Preußen 1. Weltkrieg Kabinettfoto eines Unteroffiziers im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 10

Um 1916. Maße ca. 6.4 x 10.3 cm. Zustand 2.

Das Regiment wurde 1914 in Striegau (I. Btl.), Wohlau (II. Btl.) und Breslau (Stab & III. Btl) aufgestellt.
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Preußen 1. Weltkrieg Kabinettfoto eines Unteroffiziers im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 10

Das vorliegende Kabinettfoto dokumentiert einen Unteroffizier des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 10 während des Ersten Weltkriegs, aufgenommen um 1916. Solche Fotografien stellen wichtige zeitgenössische Quellen dar, die nicht nur militärische Uniformierung und Rangabzeichen dokumentieren, sondern auch persönliche Schicksale in einem der verheerendsten Konflikte der Menschheitsgeschichte festhalten.

Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 10 wurde im August 1914 zu Beginn des Ersten Weltkriegs in Schlesien aufgestellt. Der Regimentsstab sowie das III. Bataillon formierten sich in Breslau, der Provinzhauptstadt und bedeutenden Garnisonsstadt. Das I. Bataillon wurde in Striegau aufgestellt, einer Kreisstadt etwa 60 Kilometer westlich von Breslau, während das II. Bataillon in Wohlau an der Oder zusammengestellt wurde. Diese geografische Verteilung war typisch für die preußische Militärorganisation, die auf dem Prinzip der regionalen Rekrutierung basierte.

Die Aufstellung von Reserve-Infanterie-Regimentern erfolgte im Rahmen der umfassenden Mobilmachung des Deutschen Kaiserreichs im August 1914. Während die aktiven Infanterie-Regimenter bereits in Friedenszeiten existierten, wurden die Reserve-Regimenter aus ausgebildeten Reservisten gebildet, die ihren aktiven Wehrdienst bereits absolviert hatten. Diese Männer, oft zwischen 25 und 35 Jahren alt, hatten ihre militärische Grundausbildung hinter sich und konnten relativ schnell zu einsatzfähigen Verbänden formiert werden.

Das Kabinettformat, in dem diese Fotografie angefertigt wurde, war ein standardisiertes Fotoformat, das etwa 10 x 15 cm maß und sich seit den 1870er Jahren als beliebtes Format für Porträtaufnahmen etabliert hatte. Während des Ersten Weltkriegs erlebten solche Soldatenporträts eine Hochkonjunktur. Fotografen in Garnisonstädten, aber auch in Etappenstädten hinter der Front, boten ihre Dienste an. Die Soldaten ließen sich fotografieren, um ihren Familien ein Andenken zu hinterlassen oder um ihre militärische Stellung zu dokumentieren.

Der auf dem Foto abgebildete Unteroffizier repräsentiert eine zentrale Führungsebene der kaiserlichen Armee. Unteroffiziere bildeten das Rückgrat der Truppenführung und waren für die unmittelbare Führung der Gruppen und Züge verantwortlich. Sie entstammten häufig dem unteren Mittelstand oder der Arbeiterschaft und hatten sich durch Leistung, Disziplin und militärisches Geschick für diese Position qualifiziert. Die Beförderung zum Unteroffizier war mit erheblichem Prestige verbunden und bedeutete eine deutliche Verbesserung der Besoldung sowie bessere Unterkunftsbedingungen.

Die Uniformierung und Ausrüstung eines Unteroffiziers im Jahr 1916 unterschied sich in Details von der einfacher Mannschaften. Unteroffiziere trugen besondere Rangabzeichen in Form von Tressen und Litzen, die ihre Stellung kenntlich machten. Die feldgraue Uniform, die ab 1910 eingeführt worden war und die älteren bunten Uniformen ersetzte, dominierte das Erscheinungsbild. Das Jahr 1916 markiert bereits die mittlere Phase des Krieges, in der die anfängliche Euphorie längst der harten Realität des Stellungskriegs gewichen war.

Das Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 10 nahm an verschiedenen Operationen des Ersten Weltkriegs teil. Wie die meisten deutschen Infanterie-Regimenter war es sowohl an der Westfront als auch zeitweise an der Ostfront eingesetzt. Die Jahre 1915 und 1916 waren geprägt von verlustreichen Materialschlachten, insbesondere der Schlacht um Verdun und der Schlacht an der Somme, die das deutsche Heer enorme Opfer kosteten.

Fotografien wie diese hatten für die Familien der Soldaten immense Bedeutung. In einer Zeit, in der viele Soldaten nicht aus dem Krieg zurückkehrten, blieben solche Porträts oft das einzige visuelle Andenken. Die Fotos wurden in Wohnungen aufgestellt, in Briefen verschickt und in Familienalben verwahrt. Sie dokumentieren nicht nur militärische Geschichte, sondern auch persönliche Schicksale und sozialgeschichtliche Entwicklungen.

Aus heutiger Perspektive sind solche Militärfotografien wichtige Quellen für die Uniform- und Ausrüstungsforschung sowie für die Sozialgeschichte des Ersten Weltkriegs. Sie ermöglichen Einblicke in die Lebenswelt der Soldaten und ergänzen offizielle Dokumente und Kriegstagebücher um die persönliche Dimension. Das Kabinettfoto eines schlesischen Unteroffiziers steht exemplarisch für Millionen von Soldaten, die im Ersten Weltkrieg dienten und deren individuelle Geschichten oft im Nebel der Geschichte verschwunden sind.