NSDAP Gauaufmarsch der P.O. Mecklenburg-Lübeck 15. August 1934
Das vorliegende Abzeichen dokumentiert den NSDAP Gauaufmarsch der Politischen Organisation (P.O.) Mecklenburg-Lübeck vom 15. August 1934, eine bedeutende regionale Veranstaltung der nationalsozialistischen Parteiorganisation in Norddeutschland. Hergestellt wurde dieses massive Metallabzeichen von der renommierten Firma Paul Schulze & Co. M.b.H. aus Lübeck, einem der zahlreichen Hersteller von Parteiabzeichen und -auszeichnungen während der NS-Zeit.
Der Gau Mecklenburg-Lübeck war eine administrative Einheit der NSDAP, die im Zuge der Gleichschaltung nach 1933 geschaffen wurde. Die Gaustruktur bildete die mittlere Verwaltungsebene der Parteiorganisation und umfasste in diesem Fall Gebiete des heutigen Mecklenburg-Vorpommerns sowie die Hansestadt Lübeck. Jeder Gau wurde von einem Gauleiter geführt, der direkt der Reichsleitung in München unterstand und weitreichende politische und später auch administrative Befugnisse besaß.
Das Jahr 1934 war von besonderer Bedeutung für die Konsolidierung der NS-Herrschaft. Nach der Machtübernahme im Januar 1933 und der anschließenden Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Bereiche diente dieses Jahr der Festigung der totalitären Strukturen. Die sogenannten Gauaufmärsche waren dabei zentrale Instrumente der Machtdemonstration und Indoktrination. Sie dienten der Mobilisierung der Parteimitglieder, der öffentlichen Selbstdarstellung und der Einbindung der Bevölkerung in das NS-System.
Die Politische Organisation (P.O.) bildete das organisatorische Rückgrat der NSDAP. Sie umfasste alle Parteimitglieder, die nicht spezialisierten Gliederungen wie SA, SS oder Hitler-Jugend angehörten, sondern in der territorialen Parteistruktur tätig waren. Die P.O. war hierarchisch vom Blockwart über Zellenleiter, Ortsgruppenleiter, Kreisleiter bis hin zum Gauleiter organisiert und durchdrang das gesamte öffentliche Leben auf lokaler Ebene.
Abzeichen wie das vorliegende wurden zu solchen Aufmärschen in großer Zahl hergestellt und an Teilnehmer ausgegeben oder verkauft. Sie dienten mehreren Zwecken: als Erinnerungsstück an die Teilnahme, als Erkennungszeichen während der Veranstaltung und als Propagandamittel zur Verbreitung der NS-Symbolik im Alltag. Das massive Metallmaterial unterstreicht dabei den Anspruch auf Dauerhaftigkeit und Wertigkeit.
Der Hersteller Paul Schulze & Co. M.b.H. aus Lübeck gehörte zu den zahlreichen Firmen, die sich auf die Produktion von Parteiabzeichen, Ehrenzeichen und anderen NS-Devotionalien spezialisiert hatten. Die Hansestadt Lübeck verfügte über eine traditionsreiche metalldeutsche Kunsthandwerk- und Industrietradition, die auch für diese Zwecke genutzt wurde. Die Firma wird auf dem Abzeichen als Hersteller genannt, was bei solchen Veranstaltungsabzeichen durchaus üblich war.
Die Gestaltung solcher Abzeichen folgte typischen Mustern: Sie enthielten meist die Bezeichnung der Veranstaltung, das Datum, oft regionale Symbole oder Wappen sowie NS-Embleme wie Hakenkreuz oder Adler. Die Befestigung mittels Nadel auf der Rückseite ermöglichte das Tragen an der Zivilkleidung oder Parteiuniform.
Im historischen Kontext des Jahres 1934 ist besonders der Röhm-Putsch am 30. Juni 1934 zu erwähnen, bei dem Hitler die Führung der SA ausschalten ließ. Der August 1934 markierte auch das Ende der Weimarer Reichspräsidentschaft: Am 2. August 1934 starb Reichspräsident Paul von Hindenburg, woraufhin Hitler die Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers zum “Führer und Reichskanzler” verschmolz. Der hier dokumentierte Gauaufmarsch am 15. August fand somit in einer Phase intensiver Machtkonsolidierung statt.
Solche Veranstaltungen waren sorgfältig choreographiert und dienten der Erzeugung eines Gemeinschaftsgefühls unter den Parteimitgliedern. Sie umfassten typischerweise Aufmärsche, Reden von Parteiführern, Fahnenappelle und andere rituelle Elemente, die das NS-Regime zur Massenmobilisierung nutzte.
Heute sind solche Abzeichen wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, die Einblick in die Organisationsstruktur, Propaganda und Alltagskultur des Nationalsozialismus geben. Sie werden in Museen und Sammlungen verwahrt und dienen der historischen Forschung und Aufklärung über diese dunkelste Periode der deutschen Geschichte.