Dieser Nachlass eines Oberfeldwebels und Musikers im Artillerie-Regiment 10 der Wehrmacht repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der militärischen Uniformkultur und Organisation des Dritten Reiches. Die Zusammenstellung aus Feldbluse, Hose, Schirmmütze, Säbel und Auszeichnungen bietet einen umfassenden Einblick in die Karriere eines Unteroffiziers mit langer Dienstzeit.
Das Artillerie-Regiment 10 hatte seine Wurzeln in der Tradition der deutschen Artillerie und war Teil der 10. Infanterie-Division, die 1934 in Regensburg aufgestellt wurde. Die Artillerie spielte eine zentrale Rolle in der Wehrmacht, und die Regimenter waren mit verschiedenen Geschützen ausgestattet, von leichten Feldhaubitzen bis zu schweren Kanonen.
Die Feldbluse neuer Art (Modell 1936/1940) zeigt die charakteristischen Merkmale einer Uniform für Artilleristen. Die rote Waffenfarbe, sichtbar in der Paspelierung der Knopfleiste und den Biesen, war das traditionelle Kennzeichen der Artillerie in der deutschen Armee seit dem 19. Jahrhundert. Der handgestickte Brustadler aus Metallfaden und die handgestickten Kragenspiegel weisen auf eine qualitativ hochwertige Anfertigung hin, möglicherweise privat beschafft, da Uniformen oft in besserer Qualität als die Standardausführung erworben wurden.
Die Schwalbennester mit Silbertressen auf hochroter Tuchunterlage sind das charakteristische Erkennungszeichen von Musikern und Tambourmajoren. Diese Tradition reicht bis in die preußische Armee zurück und wurde in der Wehrmacht fortgeführt. Musiker hatten eine wichtige Funktion, nicht nur für zeremonielle Anlässe, sondern auch für die Moral der Truppe. Sie waren vollwertige Soldaten mit zusätzlichen musikalischen Pflichten.
Die Auszeichnungen erzählen die Geschichte einer langen Dienstzeit. Die Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938 wurde für die Teilnahme am Anschluss Österreichs verliehen. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse mit dem Band von 1939 deutet auf Fronteinsatz im Zweiten Weltkrieg hin. Die Wehrmacht-Dienstauszeichnung für 4 Jahre dokumentiert mindestens vierjährigen Dienst, wobei diese Auszeichnung in Bronze verliehen wurde.
Der Rang eines Oberfeldwebels war der höchste Unteroffiziersrang ohne Portepee und wurde nach entsprechender Dienstzeit und Bewährung verliehen. Die Schulterstücke mit der Aufschrift "10" identifizieren das Regiment eindeutig. Die Kombination aus Unteroffiziersrang und Musikerstatus war typisch für Regimentskapellen, wo erfahrene Unteroffiziere oft als Musikzugführer oder Stabsmusiker dienten.
Der Einheitssäbel für Offiziere und Beamte mit der Herstellermarke W.K.C. (Weyersberg, Kirschbaum & Co. aus Solingen) war die Standardwaffe für Offiziere und gehobene Unteroffiziere. Die Firma W.K.C. war einer der bedeutendsten deutschen Blankwaffenhersteller mit einer Geschichte bis ins 19. Jahrhundert. Der Säbel diente mehr zeremoniellen als praktischen Zwecken und war Teil der Paradeuniform.
Die Schirmmütze in Sattelform entspricht der ab 1938 eingeführten Standardform für die Wehrmacht. Das Aluminiumabzeichen mit Adler und Eichenlaubkranz sowie die Kokarde waren Standardausstattung. Die Angabe "Stirndruckfrei Deutsches Reichspatent" bezieht sich auf eine spezielle Konstruktion, die den Tragekomfort erhöhen sollte.
Das Koppelschloss aus Aluminium mit dem Motto "Gott mit uns" war die Standardausführung für Mannschaften und Unteroffiziere des Heeres. Diese Tradition stammte aus der preußischen Armee und wurde in der Wehrmacht fortgeführt.
Das beigefügte Ölgemälde ist ein wertvolles persönliches Dokument. Portraits von Soldaten in Uniform waren während des Krieges beliebt, oft von lokalen Künstlern angefertigt oder als Geschenk von Familienmitgliedern in Auftrag gegeben. Sie dienten als Erinnerung und Familienandenken.
Die steingraue Gabardine der Hose mit roter Biese entspricht den Uniformvorschriften für Waffenrock und Ausgehhose. Der Schlitz zum Tragen des Säbels in der Feldbluse zeigt, dass diese auch für zeremonielle Anlässe mit Seitengewehr getragen wurde.
Dieser Nachlass dokumentiert eindrucksvoll die Karriere eines Berufssoldaten, der als Musiker und Unteroffizier diente, mehrere historische Ereignisse miterlebte und im Krieg bewährt wurde. Die Erhaltung als geschlossener Nachlass macht ihn zu einem bedeutenden zeitgeschichtlichen Dokument der Wehrmacht-Geschichte.