Deutsches Turn- und Sportabzeichen 1919 DRA in Bronze - Miniatur
Das Deutsche Turn- und Sportabzeichen (DRA) von 1919 stellt ein bedeutendes Zeugnis der deutschen Sport- und Kulturgeschichte der Weimarer Republik dar. Diese bronzene Miniaturausführung mit einer Größe von 18 mm wurde vom renommierten Hersteller L. Chr. Lauer aus Nürnberg (mit Niederlassung in Berlin SW 68) gefertigt und trägt die Geschützte Nummer 34815.
Die Gründung des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen (DRA) erfolgte 1917 während des Ersten Weltkriegs als Dachorganisation der deutschen Turn- und Sportverbände. Nach dem Kriegsende und dem Übergang zur Weimarer Republik wurde 1919 das Deutsche Turn- und Sportabzeichen als einheitliche nationale Auszeichnung für sportliche Leistungen eingeführt. Diese Auszeichnung sollte die körperliche Ertüchtigung der Bevölkerung fördern und stand in der Tradition der deutschen Turnbewegung, die seit Friedrich Ludwig Jahn im frühen 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle im deutschen Kulturleben spielte.
Das Abzeichen wurde in verschiedenen Stufen verliehen: Bronze, Silber und Gold, abhängig von den erbrachten sportlichen Leistungen in verschiedenen Disziplinen. Die Prüfungen umfassten typischerweise Leichtathletik, Schwimmen und weitere Sportarten. Die Miniaturversion, wie sie hier vorliegt, wurde für das tägliche Tragen an der Zivilkleidung konzipiert, während größere Ausführungen für festliche Anlässe oder die Uniform bestimmt waren.
Der Hersteller L. Chr. Lauer war einer der führenden deutschen Hersteller von Orden, Ehrenzeichen und Sportabzeichen. Die Firma hatte ihren Hauptsitz in Nürnberg, dem traditionellen Zentrum der deutschen Metallverarbeitung und Herstellung von Auszeichnungen. Die Zweigstelle in Berlin SW 68 (Südwest 68) befand sich im Regierungsviertel der Reichshauptstadt und ermöglichte eine direkte Nähe zu den offiziellen Stellen und Verbänden.
Die Kennzeichnung “Ges. Geschützt Nr. 34815” verweist auf den gesetzlichen Musterschutz nach dem Reichsgesetz über das Urheberrecht an Mustern und Modellen. Dies war in der Weimarer Republik üblich, um die Originalität und Authentizität der Auszeichnungen zu gewährleisten und Fälschungen zu verhindern.
Die Weimarer Republik (1919-1933) legte großen Wert auf die Förderung des Sports als Mittel zur Volksgesundheit und zur demokratischen Erziehung. Das Turn- und Sportabzeichen war Teil einer breiteren Bewegung, die körperliche Fitness und sportlichen Wettkampf als Werte der neuen republikanischen Gesellschaft etablieren wollte. In dieser Zeit erlebte Deutschland einen Aufschwung des organisierten Sports, mit zahlreichen Vereinsgründungen und der Teilnahme an internationalen Wettbewerben.
Die lange Nadel auf der Rückseite dieser Miniatur war charakteristisch für Anstecknadeln der Zeit und ermöglichte ein sicheres Befestigen an der Kleidung. Der angegebene Zustand 2 entspricht der numismatischen und militärhistorischen Bewertungsskala, wobei dieser Erhaltungsgrad leichte Gebrauchsspuren, aber insgesamt eine sehr gute Qualität anzeigt.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde das System der Sportabzeichen reorganisiert und in die NS-Organisationsstruktur eingegliedert. Das DRA-Abzeichen von 1919 repräsentiert daher eine spezifische Periode der deutschen Geschichte - die demokratische Weimarer Republik mit ihren Bemühungen um eine zivile, vereinsbasierte Sportkultur.
Für Sammler und Historiker sind solche Miniaturausführungen besonders interessant, da sie seltener erhalten geblieben sind als die regulären Größen. Sie dokumentieren nicht nur die sportliche Kultur, sondern auch die handwerkliche Qualität der deutschen Metallverarbeitung dieser Epoche. Die Produkte der Firma Lauer sind heute für ihre präzise Ausführung und Detailtreue geschätzt und stellen wichtige Zeitdokumente dar.