Schutzstaffel (SS) Dienstdolch M 1936.
Seit Februar 1943 war es den Führern der Waffen-SS erlaubt, ihren
Dienstdolch M 36 für die Dauer des Krieges mit einem Portepee zu versehen.
Der SS-Dienstdolch M 1936, auch als Kettendolch bekannt, stellt eines der charakteristischsten Ausrüstungsstücke der nationalsozialistischen Schutzstaffel dar. Als Nachfolger des früheren SS-Dolches wurde dieses Seitengewehr am 15. Dezember 1935 durch Heinrich Himmler offiziell eingeführt und sollte ab 1936 von allen SS-Führern vom Rang eines SS-Untersturmführers aufwärts getragen werden.
Die charakteristischste Merkmale des M 1936 war seine vernickelten Beschläge, die ihn deutlich vom vorherigen Modell mit verchromten Beschlägen unterschieden. Die Klinge trug die berüchtigte Devise “Meine Ehre heißt Treue”, die zum Wahlspruch der SS geworden war. Diese Inschrift wurde in gotischer Schrift auf beiden Seiten der Klinge angebracht. Interessanterweise trugen die Klingen des M 1936 vorschriftsmäßig keine Herstellerbezeichnung, im Gegensatz zu vielen anderen militärischen Blankwaffen der Zeit.
Der schwarze Holzgriff war mit Nickelbeschlägen versehen und zeigte auf dem Knauf das SS-Runenzeichen sowie einen Reichsadler mit Hakenkreuz. Die brünierte Stahlscheide war ebenfalls mit Nickelbeschlägen ausgestattet und verfügte über zwei Tragebänder für die charakteristische Kette.
Die Tragekette war ein besonders distinktives Element des SS-Dienstdolches. Es gab verschiedene Kettentypen, die sich in ihrer Ausführung und symbolischen Gestaltung unterschieden. Der Typ B1 gehörte zu den häufigeren Varianten und wurde von verschiedenen Herstellern gefertigt. Die Kette der Firma Gahr aus Schwäbisch Gmünd war durch ihre spezifische Punzierung erkennbar. Die Kettenglieder waren oft mit SS-Symbolen versehen und geschwärzt, um einen optischen Kontrast zu schaffen. Diese Ketten waren nicht nur funktional, sondern dienten auch als weiteres Erkennungszeichen der SS-Zugehörigkeit.
Eine bedeutende Änderung in der Tragevorschrift erfolgte im Februar 1943. Zu diesem Zeitpunkt, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde es den Führern der Waffen-SS gestattet, ihren Dienstdolch M 36 für die Dauer des Krieges mit einem Portepee zu versehen. Das Portepee war eine geflochtene Schlaufe, die traditionell bei militärischen Blankwaffen verwendet wurde und ursprünglich dem praktischen Zweck diente, die Waffe am Handgelenk zu sichern. Bei zeremoniellen Dolchen wie dem SS-Dienstdolch hatte es jedoch hauptsächlich dekorative und statusanzeigende Funktion.
Diese Regelung von 1943 spiegelte die zunehmende Militarisierung der SS wider. Die Waffen-SS, der militärische Arm der Schutzstaffel, hatte sich von einer kleinen bewaffneten Formation zu einer bedeutenden militärischen Kraft entwickelt, die an vorderster Front kämpfte. Die Erlaubnis, das Portepee zu tragen, sollte vermutlich die militärische Tradition und den Status der Waffen-SS-Führer unterstreichen.
Die Herstellung der SS-Dienstdolche erfolgte durch verschiedene Solinger Klingenschmieden und andere spezialisierte Hersteller. Die Produktion unterlag strengen Qualitätskontrollen und Spezifikationen. Jeder Dolch musste den vorgeschriebenen Maßen und Ausführungsbestimmungen entsprechen. Die Beschaffung wurde zentral durch die SS-Verwaltung organisiert, und die Dolche mussten von den Trägern selbst erworben werden.
Der SS-Dienstdolch M 1936 war nicht nur eine Waffe oder ein Werkzeug, sondern in erster Linie ein Statussymbol und Rangabzeichen. Er wurde zu zeremoniellen Anlässen, bei Paraden und in Verbindung mit der Ausgehuniform getragen. Die Verleihung des Dolches war an bestimmte Dienstränge und Dienstzeiten gebunden und stellte einen wichtigen Moment in der Karriere eines SS-Mitglieds dar.
Aus heutiger historischer Perspektive sind diese Objekte bedeutende, wenn auch belastete Zeugnisse der nationalsozialistischen Herrschaft. Sie dokumentieren die Organisationsstruktur, die Symbolik und die Selbstdarstellung der SS, einer Organisation, die für schwerste Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich war. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten ist wichtig für das Verständnis dieser dunklen Epoche der deutschen Geschichte, wobei stets der historische Kontext und die verbrecherische Natur des NS-Regimes im Vordergrund stehen müssen.