Elsass-Lothringen - Deutsche Volksgemeinschaft Westmark ( Lothringen ) ( DVG )

Mitgliedsabzeichen, an Nadel, Hersteller : W. Redo Saarlautern, Zustand 2.
352257
€ 180,00

Elsass-Lothringen - Deutsche Volksgemeinschaft Westmark ( Lothringen ) ( DVG )

Das Mitgliedsabzeichen der Deutschen Volksgemeinschaft Westmark (DVG) stellt ein bedeutendes zeithistorisches Zeugnis der nationalsozialistischen Organisations- und Germanisierungspolitik in den annektierten Gebieten Elsass-Lothringens während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese Abzeichen, hergestellt von W. Redo aus Saarlouis, dokumentieren die systematischen Bemühungen des NS-Regimes, die nach der Niederlage Frankreichs im Juni 1940 wieder unter deutsche Kontrolle geratenen Territorien ideologisch und organisatorisch zu durchdringen.

Nach dem Westfeldzug 1940 wurden Elsass und Lothringen faktisch dem Deutschen Reich einverleibt, ohne dass dies völkerrechtlich durch einen Friedensvertrag legitimiert worden wäre. Das Elsass wurde dem Gau Baden zugeschlagen und bildete fortan den Gau Baden-Elsass, während Lothringen zusammen mit der Saarpfalz zum Gau Westmark vereinigt wurde. Gauleiter Josef Bürckel, der bereits als Reichskommissar für die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich eine zentrale Rolle gespielt hatte, übernahm die Leitung des Gaus Westmark mit Sitz in Saarbrücken.

Die Deutsche Volksgemeinschaft Westmark wurde als nationalsozialistische Organisation gegründet, um die Bevölkerung der lothringischen Gebiete zu erfassen und zu kontrollieren. Sie diente als Instrument der Germanisierungspolitik, die darauf abzielte, die französische Kultur und Sprache zu verdrängen und die Region vollständig in das nationalsozialistische Herrschaftssystem zu integrieren. Die Mitgliedschaft in solchen Organisationen war für viele Einwohner faktisch obligatorisch, wenn sie nicht als “reichsfeindlich” gelten und entsprechende Repressalien befürchten wollten.

Das vorliegende Abzeichen wurde von der Firma W. Redo in Saarlouis (im NS-Sprachgebrauch: Saarlautern) hergestellt. Saarlouis, eine Stadt mit strategischer Bedeutung nahe der lothringischen Grenze, entwickelte sich während der NS-Zeit zu einem wichtigen Produktionsstandort auch für Parteiabzeichen und militärische Ausrüstung. Die Firma Redo gehörte zu den zahlreichen kleineren Betrieben, die im Auftrag der NSDAP und ihrer Gliederungen Abzeichen, Uniformteile und Auszeichnungen fertigten.

Die Mitgliedsabzeichen der DVG waren typischerweise mit einer Nadel zur Befestigung an der Kleidung versehen und mussten von Mitgliedern bei offiziellen Anlässen und Parteiveranstaltungen getragen werden. Sie dienten nicht nur der Identifikation, sondern auch der öffentlichen Demonstration der Loyalität gegenüber dem NS-Regime. Das Design solcher Abzeichen folgte den strengen heraldischen und symbolischen Vorgaben der nationalsozialistischen Propaganda und sollte die “Volksgemeinschafts”-Ideologie visuell vermitteln.

Die Politik in der Westmark war von extremer Repression gegen die französischsprachige Bevölkerung geprägt. Die französische Sprache wurde verboten, französische Straßen- und Ortsnamen wurden eingedeutscht, und etwa 70.000 als “undeutsch” eingestufte Personen wurden zwischen 1940 und 1941 nach Vichy-Frankreich ausgewiesen. Gleichzeitig versuchte man, durch Ansiedlung von Volksdeutschen aus anderen Regionen den deutschen Charakter des Gebiets zu verstärken.

Die junge männliche Bevölkerung Lothringens wurde ab 1942 zur Wehrmacht eingezogen, was zu erheblichem Widerstand führte. Viele dieser Zwangsrekrutierten, die später als “Malgré-nous” (Gegen unseren Willen) bekannt wurden, kämpften widerwillig für Deutschland und desertierten bei sich bietender Gelegenheit. Ihre Situation wurde nach dem Krieg zu einem tragischen und kontroversen Kapitel der französischen Erinnerungskultur.

Organisationen wie die DVG waren eng mit der NSDAP und ihren Gliederungen verzahnt. Sie dienten der totalen Erfassung der Bevölkerung und der Durchsetzung der nationalsozialistischen Ideologie auf lokaler Ebene. Mitglieder waren verpflichtet, an Schulungen, Kundgebungen und anderen Veranstaltungen teilzunehmen, die der politischen Indoktrination dienten.

Nach der Befreiung durch amerikanische und französische Truppen im Jahr 1944/45 wurde Lothringen wieder Teil Frankreichs. Die Deutsche Volksgemeinschaft Westmark wurde als nationalsozialistische Organisation aufgelöst, und ihre ehemaligen Funktionäre mussten sich in vielen Fällen vor der französischen Justiz verantworten. Die Abzeichen und andere materielle Überreste dieser Organisationen wurden zu historischen Dokumenten einer dunklen Periode der regionalen Geschichte.

Heute sind solche Mitgliedsabzeichen wichtige zeitgeschichtliche Quellen für die Erforschung der nationalsozialistischen Besatzungs- und Annexionspolitik. Sie dokumentieren die bürokratische und symbolische Durchdringung der besetzten Gebiete und erinnern an die Leiden der Zivilbevölkerung unter der NS-Herrschaft. Für Sammler militärhistorischer Objekte sind sie bedeutsame Zeugnisse, die jedoch stets im Kontext ihrer historischen Bedeutung und der Verbrechen des NS-Regimes betrachtet werden müssen.