Heer - 2 Bildmappen : Rechts und links der Rollbahn & Soldaten in Eis und Schnee - je 24 Aquarelle vom Vormarsch und Winterkampf des XXXXVII. Panzerkorps im Osten
Die hier beschriebenen Bildmappen "Rechts und links der Rollbahn" und "Soldaten in Eis und Schnee" stellen bemerkenswerte Beispiele der militärischen Propagandakunst und Dokumentation während des Zweiten Weltkriegs dar. Beide Mappen wurden 1941 vom Flakregiment 101 im Selbstverlag herausgegeben und dokumentieren die Operationen des XXXXVII. Panzerkorps während des Feldzugs gegen die Sowjetunion.
Das XXXXVII. Panzerkorps (motorisiert) wurde im Februar 1941 unter dem Kommando von General der Panzertruppe Joachim Lemelsen aufgestellt und spielte eine bedeutende Rolle während des Unternehmens Barbarossa, dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion, der am 22. Juni 1941 begann. Das Korps war Teil der Panzergruppe 3 (später 3. Panzerarmee) und operierte zunächst im Abschnitt der Heeresgruppe Mitte. Zu seinen Divisionen gehörten unter anderem die 17. und 18. Panzerdivision sowie mehrere motorisierte Infanteriedivisionen.
Das Flakregiment 101 (motorisiert) war als Korpstruppe dem XXXXVII. Panzerkorps direkt unterstellt und hatte die Aufgabe, die schnell vorrückenden Panzer- und motorisierten Verbände gegen feindliche Luftangriffe zu schützen. Die Flakeinheiten der Wehrmacht spielten während des Ostfeldzugs eine doppelte Rolle: Neben der Luftverteidigung wurden die schweren Flakgeschütze, insbesondere die berühmte 8,8-cm-Flak, auch erfolgreich im Erdkampf gegen sowjetische Panzer eingesetzt.
Die Produktion solcher Bildmappen war im Zweiten Weltkrieg ein verbreitetes Phänomen innerhalb der Wehrmacht. Sie dienten mehreren Zwecken: der Dokumentation militärischer Operationen, der Hebung der Moral der Truppe, der Propaganda und als Erinnerungsstücke für die beteiligten Soldaten. Die Verwendung von Aquarellen anstelle von Fotografien war dabei keine Seltenheit. Künstler, sowohl professionelle als auch aus den Reihen der Soldaten selbst, wurden eingesetzt, um das Kriegsgeschehen zu dokumentieren. Aquarelle hatten den Vorteil, dass sie atmosphärische Stimmungen und subjektive Eindrücke besser einfangen konnten als die damalige Schwarz-Weiß-Fotografie.
Die Titel der beiden Mappen sind programmatisch: "Rechts und links der Rollbahn" bezieht sich auf die provisorischen Versorgungsstraßen, die sogenannten Rollbahnen, welche die Lebensadern der schnell vorrückenden deutschen Panzerverbände darstellten. In den weiten Räumen der Sowjetunion mit ihrem unzureichend ausgebauten Straßennetz waren diese Rollbahnen von entscheidender Bedeutung für Nachschub und Logistik. Die zweite Mappe, "Soldaten in Eis und Schnee", dokumentiert die Herausforderungen des ersten Kriegswinters 1941/42 in Russland, der für die Wehrmacht zur Katastrophe wurde.
Der Vormarsch des XXXXVII. Panzerkorps im Sommer und Herbst 1941 führte durch Weißrussland und in Richtung Moskau. Das Korps war an den großen Kesselschlachten von Minsk und Smolensk beteiligt, bei denen Hunderttausende sowjetischer Soldaten gefangen genommen wurden. Die erste Mappe dürfte diese Phase des scheinbar siegreichen Vormarsches dokumentieren, mit Szenen vom Leben an der Front, der Landschaft, der Begegnung mit der Zivilbevölkerung und den täglichen Herausforderungen des motorisierten Krieges.
Der Wintereinbruch 1941 kam für die deutsche Führung überraschend früh und heftig. Die Wehrmacht war weder ausgerüstet noch vorbereitet auf die extremen Temperaturen, die auf minus 30 bis 40 Grad Celsius fallen konnten. Die Mappe "Soldaten in Eis und Schnee" dokumentiert diese dramatische Wende. Fahrzeuge froren fest, Waffen versagten, und die Soldaten litten unter mangelnder Winterausrüstung. Die sowjetische Winteroffensive vor Moskau, die am 5. Dezember 1941 begann, brachte die erschöpften deutschen Truppen in eine existenzielle Krise.
Die Tatsache, dass diese Mappen vom Flakregiment selbst im Selbstverlag herausgegeben wurden, ist bemerkenswert. Dies zeigt die Initiative einzelner Einheiten, ihre eigene Geschichte zu dokumentieren und Kameradschaft zu pflegen. Solche Veröffentlichungen wurden oft in kleinen Auflagen gedruckt und an die Angehörigen der Einheit sowie an Vorgesetzte verteilt. Sie sind heute wichtige historische Quellen, die Einblick in die Selbstwahrnehmung und Darstellung der Wehrmacht geben.
Die 24 Aquarelle in jeder Mappe bildeten eine umfassende visuelle Chronik der jeweiligen Thematik. Die künstlerische Qualität solcher Werke variierte stark, abhängig davon, ob professionelle Kriegsmaler beauftragt wurden oder ob talentierte Amateure aus den eigenen Reihen die Bilder schufen. Die Wehrmacht unterhielt ein System von offiziellen Kriegsmalern und -berichtern, die den Propagandakompanien zugeordnet waren.
Aus heutiger Sicht sind solche Bildmappen ambivalente Objekte. Sie sind einerseits wertvolle historische Dokumente, die Einblick in den Alltag und die Erfahrungen der Soldaten geben. Andererseits müssen sie im Kontext ihrer propagandistischen Funktion und des verbrecherischen Charakters des deutschen Angriffskrieges gegen die Sowjetunion gesehen werden. Der Krieg im Osten war von Anfang an als Vernichtungskrieg geplant und geführt, bei dem Millionen von Menschen, Soldaten wie Zivilisten, ihr Leben verloren.