Deutsches Reich - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Für hervorragende Leistung - Kontrollfahrt 150 Km Gau 20 D.R.B. 8.5.1910 - Karl Haedicke 5:12:25 "

Bronze, 50 x 80 mm, rückseitig mit Haltelaschen, Zustand 2
392457
40,00

Deutsches Reich - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Für hervorragende Leistung - Kontrollfahrt 150 Km Gau 20 D.R.B. 8.5.1910 - Karl Haedicke 5:12:25 "

Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette aus dem Deutschen Kaiserreich dokumentiert ein bemerkenswertes Ereignis aus der frühen Motorradgeschichte: die 150-Kilometer-Kontrollfahrt vom 8. Mai 1910 im Gau 20 des Deutschen Radfahrer-Bundes (D.R.B.). Diese bronzene Auszeichnung wurde an Karl Haedicke verliehen, der die Strecke in einer Zeit von 5 Stunden, 12 Minuten und 25 Sekunden bewältigte.

Der Deutsche Radfahrer-Bund wurde 1884 gegründet und entwickelte sich zur größten Dachorganisation für Radfahrer im Deutschen Reich. Mit dem Aufkommen der motorisierten Zweiräder um die Jahrhundertwende erweiterte der D.R.B. seine Aktivitäten und organisierte zunehmend auch Veranstaltungen für Motorradfahrer. Die Organisation war in verschiedene Gaue unterteilt, wobei Gau 20 geografisch einem bestimmten Verwaltungsbezirk des Reiches entsprach.

Zuverlässigkeitsfahrten und Kontrollfahrten waren in der Pionierzeit des Motorsports von besonderer Bedeutung. Anders als reine Geschwindigkeitsrennen prüften diese Veranstaltungen die technische Zuverlässigkeit der noch jungen Motorradtechnologie sowie die Ausdauer und Fähigkeiten der Fahrer. Eine 150-Kilometer-Distanz stellte im Jahr 1910 eine erhebliche Herausforderung dar, da die Straßenverhältnisse meist unbefestigt waren, die Motorentechnik noch in den Kinderschuhen steckte und Pannen an der Tagesordnung standen.

Die Plakette trägt die Inschrift “Für hervorragende Leistung”, was darauf hindeutet, dass nicht alle Teilnehmer eine solche Auszeichnung erhielten, sondern nur jene, die besondere Leistungen erbrachten. Die präzise Zeitangabe von 5:12:25 dokumentiert die exakte Überwachung der Veranstaltung durch Kontrollposten entlang der Strecke.

Solche nichttragbaren Plaketten unterschieden sich von militärischen Orden und Ehrenzeichen dadurch, dass sie nicht an der Uniform getragen wurden, sondern als Erinnerungsstücke dienten. Die rückseitigen Haltelaschen ermöglichten die Befestigung an Rahmen oder Ständern zur Präsentation. Mit ihren Maßen von 50 x 80 mm handelt es sich um ein mittelgroßes Exemplar, das typisch für sportliche Auszeichnungen dieser Epoche war.

Die Wilhelminische Ära (1888-1918) war geprägt von einem starken Fortschrittsglauben und der Begeisterung für technische Neuerungen. Der Motorsport entwickelte sich in dieser Zeit von einer Kuriosität zu einem gesellschaftlichen Phänomen. Wohlhabende Bürger, Adlige und Technikbegeisterte wetteiferten um die besten Leistungen. Die systematische Organisation solcher Veranstaltungen durch Verbände wie den D.R.B. trug wesentlich zur Standardisierung und Professionalisierung des frühen Motorsports bei.

Die Verwendung von Bronze als Material unterstreicht den Wert der Auszeichnung. Bronze war nach Gold und Silber das dritthöchste Material in der Hierarchie der Auszeichnungen und wurde häufig für sportliche Leistungen verwendet. Die Verleihung solcher Plaketten diente nicht nur der Ehrung individueller Leistungen, sondern auch der Förderung des Motorsports und der Demonstration technischen Fortschritts.

Der Zustand 2 (sehr gut) dieser Plakette zeigt, dass das Objekt über mehr als ein Jahrhundert hinweg sorgfältig aufbewahrt wurde. Dies spricht für den Stellenwert, den der Besitzer oder seine Nachkommen dieser Erinnerung beimaßen. Solche Objekte sind heute wichtige Zeugnisse der frühen Motorsportgeschichte und der gesellschaftlichen Entwicklung im Kaiserreich.

Im historischen Kontext dokumentiert diese Plakette einen Moment des Übergangs: Die Gesellschaft des Deutschen Kaiserreichs stand an der Schwelle zur Massenmotorisierung, die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzen sollte. Veranstaltungen wie die Kontrollfahrt vom 8. Mai 1910 waren Wegbereiter dieser Entwicklung und trugen dazu bei, die Akzeptanz und Verbreitung motorisierter Fortbewegungsmittel zu fördern.