Königreich Hannover Säbel Modell 1852 für Offiziere der Kavallerie aus der Zeit König Georgs V.

Um 1860. Leicht geschwungene, blanke, beidseitig gekehlte, ca. 80.1 cm lange und an der Wurzel 2.2 cm breite Klinge, die Klinge fleckig und fein rostnarbig. Durchbrochen gearbeitetes Stahlgefäß mit Rochenhautgriff, die Drahtwicklung am Griff intakt, die Fingerschlaufe abgerissen, die Griffkappe mit der für dieses Modell typischen Daumenauflage, der Korb hinten mit den zwei typischen Einstrichen für das Portepee. Stahlscheide mit zwei Ringbändern und beweglichen Trageringen, fleckig und teils rostnarbig. Zustand 2-.

Gesamtlänge 98 cm.

Der hannoveranische Säbel Modell 1852 ist dem österreichischen Säbel Modell 1850 nachgebildet und gleicht diesem fast völlig. Das Stück stammt aus einer Sammlung hannoveranischer Blankwaffen.


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1.100,00

Königreich Hannover Säbel Modell 1852 für Offiziere der Kavallerie aus der Zeit König Georgs V.

Der hannoversche Kavallerie-Offizierssäbel Modell 1852 repräsentiert eine bedeutende Epoche in der militärischen Geschichte des Königreichs Hannover, das von 1814 bis 1866 als eigenständiges deutsches Königreich unter der Personalunion mit Großbritannien existierte. Dieser Säbeltyp wurde während der Regierungszeit König Georgs V. (1851-1866) eingeführt und spiegelt die militärischen Reformbestrebungen und die enge Verbindung zur österreichischen Militärtradition wider.

Das Königreich Hannover hatte nach den napoleonischen Kriegen seine staatliche Unabhängigkeit wiedererlangt und verfügte über eine eigene, gut organisierte Armee. In den 1850er Jahren unternahm das hannoversche Militär bedeutende Anstrengungen zur Modernisierung seiner Ausrüstung und Bewaffnung. Die Einführung des Säbels Modell 1852 war Teil dieser umfassenden Reform, die darauf abzielte, die hannoversche Kavallerie auf den neuesten Stand der militärischen Entwicklung zu bringen.

Die auffälligste Eigenschaft dieses Säbelmodells ist seine starke Anlehnung an das österreichische Kavallerie-Säbelmodell 1850. Diese Orientierung am österreichischen Vorbild war kein Zufall, sondern spiegelte die politischen und militärischen Beziehungen zwischen Hannover und Österreich im Deutschen Bund wider. Hannover orientierte sich traditionell eher an Österreich als an Preußen und stand in der deutschen Politik oft auf österreichischer Seite. Die nahezu identische Gestaltung beider Säbelmodelle zeigt die intensive militärische Zusammenarbeit und den Wunsch nach Standardisierung innerhalb verbündeter Armeen.

Das charakteristische durchbrochene Stahlgefäß des Modells 1852 bot dem Offizier sowohl Schutz als auch eine elegante Erscheinung. Der Korb war so gestaltet, dass er die Hand des Trägers wirksam gegen Hiebe schützte, während die durchbrochene Arbeit das Gewicht reduzierte und dem Säbel ein distinguiertes Aussehen verlieh. Die Griffkappe mit Daumenauflage war ein besonderes Merkmal dieses Modells und ermöglichte eine bessere Kontrolle der Waffe bei Hieb- und Stichbewegungen. Der mit Rochenhaut (Galuchat) belegte Griff, umwickelt mit Metalldraht, bot einen sicheren Halt auch unter schwierigen Bedingungen.

Die beidseitig gekehlte Klinge von etwa 80 Zentimetern Länge entsprach den militärischen Anforderungen der Zeit. Die Kehlen (Hohlschliffe) auf beiden Seiten der Klinge reduzierten das Gewicht, ohne die Stabilität wesentlich zu beeinträchtigen. Die leichte Krümmung der Klinge war optimal für den Gebrauch durch berittene Kavallerie geeignet, da sie sowohl Hieb- als auch Stichangriffe ermöglichte. Diese Klingenform hatte sich in jahrzehntelanger militärischer Praxis bewährt und vereinte Effektivität mit guter Handhabbarkeit.

Die Stahlscheide mit zwei Ringbändern und beweglichen Trageringen war speziell für den Gebrauch durch berittene Offiziere konzipiert. Die beweglichen Ringe ermöglichten es, den Säbel so am Leibgurt zu befestigen, dass er beim Reiten nicht störte und dennoch schnell gezogen werden konnte. Die zwei charakteristischen Einstriche am Korb für das Portepee (Säbelquaste) waren ein wichtiges Detail, da das Portepee nicht nur dekorativen Zwecken diente, sondern auch den Rang und die Zugehörigkeit des Offiziers anzeigte.

Während der Regierungszeit Georgs V. stand das Königreich Hannover vor zunehmenden politischen Spannungen innerhalb des Deutschen Bundes. Georg V., der letzte König von Hannover, versuchte die Unabhängigkeit seines Staates zu wahren, geriet dabei aber zunehmend in Konflikt mit dem aufstrebenden Preußen. Die hannoversche Armee, ausgerüstet mit Waffen wie dem Säbel Modell 1852, spielte eine wichtige Rolle in diesen politischen Auseinandersetzungen.

Im Deutschen Krieg von 1866 stellte sich Hannover auf die Seite Österreichs gegen Preußen. Die hannoversche Armee, obwohl gut ausgerüstet und ausgebildet, unterlag der preußischen Übermacht in der Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866. Nach dieser Niederlage wurde das Königreich Hannover von Preußen annektiert und hörte als eigenständiger Staat auf zu existieren. Die hannoversche Armee wurde aufgelöst, und ihre Offiziere standen vor der Wahl, in preußische Dienste zu treten oder ihre militärische Karriere zu beenden.

Nach 1866 verloren Waffen wie der Säbel Modell 1852 ihre offizielle Funktion, wurden aber von vielen ehemaligen hannoverschen Offizieren als Erinnerungsstücke an die verlorene Eigenstaatlichkeit bewahrt. Diese Säbel wurden zu Symbolen der hannoverschen Militärtradition und der kurzen, aber bedeutenden Geschichte des Königreichs Hannover. Heute sind sie gesuchte Sammlerstücke, die nicht nur militärhistorischen, sondern auch kulturhistorischen Wert besitzen.

Der hannoversche Säbel Modell 1852 steht exemplarisch für die militärische Kultur der deutschen Mittelstaaten im 19. Jahrhundert, die zwischen den Großmächten Österreich und Preußen ihre Eigenständigkeit zu bewahren suchten. Er verkörpert eine Epoche, in der traditionelle Kavallerie-Taktiken noch eine wichtige Rolle spielten, aber bereits die Zeichen der militärischen Modernisierung erkennbar waren.

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