Luftwaffe - Dokumenten- und Fotogruppe für einen späteren Hauptmann der Frontflieger-Sammelgruppe Quedlinburg
Diese Dokumenten- und Fotogruppe dokumentiert die militärische Laufbahn eines Luftwaffe-Offiziers während des Zweiten Weltkriegs, der als Mitglied der Frontflieger-Sammelgruppe Quedlinburg diente. Die Sammlung umfasst wichtige Verleihungsurkunden, Besitzzeugnisse und persönliche Dokumente, die einen faszinierenden Einblick in das Leben und die Karriere eines Kampffliegers der Wehrmacht bieten.
Die frühesten Dokumente der Sammlung stammen aus dem Jahr 1938, beginnend mit dem Militär-Beobachter-Schein Land, ausgestellt am 21. März 1938 durch die II./K.G. “Boelcke” Nr. 157. Das Kampfgeschwader Boelcke war eine der traditionsreichsten Einheiten der Luftwaffe, benannt nach dem legendären Jagdflieger des Ersten Weltkriegs, Oswald Boelcke. Die Ausbildung zum Beobachter war eine wesentliche Komponente der Luftwaffen-Ausbildung, da Beobachter für Navigation, Zielerkennung und Bombenwurfberechnungen verantwortlich waren.
Der Wehrmacht-Führerschein vom 4. März 1939 weist den Offizier als Leutnant der II./K.G.253 aus. Das Kampfgeschwader 253 war in Dresden stationiert und wurde später in andere Einheiten umgegliedert. Die Ausbildung wurde mit dem Luftwaffen-Flugzeugführerschein vom 15. Juli 1940 abgeschlossen, was die Doppelqualifikation als Pilot und Beobachter bestätigte.
Die Verleihungsurkunde für das Abzeichen Flugzeugführer und Flugzeugbeobachter, auch als Luftwaffen-Doppelabzeichen bekannt, wurde am 28. August 1940 ausgestellt. Dieses seltene Abzeichen wurde nur an Besatzungsmitglieder verliehen, die sowohl als Pilot als auch als Beobachter qualifiziert waren. Es kombinierte das Flugzeugführerabzeichen mit dem Beobachterabzeichen und war ein Zeichen besonderer fliegerischer Vielseitigkeit.
Die Kampferfahrungen des Offiziers spiegeln sich in seinen Auszeichnungen wider. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde ihm am 9. August 1941 als Oberleutnant verliehen, unterzeichnet von Generalfeldmarschall Hugo Sperrle, dem Chef der Luftflotte 3 und Befehlshaber West. Sperrle, selbst Träger des Ritterkreuzes seit dem 17. Mai 1940, war einer der höchstrangigen Luftwaffen-Offiziere und kommandierte die Luftoperationen über Westeuropa und gegen Großbritannien.
Die Verleihung des Eisernen Kreuzes 1. Klasse am 1. Februar 1942, ebenfalls durch Generalfeldmarschall Sperrle, zeugt von fortgesetzten Kampfeinsätzen und besonderer Tapferkeit. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde deutlich seltener verliehen als die 2. Klasse und erforderte nachgewiesene wiederholte Verdienste im Kampf.
Von besonderem historischem Interesse sind die Dokumente zur Verwundung des Offiziers. Das Besitzzeugnis zum Verwundetenabzeichen in Schwarz dokumentiert eine Verwundung am 30. September 1941, während er als Oberleutnant in der 5./K.G.40 diente. Das Kampfgeschwader 40 war hauptsächlich für Seeaufklärung und Angriffe auf Schifffahrtsziele im Atlantik eingesetzt und operierte von französischen Stützpunkten aus. Die Verwundung wurde im Reserve-Lazarett Hohenlychen behandelt, das am 3. Juni 1943 das Besitzzeugnis ausstellte.
Das Reserve-Lazarett Hohenlychen war eine bedeutende medizinische Einrichtung nördlich von Berlin, die von SS-Obergruppenführer Karl Gebhardt geleitet wurde. Die Einrichtung war sowohl für die Behandlung verwundeter Soldaten als auch später für fragwürdige medizinische Experimente bekannt.
Bemerkenswert ist das zweite Besitzzeugnis zum Verwundetenabzeichen in Silber, ausgestellt in Quedlinburg am 3. November 1944, das sich auf dieselbe Verwundung vom 30. September 1941 bezieht. Das silberne Verwundetenabzeichen wurde für drei bis vier Verwundungen oder den Verlust einer Hand, eines Fußes oder eines Auges verliehen. Die späte Ausstellung in Quedlinburg und die Zuordnung zur Frontflieger-Sammelgruppe deutet darauf hin, dass der Offizier gegen Kriegsende in einer Ersatz- oder Sammeleinheit diente.
Die Frontflieger-Sammelgruppen wurden gegen Kriegsende gebildet, um Flugzeugbesatzungen zu sammeln und neu zu organisieren, nachdem ihre ursprünglichen Einheiten aufgelöst oder dezimiert worden waren. Diese Gruppen dienten auch der Vorbereitung auf neue Einsätze oder der Überführung von Personal zu Bodeneinheiten, als der Mangel an Flugzeugen und Treibstoff zunahm.
Die neun beigefügten Fotografien zeigen den Offizier mit seiner Frau und Kameraden und bieten wertvolle visuelle Dokumentation des militärischen Alltags. Solche persönlichen Fotografien sind wichtige historische Quellen, die über die offiziellen Dokumente hinaus Einblick in die menschliche Dimension des Krieges geben.
Diese Dokumentengruppe ist ein typisches Beispiel für die sorgfältig geführten militärischen Aufzeichnungen der Wehrmacht und dokumentiert eine vollständige Karriere von der Vorkriegsausbildung bis zum Kriegsende.