III. Reich - Amtliche Festschrift 1934 der Römerberg-Festspiele in Frankfurt am Main von Juli-September

Broschüre, 31 Seiten, Zustand 2-.
395059
20,00

III. Reich - Amtliche Festschrift 1934 der Römerberg-Festspiele in Frankfurt am Main von Juli-September

Die Römerberg-Festspiele in Frankfurt am Main von 1934 stellen ein bemerkenswertes Beispiel für die Instrumentalisierung kultureller Veranstaltungen durch das NS-Regime dar. Die vorliegende amtliche Festschrift dokumentiert ein Theaterfestival, das von Juli bis September 1934 stattfand und Teil der umfassenden Kulturpolitik des Dritten Reiches war.

Nach der Machtergreifung im Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten systematisch, alle Bereiche des öffentlichen Lebens zu kontrollieren und für ihre ideologischen Zwecke zu nutzen. Die Kultur spielte dabei eine zentrale Role. Im September 1933 wurde das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels eingerichtet, das auch die Reichskulturkammer kontrollierte. Diese Institution überwachte sämtliche kulturellen Aktivitäten im Deutschen Reich.

Frankfurt am Main, als bedeutende deutsche Großstadt und traditionelles Handelszentrum, war für das Regime von besonderer symbolischer Bedeutung. Der Römerberg, der historische Platz im Herzen der Altstadt mit dem berühmten Rathaus, dem Römer, bot eine authentische mittelalterliche Kulisse für Freilichtaufführungen. Die Nationalsozialisten nutzten solche historischen Schauplätze gezielt, um eine Verbindung zwischen ihrer Bewegung und der deutschen Geschichte herzustellen.

Die Festspiele von 1934 fanden in einem entscheidenden Jahr der NS-Herrschaft statt. Nach der Konsolidierung der Macht 1933 und den Ereignissen des Röhm-Putsches im Juni 1934 befand sich das Regime in einer Phase der inneren Stabilisierung. Kulturelle Großveranstaltungen dienten dazu, der Bevölkerung Normalität vorzugaukeln und gleichzeitig nationalsozialistische Werte zu vermitteln.

Amtliche Festschriften wie die vorliegende 31-seitige Broschüre erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als Programmheft für die Besucher, dokumentierten die Veranstaltung für die Nachwelt und waren gleichzeitig Propagandainstrumente. Typischerweise enthielten solche Publikationen Grußworte von Partei- und Staatsfunktionären, Programmübersichten, Informationen zu den aufgeführten Stücken und oft auch ideologisch geprägte Texte über die Bedeutung deutscher Kultur.

Die Theaterpolitik des NS-Regimes favorisierte bestimmte Genres und Inhalte. Bevorzugt wurden Freilichtspiele, die eine pseudoreligiöse Atmosphäre schufen und das “Volk” als Gemeinschaft inszenierten. Historische Stoffe, besonders aus der germanischen oder mittelalterlichen Zeit, waren ebenso beliebt wie Stücke, die heroische Tugenden und Opferbereitschaft glorifizierten. Werke jüdischer Autoren wurden hingegen verboten, und viele moderne, experimentelle Theaterstücke galten als “entartet”.

Die Organisation solcher Festspiele lag oft in den Händen lokaler NS-Kulturgemeinden oder städtischer Behörden, die eng mit der Partei zusammenarbeiteten. Die Veranstaltungen sollten möglichst breite Bevölkerungsschichten ansprechen und wurden entsprechend beworben. Die amtliche Festschrift diente dabei als offizielles Dokument, das die Seriosität und Bedeutung der Veranstaltung unterstreichen sollte.

Aus heutiger Sicht sind solche Dokumente wichtige Quellen für die Erforschung der NS-Kulturpolitik. Sie zeigen, wie das Regime versuchte, kulturelle Traditionen für seine Zwecke zu vereinnahmen und umzudeuten. Die Erhaltung solcher Materialien ist für die historische Forschung von großer Bedeutung, auch wenn sie natürlich kritisch im Kontext ihrer Entstehungszeit betrachtet werden müssen.

Die Römerberg-Festspiele 1934 waren nur eine von vielen kulturellen Veranstaltungen, die das NS-Regime in deutschen Städten organisierte oder unterstützte. Ähnliche Festspiele fanden in Heidelberg, Bad Hersfeld und anderen Städten mit historischen Kulissen statt. Diese Tradition der Freilichttheater existierte teilweise schon vor 1933, wurde aber nun ideologisch überformt und in den Dienst der nationalsozialistischen Weltanschauung gestellt.

Für Sammler und Historiker bieten solche Festschriften Einblicke in die Alltagskultur des Dritten Reiches jenseits der großen politischen Ereignisse. Sie dokumentieren, wie Propaganda und Ideologie auch in scheinbar unpolitischen Bereichen wie dem Theater wirksam wurden und wie das Regime versuchte, jeden Aspekt des öffentlichen Lebens zu durchdringen.