NSDAP - Oberdonau 1939 - Die ersten Kreistage

Kunststoffabzeichen, an Nadel, Hersteller : RZM M9/25 Richard Sieper & Söhne Lüdenscheid, Zustand 2
431658
40,00

NSDAP - Oberdonau 1939 - Die ersten Kreistage

Das vorliegende Abzeichen dokumentiert ein bedeutendes Ereignis in der Geschichte des nationalsozialistischen Österreich: Die ersten Kreistage im Reichsgau Oberdonau 1939. Dieses Kunststoffabzeichen, hergestellt von RZM M9/25 Richard Sieper & Söhne aus Lüdenscheid, repräsentiert die organisatorische Konsolidierung der NSDAP-Strukturen in den neu geschaffenen österreichischen Gauen nach dem sogenannten “Anschluss” von 1938.

Nach der gewaltsamen Eingliederung Österreichs in das Deutsche Reich im März 1938 erfolgte eine umfassende administrative Neuordnung der ehemaligen österreichischen Bundesländer. Der Reichsgau Oberdonau wurde aus Teilen Oberösterreichs gebildet und erhielt seinen Namen von der Donau, die durch dieses Gebiet fließt. Die Gauleitung hatte ihren Sitz in Linz, einer Stadt, die für Adolf Hitler persönliche Bedeutung hatte, da er dort seine Jugendjahre verbracht hatte.

Die Reichszeugmeisterei (RZM) war seit 1929 die zentrale Beschaffungsstelle der NSDAP für Uniformen, Abzeichen und andere Ausrüstungsgegenstände. Die RZM-Kennzeichnung garantierte die offizielle Anerkennung und Qualität der Parteiutensilien. Die Herstellernummer M9/25 identifiziert eindeutig die Firma Richard Sieper & Söhne aus Lüdenscheid, ein Unternehmen, das zu den bedeutendsten Produzenten von Parteiabzeichen und militärischen Auszeichnungen während der NS-Zeit gehörte.

Die ersten Kreistage 1939 stellten einen wichtigen Meilenstein in der organisatorischen Durchdringung der neu eingegliedertem Gebiete dar. Kreistage waren Versammlungen auf Kreisebene der NSDAP-Hierarchie, bei denen Parteifunktionäre zusammenkamen, um politische Richtlinien zu diskutieren, die lokale Parteiarbeit zu koordinieren und die Bevölkerung ideologisch auszurichten. Diese Veranstaltungen dienten nicht nur administrativen Zwecken, sondern waren auch propagandistische Großereignisse, die die Macht und Präsenz der Partei demonstrieren sollten.

Die Verwendung von Kunststoff als Material für dieses Abzeichen ist zeittypisch und wirtschaftlich bedeutsam. Ab Mitte der 1930er Jahre wurde im Rahmen der Autarkiebestrebungen des NS-Regimes verstärkt auf Ersatzmaterialien zurückgegriffen. Kunststoffe wie Bakelit oder andere frühe Polymere ersetzten zunehmend traditionelle Materialien wie Metall, das für die Rüstungsproduktion benötigt wurde. Dies war Teil der wirtschaftlichen Vorbereitung auf den Krieg und spiegelt die Ressourcenknappheit wider, mit der das Deutsche Reich bereits vor Kriegsbeginn konfrontiert war.

Die Firma Richard Sieper & Söhne in Lüdenscheid war ein etabliertes Unternehmen in der metallverarbeitenden Industrie des Bergischen Landes. Lüdenscheid hatte sich seit dem 19. Jahrhundert zu einem Zentrum der Metallwaren- und Schmuckindustrie entwickelt. Während der NS-Zeit produzierten zahlreiche Firmen in dieser Region Orden, Ehrenzeichen und Parteiabzeichen. Die RZM vergab die Herstellerlizenzen streng kontrolliert, und nur zugelassene Firmen durften offizielle Parteiinsignien produzieren.

Solche Veranstaltungsabzeichen erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als Teilnahmenachweis und Erinnerungsstück für die Funktionäre, stärkten das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der Parteiorganisation und dokumentierten die hierarchische Struktur der NSDAP. Das Tragen solcher Abzeichen signalisierte Loyalität und aktive Teilnahme am Parteileben. Zugleich waren sie Ausdruck der NS-Symbolpolitik, die alle Lebensbereiche durchdringen sollte.

Der Reichsgau Oberdonau umfasste etwa 14.000 Quadratkilometer und hatte rund 1,04 Millionen Einwohner. Gauleiter war von 1938 bis 1945 August Eigruber, einer der radikalsten und brutalsten NS-Funktionäre, der für zahlreiche Verbrechen verantwortlich war, darunter die Errichtung und den Betrieb des Konzentrationslagers Mauthausen in seinem Gau. Die administrative Gliederung in Kreise entsprach der typischen NS-Verwaltungsstruktur, die Partei- und Staatsorganisation zunehmend verschmolz.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige Zeugnisse der Zeitgeschichte. Sie dokumentieren die Organisationsstrukturen des NS-Regimes, die Durchdringung aller gesellschaftlichen Bereiche durch die Partei und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Vorkriegs- und Kriegszeit. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Artefakten ermöglicht ein besseres Verständnis der Mechanismen totalitärer Herrschaft und der Alltagsrealität im Nationalsozialismus. Gleichzeitig mahnen sie zur Wachsamkeit gegenüber autoritären Tendenzen und zur Verteidigung demokratischer Werte.