III. Reich - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Autofreund Verlag Plauen 1933 erworben für Mitarbeit im Dienste des Verkehrs - Gemeinnutz vor Eigennutz "

Buntmetall bronziert, 71 x 91 mm, Hersteller : L.Chr.Lauer Nürnberg, Zustand 2/2+
340158
400,00

III. Reich - nichttragbare Teilnehmerplakette - " Autofreund Verlag Plauen 1933 erworben für Mitarbeit im Dienste des Verkehrs - Gemeinnutz vor Eigennutz "

Die vorliegende nichttragbare Teilnehmerplakette aus der Zeit des Dritten Reiches repräsentiert ein faszinierendes Zeugnis der frühen nationalsozialistischen Verkehrspolitik und Propaganda im Jahr 1933. Mit den Maßen 71 x 91 mm und gefertigt aus bronziertem Buntmetall durch den renommierten Hersteller L.Chr.Lauer aus Nürnberg, dokumentiert sie die Bemühungen der neuen Machthaber, auch den Verkehrssektor ideologisch zu durchdringen.

Der Autofreund Verlag in Plauen war in den frühen 1930er Jahren ein wichtiger Akteur im Bereich der Automobilpublizistik. Plauen, die Stadt im sächsischen Vogtland, hatte sich bereits in der Weimarer Republik als Zentrum der Textilindustrie einen Namen gemacht, beherbergte aber auch bedeutende Verlage und Druckereien. Der Autofreund Verlag nutzte solche Plaketten, um Mitarbeiter und Kooperationspartner auszuzeichnen, die sich im “Dienste des Verkehrs” besonders engagiert hatten.

Das Jahr 1933 markierte einen fundamentalen Wendepunkt in der deutschen Geschichte. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 begannen diese systematisch, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu kontrollieren und zu instrumentalisieren. Die Verkehrspolitik bildete dabei keine Ausnahme. Der Ausbau des Straßennetzes und die Förderung der Motorisierung waren zentrale Elemente der NS-Wirtschafts- und Propagandapolitik. Das spätere Autobahnbauprogramm und die Entwicklung des “Volkswagens” sollten zu Prestigeprojekten des Regimes werden.

Die Inschrift “Gemeinnutz vor Eigennutz” war einer der zentralen Slogans der NS-Ideologie, der bereits in den 25 Punkten des Parteiprogramms der NSDAP von 1920 verankert war. Punkt 24 des Programms formulierte explizit: “Wir fordern die Freiheit aller religiösen Bekenntnisse im Staat, soweit sie nicht dessen Bestand gefährden oder gegen das Sittlichkeits- und Moralgefühl der germanischen Rasse verstoßen. Die Partei als solche vertritt den Standpunkt eines positiven Christentums, ohne sich konfessionell an ein bestimmtes Bekenntnis zu binden. Sie bekämpft den jüdisch-materialistischen Geist in und außer uns und ist überzeugt, dass eine dauernde Genesung unseres Volkes nur erfolgen kann von innen heraus auf der Grundlage: Gemeinnutz vor Eigennutz.”

Diese Parole sollte die angebliche Überwindung individualistischer und kapitalistischer Prinzipien suggerieren und die Unterordnung des Einzelnen unter die “Volksgemeinschaft” propagieren. In der Praxis diente sie der Legitimierung von Zwangsmaßnahmen und der Beschneidung individueller Freiheiten.

Der Hersteller L.Chr.Lauer aus Nürnberg war eine der bedeutendsten Medaillenprägeanstalten Deutschlands. Die Firma, gegründet im 19. Jahrhundert, hatte sich auf die Herstellung von Auszeichnungen, Medaillen und Plaketten spezialisiert. Nürnberg als “Stadt der Reichsparteitage” spielte eine besondere Rolle in der NS-Symbolpolitik, und Unternehmen wie Lauer profitierten von der enormen Nachfrage nach Abzeichen, Ehrenzeichen und Auszeichnungen aller Art.

Nichttragbare Plaketten wie die vorliegende unterschieden sich von tragbaren Auszeichnungen dadurch, dass sie nicht an der Kleidung befestigt werden konnten. Sie dienten vielmehr als Erinnerungsstücke, Trophäen oder Ausstellungsobjekte, die in Vitrinen oder an Wänden präsentiert wurden. In der Hierarchie der Auszeichnungen standen sie unterhalb der offiziellen staatlichen Orden und Ehrenzeichen, waren aber dennoch geschätzte Objekte, die Anerkennung und Zugehörigkeit symbolisierten.

Die Bronzierung des Buntmetalls war ein gängiges Verfahren zur Veredelung solcher Objekte. Sie verlieh der Plakette eine hochwertige Optik bei relativ geringen Herstellungskosten. Die Größe von 71 x 91 mm machte sie zu einem durchaus repräsentativen Objekt, das deutlich größer war als typische tragbare Abzeichen.

Im Kontext der Verkehrspolitik des frühen Dritten Reiches ist die Plakette auch ein Zeugnis der Bemühungen, private Initiativen und Organisationen gleichzuschalten. Verlage, Automobilclubs und andere Vereinigungen im Verkehrswesen wurden entweder aufgelöst, integriert oder mussten sich der neuen ideologischen Ausrichtung anpassen. Die Verwendung der NS-Parole “Gemeinnutz vor Eigennutz” auf einer Verlagsplakette zeigt, wie schnell und umfassend diese Anpassung bereits 1933 erfolgte.

Heute sind solche Objekte wichtige Quellen für die historische Forschung. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche mit NS-Ideologie und zeigen, wie auch scheinbar unpolitische Bereiche wie das Verlagswesen oder der Verkehrssektor instrumentalisiert wurden. Für Sammler und Museen stellen sie Zeugnisse einer dunklen Epoche deutscher Geschichte dar, die zur Aufklärung und Mahnung beitragen können.

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