Freikorps, Einwohnerwehren u.ä. - Soldaten-Siedlungs-Verband Kurland ( SSVK ) - Zivilabzeichen 1. Form

an langer Nadel, Zustand 2.
525558
€ 120,00

Freikorps, Einwohnerwehren u.ä. - Soldaten-Siedlungs-Verband Kurland ( SSVK ) - Zivilabzeichen 1. Form

Das Zivilabzeichen 1. Form des Soldaten-Siedlungs-Verbandes Kurland (SSVK) repräsentiert eines der faszinierendsten Kapitel der deutschen Freikorpsgeschichte in den baltischen Ländern nach dem Ersten Weltkrieg. Dieses emaillierte Abzeichen, getragen an langer Nadel, war für Mitglieder und Unterstützer einer Organisation bestimmt, die militärische Veteranenbetreuung mit dem ehrgeizigen Traum deutscher Kolonisation in Lettland verband.

Der Soldaten-Siedlungs-Verband Kurland wurde 1919 im Zusammenhang mit den deutschen Freikorps-Operationen in Kurland gegründet, dem südlichen Teil des heutigen Lettlands, während des baltischen Unabhängigkeitskrieges und des russischen Bürgerkrieges. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges marschierte die Rote Armee Ende 1918 in die baltische Region ein und eroberte am 3. Januar 1919 Riga. Deutsche Freikorps-Einheiten, darunter die Eiserne Division, wurden rekrutiert, um an der Seite der baltischen Landeswehr gegen die bolschewistischen Streitkräfte zu kämpfen. Am 22. Mai 1919 eroberten sie Riga zurück.

Karl Freiherr von Manteuffel-Katzdangen (1872-1948), ein deutschbaltischer Adliger und Gutsbesitzer von Gut Katzdangen in Kurland, förderte die Idee deutscher Soldatenansiedlung in der Region. Die Organisation wurde durch das Versprechen von Siedlungsland im Baltikum für Freiwillige inspiriert. Der Soldaten-Siedlungs-Verband Kurland diente sowohl als militärische Veteranenorganisation als auch als Vehikel zur Förderung der deutschen Kolonisation Kurlands.

Das Abzeichen selbst wurde in der zweiten Hälfte 1919 gestiftet, und zwar von General (auch als Oberst bezeichnet) Pavel Mikhailovich Bermondt-Avalov (1877-1974), dem Führer der Freiwilligen Westrussischen Befreiungsarmee, auf Anregung von Karl Freiherr von Manteuffel. Die Bezeichnung “1. Form” weist auf die Existenz mindestens einer weiteren Variante hin. Der SSVK gab sowohl eine Medaille aus, die am Band getragen wurde, als auch Zivilabzeichen, die als Anstecknadeln getragen wurden. Die Medaillenversion wurde von Professor Emil Doepler dem Jüngeren entworfen und von der Firma Oertel in Berlin hergestellt.

Das Zivilabzeichen wurde an der Zivilkleidung getragen, um die Mitgliedschaft oder Zugehörigkeit zur Organisation zu kennzeichnen, ähnlich wie Mitgliedsabzeichen, die von anderen Organisationen der damaligen Zeit ausgegeben wurden. Die zugehörige Medaille konnte an alle verliehen werden, die an den Kämpfen in der baltischen Region teilgenommen hatten oder sich um die Siedlungsarbeit verdient gemacht hatten.

Nach der militärischen Niederlage und dem Rückzug der deutschen Streitkräfte aus dem Baltikum Ende 1919 bestand der Soldaten-Siedlungs-Verband Kurland als Veteranenorganisation für ehemalige Baltikumer (baltische Kämpfer) weiter. Die Organisation war Teil eines breiteren Netzwerks von Arbeitsgemeinschaften, die Verbindungen unter ehemaligen Freikorps-Mitgliedern aufrechterhielten. Bis 1921 existierten mehr als 600 solcher Arbeitsgemeinschaften, die durch Publikationen wie “Der Arbeitskamerad” miteinander verbunden waren.

Der Siedlungstraum in Kurland verwirklichte sich nie, da Lettland seine Unabhängigkeit etablierte. Karl Freiherr von Manteuffel-Katzdangen, der Gründer der Organisation, floh nach Deutschland und veröffentlichte später 1941 seine Memoiren “Meine Siedlungsarbeit in Kurland”. Das Abzeichen ist als Nummer 4435a in Hüskens Referenzwerk “Kleinabzeichen deutscher Organisationen” (5. Auflage, 2010) katalogisiert.

Dieses emaillierte Zivilabzeichen an langer Nadel steht als materielles Zeugnis für einen gescheiterten Traum deutscher Expansion im Osten und für die komplexe Nachkriegsgeschichte, in der militärische Veteranenorganisationen versuchten, ihre Mitglieder zusammenzuhalten und ihre historische Mission am Leben zu erhalten, lange nachdem die ursprünglichen politischen und militärischen Ziele unerreichbar geworden waren.