Der Kürassierhelm Model 1889/1902 des Leib-Kürassier-Regiments „Großer Kurfürst" (Schlesisches) Nr. 1 repräsentiert eines der prestigeträchtigsten Kavallerie-Regimenter der preußischen Armee und eine außergewöhnliche militärhistorische Tradition, die sich über zweieinhalb Jahrhunderte erstreckte. Dieser prächtige Helm aus der Zeit um 1914 verkörpert nicht nur die militärische Exzellenz des kaiserlichen Deutschlands am Vorabend des Ersten Weltkriegs, sondern auch die besondere Stellung dieses traditionsreichen Regiments.
Das Regiment wurde bereits 1674 als Dragoner-Garde gegründet und war damit das älteste Kavallerieregiment der preußischen Armee. Im Jahr 1718 erfolgte die Umwandlung in ein Kürassier-Regiment, was den schwergepanzerten Elite-Kavallerie-Einheiten entsprach. Am 27. Januar 1867, dem Geburtstag des Kaisers, erhielt das Regiment den Ehrennamen „Großer Kurfürst", eine Würdigung seiner historischen Bedeutung und militärischen Leistungen.
Eine besondere Auszeichnung erfuhr das Regiment im Jahr 1902, als es als einzige Einheit der gesamten preußischen Armee eine spezielle Helmplatte erhielt: den friderizianischen „fliegenden Adler" mit dem Motto „Pro Gloria et Patria" (Für Ruhm und Vaterland). Diese einzigartige Helmzier unterschied das Leib-Kürassier-Regiment Nr. 1 von allen anderen Kürassier-Regimentern und unterstrich seinen besonderen Status als ältestes und traditionsreichstes Regiment dieser Waffengattung. Der feuervergoldete Adler mit seinen ausgebreiteten Schwingen und dem Banderole-Motto wurde zu einem unverwechselbaren Erkennungszeichen der Regimentsangehörigen.
Dieser vorliegende Helm stammt aus dem persönlichen Besitz von Oberstleutnant Graf von Korff, wie die im Innenfutter angebrachte Grafenkrone mit neun Zacken und Perlen sowie die Chiffre „K" belegen. Die Helmglocke aus leichtem vernickeltem Eisenblech entspricht dem Modell 1889, einer Weiterentwicklung des schwereren Modells von 1867. Alle Beschläge sind in vergoldeter Ausführung gehalten, was auf die Offiziersqualität hinweist. Die besonderen vergoldeten flachen Schuppenketten sowie die Kokarden in der „althessischen" Form zeugen von der luxuriösen Ausstattung dieses Prunkhelms.
Das Regiment war in Breslau stationiert, der Hauptstadt Schlesiens, wo dieser Helm um 1914 gefertigt wurde. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs zog das Leib-Kürassier-Regiment „Großer Kurfürst" zunächst in die Schlacht an der Marne im Jahr 1914. Anschließend kämpfte das Regiment an der Ostfront in Russisch-Polen und den Pripjat-Sümpfen von 1914 bis 1918. Während des Krieges wurde das Regiment zum Kavallerie-Schützen-Kommando 11 umgewandelt und kämpfte bis Kriegsende in der Champagne.
Nach dem Waffenstillstand im November 1918 wurde das Regiment nach Berlin beordert, um die Reichsregierung gegen die aufständische Volksmarinedivision zu schützen. Die Auflösung des traditionsreichen Regiments erfolgte in den Jahren 1918-1919. Seine Tradition wurde in der Reichswehr von der 1. Schwadron des 7. (Preußischen) Reiter-Regiments in Breslau fortgeführt, wie General Hans von Seeckt am 24. August 1921 anordnete.
Der Kürassierhelm selbst wurde während des Ersten Weltkriegs für den Feldeinsatz ungeeignet und durch feldgraue Ausrüstung ersetzt. Die Pickelhaube wurde 1916 eingestellt, und nach 1918 existierten Kürassierhelme nicht mehr als reguläre Ausrüstung. Helme wie dieser blieben jedoch als Zeremonialobjekte und historische Erinnerungsstücke von unschätzbarem Wert für Sammler und Militärhistoriker, die die glanzvolle Epoche der kaiserlichen Kavallerie dokumentieren.