verdienstvolle militärische oder zivile Dienste auszeichneten, einschließlich herausragender Arbeiten in Kunst und Wissenschaft. Die Verleihung des Ordens war nicht abhängig von Klasse oder Rang des Empfängers, und die Dekorationen mussten nach dem Tod des Trägers zurückgegeben werden.
Bei seiner Gründung im Jahr 1834 bestand der Orden ursprünglich aus vier Hauptklassen sowie einem zugehörigen Verdienstkreuz. Als der Deutsch-Französische Krieg 1870 ausbrach, wurden allen Klassen Schwerter hinzugefügt, sodass der Orden auch als Auszeichnung für Kriegsverdienste dienen konnte. Am 8. März 1877 verfügte der Herzog, dass die Ritterklasse in eine erste und zweite Klasse unterteilt werden sollte. Die bedeutendste Reform erfolgte jedoch am 25. April 1908, dem Geburtstag von Herzog Wilhelm, als Johann Albrecht Herzog von Mecklenburg als Regent des Herzogtums Braunschweig den Orden Heinrichs des Löwen umfassend erweiterte. Zu diesen Erweiterungen zählte insbesondere die Stiftung der 1. Klasse, die zwischen dem Großkreuz und dem Kommandeur 1. Klasse rangierte und damit die zweithöchste Klasse des Ordens darstellte.
Das Ordenszeichen ist ein goldenes, vierarmiges, achtspitziges, hellblau emailliertes Kreuz. Das Verdienstkreuz beider Klassen ist ein hohes Kreuz mit angebrachtem Medaillon, in dem die gekrönte Initiale des Stifters “W” zu sehen ist. Auf den Armen des Kreuzes findet sich die Devise des Ordens: IM / MO / TA / FIDES. Das zentrale Medaillon auf der Vorderseite zeigt das braunschweigische Wappen mit dem springenden Pferd auf einer Säule. Auf dem Revers des Mittelschildes steht der Wahlspruch IMMOTA FIDES (Unerschütterliche Treue) mit der umlaufenden römischen Jahreszahl MDCCCXXXIV der Stiftung von 1834.
Die 1. Klasse wurde als Halsorden getragen und kam mit einem Bruststern. Der Bruststern ist ein achtspitziger silberner Stern. Das Ordensband war rot mit gelben Rändern. Ab 1909 wurden die Kreuze nur noch in Silber vergoldet hergestellt, während frühere Stücke in Gold gefertigt waren. Die hier beschriebenen Insignien wurden von F. Siebrecht, Hofjuwelier in Braunschweig, hergestellt, einer der bedeutendsten Manufakturen für braunschweigische Orden. Das Kreuz ist aus Silber vergoldet und beidseitig fein emailliert, das Medaillon zeigt die gekrönte Chiffre “W” in Gold. Der Bruststern ist aus Silber gefertigt, das Medaillon aus Gold und fein emailliert, im Zentrum in feinster Malerei das springende Welfenross. Die rückseitige Markierung “900 S” bezeichnet die Silberfeinheit von 90 Prozent und die Herstellersignatur Siebrechts.
Das Kreuz 1. Klasse wurde von 1908 bis 1918 insgesamt 120 mal verliehen, was die außerordentliche Seltenheit dieser Auszeichnung unterstreicht. Der Erste Weltkrieg (1914-1918) stellte die letzte Phase dar, in der der Orden verliehen wurde. Mit der Novemberrevolution von 1918 und der Abdankung der deutschen Fürsten endete auch die Geschichte des Herzogtums Braunschweig als monarchischer Staat und damit die offizielle Verleihung dieses traditionsreichen Ordens. Nach dem Fall der deutschen Monarchie im Jahr 1918 wurde der Orden nicht mehr verliehen. Die zeitliche Einordnung der hier beschriebenen Insignien in die Jahre 1908-1918 sowie der vollständige Satz mit Kreuz, Bruststern und ungetragener, ungenähter Schärpe im originalen Verleihungsetui machen dieses Ensemble zu einem außerordentlich seltenen und historisch bedeutsamen Zeugnis der letzten Jahre des Herzogtums Braunschweig.