NSDAP Großes Messer und Gabel des Speisebesteck aus dem Gästehaus Reichsparteitag in Nürnberg

um 1936. Die Klinge und Gabel aus Feinstahl, die Griffe aus weißem Kunststoff in Elfenbeinoptik, unten mit runder Marke "Gästehaus Reichsparteitag". Mit Gebrauchsspuren. Sehr selten.

Das Gästehaus für die Reichsparteitage wurde in den Jahren 1935/36 gebaut und befand sich direkt neben dem Grand Hotel am Bahnhofsplatz in Nürnberg und wird heute als Hotel (Hotel Park Plaza) genutzt. In ihm verkehrten die hochrangigen geladenen Gäste der Partei aus dem In - und Ausland, während der Nürnberger Parteitage bis 1938, unter anderem, hatte Göring hier eine Suite.
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NSDAP Großes Messer und Gabel des Speisebesteck aus dem Gästehaus Reichsparteitag in Nürnberg

Das vorliegende Besteck aus dem Gästehaus der Reichsparteitage in Nürnberg repräsentiert ein außergewöhnliches Zeugnis der nationalsozialistischen Repräsentationskultur der 1930er Jahre. Diese Messer- und Gabelgarnitur aus Feinstahl mit weißen Kunststoffgriffen in Elfenbeinoptik trägt die charakteristische Kennzeichnung “Gästehaus Reichsparteitag” und dokumentiert die aufwendige Infrastruktur, die für die jährlichen Parteitage der NSDAP geschaffen wurde.

Das Gästehaus der Reichsparteitage wurde in den Jahren 1935/36 am Bahnhofsplatz in Nürnberg errichtet, unmittelbar neben dem traditionsreichen Grand Hotel. Die Bauzeit fiel zusammen mit der Hochphase der nationalsozialistischen Bauprojekte in Nürnberg, als die Stadt zur “Stadt der Reichsparteitage” ausgebaut wurde. Das Gebäude war Teil einer umfassenden Infrastruktur, die geschaffen wurde, um die massiven Menschenmengen und hochrangigen Gäste zu bewältigen, die jährlich zu den Parteitagen strömten.

Die Nürnberger Reichsparteitage waren zentrale Propagandaveranstaltungen des NS-Regimes, die von 1933 bis 1938 jährlich abgehalten wurden. Sie dienten der Selbstinszenierung der Partei und sollten die Macht und Geschlossenheit der Bewegung demonstrieren. Hundertausende Teilnehmer, darunter SA, SS, Hitler-Jugend und andere Organisationen, marschierten durch die Stadt. Die Veranstaltungen wurden sorgfältig choreographiert und für propagandistische Zwecke gefilmt, wobei Leni Riefenstahls Film “Triumph des Willens” über den Parteitag 1934 zum bekanntesten Dokument wurde.

Das Gästehaus hatte eine besondere Funktion innerhalb dieser Inszenierung. Während einfache Parteimitglieder in Massenunterkünften untergebracht waren, diente das Gästehaus der Beherbergung hochrangiger in- und ausländischer Gäste. Hermann Göring, einer der mächtigsten Männer des Regimes, unterhielt hier eine Suite. Diplomaten, ausländische Würdenträger und bedeutende Parteifunktionäre verkehrten in diesem Haus, das für Empfänge und repräsentative Zwecke genutzt wurde.

Die Ausstattung des Gästehauses entsprach den hohen Ansprüchen an Repräsentation. Das vorliegende Besteck zeigt dies exemplarisch: Feinstahl für Klinge und Gabel, Kunststoffgriffe in Elfenbeinoptik, die den Eindruck von Luxus vermitteln sollten, ohne auf das teure Naturmaterial zurückgreifen zu müssen. Die Kennzeichnung mit der Aufschrift des Gästehauses war üblich für institutionelles Besteck und sollte vermutlich auch Entwendungen vorbeugen. Die Verwendung von Kunststoff anstelle von echtem Elfenbein war typisch für die 1930er Jahre, als moderne Materialien zunehmend Einzug in den Alltag hielten.

Die materiellen Überreste der Reichsparteitage sind heute selten. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Objekte mit NS-Symbolik vernichtet oder verschwanden in Privatsammlungen. Das Gästehaus selbst überstand den Krieg und wird heute als Hotel Park Plaza genutzt, wobei seine historische Funktion für viele Besucher unbekannt bleibt. Die architektonische Substanz blieb weitgehend erhalten, auch wenn die Innenausstattung nach 1945 verändert wurde.

Aus historischer Perspektive dokumentieren solche Alltagsobjekte die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die nationalsozialistische Symbolik und Organisation. Selbst das Essbesteck trug die Kennzeichnung der Institution und wurde Teil der umfassenden visuellen und materiellen Kultur des Regimes. Die Qualität der Verarbeitung und die Gestaltung zeigen den Anspruch an Repräsentation, der auch bei scheinbar nebensächlichen Gegenständen galt.

Heute besitzen solche Objekte dokumentarischen Wert für die Geschichtswissenschaft. Sie illustrieren die materielle Kultur des Nationalsozialismus und helfen, die Organisation und Inszenierung der Reichsparteitage zu verstehen. Für Museen und Bildungseinrichtungen können sie als Anschauungsmaterial dienen, um die Geschichte dieser Epoche zu vermitteln. Gleichzeitig werfen sie Fragen nach dem Umgang mit Objekten aus dieser Zeit auf: Wie werden sie kontextualisiert? Welche Verantwortung tragen Sammler und Institutionen? Diese Diskussionen sind Teil der fortdauernden Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.