Heer - Besitzzeugnis zum Infanterie Sturmabzeichen in Silber
Das Infanterie-Sturmabzeichen wurde am 20. Dezember 1939 durch Adolf Hitler gestiftet und gehörte zu den bedeutendsten Kampfauszeichnungen der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Diese Auszeichnung würdigte die besonderen Leistungen und den Mut der Infanteristen im direkten Fronteinsatz.
Das vorliegende Besitzzeugnis dokumentiert die Verleihung des Infanterie-Sturmabzeichens in Silber an einen Obergefreiten der 4. (M.G.) Kompanie des Infanterie-Regiments 9. Das Dokument datiert vom 24. März 1942 und trägt die Unterschrift von Generalmajor Curt Badinski, der zu diesem Zeitpunkt als Divisionskommandeur fungierte.
Die Verleihungskriterien für das Infanterie-Sturmabzeichen in Silber waren streng definiert. Gemäß der Stiftungsverordnung musste ein Soldat an mindestens drei Infanterieangriffen an verschiedenen Tagen teilgenommen haben, oder er musste im Nahkampf verwundet worden sein. Als Infanterieangriff galt dabei ein Vorstoß gegen den Feind mit der Waffe in der Hand unter feindlichem Infanterie- oder Artilleriefeuer. Die Auszeichnung konnte auch für besondere Einzelleistungen im Infanteriekampf verliehen werden.
Das Infanterie-Regiment 9 war Teil der 23. Infanterie-Division und hatte eine lange Tradition, die bis in die preußische Armee zurückreichte. Während des Zweiten Weltkriegs war diese Division an verschiedenen Fronten eingesetzt, zunächst im Westfeldzug 1940 und anschließend ab Juni 1941 im Unternehmen Barbarossa, dem Angriff auf die Sowjetunion.
Die 4. Kompanie als Maschinengewehr-Kompanie (M.G.-Kompanie) bildete einen wesentlichen Bestandteil der schweren Waffen eines Infanteriebataillons. Diese Einheiten waren mit schweren Maschinengewehren des Typs MG 34 oder MG 42 ausgerüstet und lieferten die notwendige Feuerkraft zur Unterstützung der Gewehrkompanien bei Angriffen und zur Verteidigung von Stellungen.
Generalmajor Curt Badinski (1890-1945) war ein erfahrener Offizier, der am 11. Oktober 1941 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet wurde. Diese hohe Auszeichnung erhielt er für seine Führungsleistungen als Kommandeur der 23. Infanterie-Division während der schweren Kämpfe an der Ostfront. Badinski führte die Division durch zahlreiche Operationen und zeichnete sich durch taktisches Geschick und persönlichen Mut aus.
Das Datum der Verleihung, der 24. März 1942, fällt in eine Phase intensiver Kämpfe an der Ostfront. Nach dem gescheiterten deutschen Angriff auf Moskau im Winter 1941/42 und der sowjetischen Gegenoffensive befanden sich die deutschen Truppen in schweren Abwehrkämpfen. Die 23. Infanterie-Division war in diesem Zeitraum im Raum der Heeresgruppe Mitte eingesetzt und hatte erhebliche Verluste erlitten.
Die Besitzurkunden zum Infanterie-Sturmabzeichen folgten einem standardisierten Format, das von der Wehrmacht vorgegeben war. Sie enthielten in der Regel den Namen und Dienstgrad des Ausgezeichneten, seine Einheit, das Verleihungsdatum sowie die Unterschrift und den Dienstgrad des verleihenden Kommandeurs. Oftmals waren sie mit einem Dienststempel versehen. Das vorliegende Dokument zeigt die typische mittige Faltung, die bei der Aufbewahrung in Soldbüchern oder Dokumententaschen entstand.
Das Infanterie-Sturmabzeichen selbst bestand aus einem ovalen Eichenlaubkranz, in dessen Mitte ein Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett und eine Stielhandgranate dargestellt waren. Die silberne Ausführung war die ursprüngliche und am häufigsten verliehene Variante. Später wurden auch bronzene und goldene Stufen eingeführt, wobei die goldene Stufe erst 1943 für besonders häufige Teilnahme an Angriffen geschaffen wurde.
Solche Besitzurkunden sind heute wichtige militärhistorische Dokumente, die nicht nur die individuellen Leistungen einzelner Soldaten dokumentieren, sondern auch Aufschluss über Einheitengeschichte, Einsatzorte und die militärische Organisation der Wehrmacht geben. Sie ergänzen die offiziellen Kriegstagebücher und Divisionsakten und ermöglichen es Historikern, die Kampfhandlungen und das Schicksal einzelner Einheiten nachzuvollziehen.
Der Erhaltungszustand des Dokuments mit seiner mittigen Faltung und Gebrauchsspuren entspricht dem typischen Bild solcher Feldausstellungen, die unter oft schwierigen Bedingungen an der Front ausgefertigt und von den Soldaten unter den Strapazen des Krieges aufbewahrt wurden.