Unter den Orden und Ehrenzeichen der deutschen Bundesstaaten nimmt der Königlich Sächsische Zivilverdienstorden eine besondere Stellung ein. Am 7. Juni 1815 von König Friedrich August I. von Sachsen gestiftet, diente er der Auszeichnung hervorragender ziviler Verdienste und bürgerlicher Tugend. Seine Gründung fiel in eine bewegte Zeit: König Friedrich August I. war nach den Napoleonischen Kriegen aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, und die Stiftung des Ordens markierte einen Neuanfang für das Königreich Sachsen. Ursprünglich als „Zivilverdienstorden“ bekannt, wurde er 1849 in „Verdienstorden“ umbenannt.
Die Entwicklung des Ordensstatuts und die Einführung der Schwerter
Die Geschichte des Ordens spiegelt die militärischen und politischen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts wider. Das Königreich Sachsen kämpfte im Deutschen Krieg von 1866 auf der Seite Österreichs und nahm an der Schlacht bei Königgrätz teil. Als Reaktion auf diese kriegerischen Auseinandersetzungen wurden am 29. Oktober 1866 die Schwerter für Kriegsverdienst eingeführt – gekreuzte Schwerter, die durch das Zentrum des Ordenskreuzes geführt wurden und militärische Tapferkeit kennzeichneten.
Eine bedeutsame Ergänzung der Ordensstatuten erfolgte während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/71. Am 9. Dezember 1870 führte König Johann die Schwerter am Ring ein. Diese besondere sächsische Variante hatte zunächst eine eigene Bedeutung: Sie wurde verliehen, wenn der Inhaber einer zivilen Auszeichnung dieselbe Klasse für Kriegsverdienst erhielt. Ab 1906 wurde die Regelung an die Praxis anderer deutscher Staaten angepasst – die Schwerter am Ring kennzeichneten nun eine Beförderung in eine höhere Klasse, nachdem der Träger eine niedrigere Klasse mit Schwertern erhalten hatte, und bewahrten so die Anerkennung früherer Tapferkeit. Nach dem Dekret vom 8. Dezember 1906 konnten berechtigte Empfänger ihre Dekorationen gegen Versionen mit Schwertern am Ring umtauschen, mussten jedoch die Preisdifferenz selbst tragen.
Das Zweite Modell mit Krone
Das vorliegende Stück gehört zum Zweiten Modell des Ordens, das am 23. Februar 1891 von König Albert eingeführt wurde. Wesentliches Merkmal dieser neuen Ausführung war die Hinzufügung einer goldenen Krone als Bekrönung für die Großkreuz- und Komturklassen. Gleichzeitig wurden aufgelegte Metallmedaillons anstelle der zuvor gemalten Medaillons eingeführt, und der achtstrahlige Bruststern für das Großkreuz kam hinzu.
Das Ordenskreuz selbst ist als Malteserkreuz gestaltet, dessen Arme weiß emailliert sind. Zwischen den Kreuzarmen befinden sich grün emaillierte Segmente mit dem Rautenkranzmotiv, dem heraldischen Symbol Sachsens. Die Vorderseite zeigt im Mittelmedaillon das gekrönte sächsische Wappen mit der Umschrift „FRIED.AUG.K.V.SACHSEN.D.7.JUN.1815“, die auf den Stifter und das Gründungsdatum verweist. Die Rückseite trägt die virzeilige Inschrift „FÜR VERDIENST UND TREUE“ in einem grün emaillierten Eichenlaubkranz. Für ausländische Empfänger lautete die Inschrift „DEM VERDIENSTE“.
Die Klassenstruktur des Ordens umfasste in der Periode des Zweiten Modells (1891–1918) folgende Stufen: Großkreuz (am Schulterband von der rechten Schulter zur linken Hüfte, mit achtstrahligem Bruststern), Komturkreuz 1. Klasse (am Halsband, mit vierstrahligem Bruststern), Komturkreuz 2. Klasse (am Halsband, ohne Bruststern), sowie Ritterkreuz 1. und 2. Klasse und Verdienstkreuz. Bemerkenswert ist, dass Großkreuz und Komturkreuze in identischer Größe gefertigt wurden und sich nur durch den begleitenden Bruststern unterschieden.
Extreme Seltenheit
Die Verleihungszahlen für die obersten Klassen des Verdienstordens mit Schwertern am Ring in goldener Ausführung verdeutlichen die außerordentliche Seltenheit dieses Typs. Die Fachliteratur führt lediglich 2 Großkreuze, 4 Komturkreuze 1. Klasse und 6 Komturkreuze 2. Klasse mit Schwertern am Ring in goldener Ausführung an. Zum Vergleich: Selbst die regulären Schwerterverleihungen während des Ersten Weltkrieges blieben überschaubar – es wurden 15 Komturkreuze mit Schwertern 1. Klasse (mit Bruststern) und 36 Komturkreuze mit Schwertern 2. Klasse verliehen. Exemplare mit Schwertern am Ring werden in der Fachwelt als „äußerst selten“ bezeichnet. Selbst Verleihungsurkunden für Schwerter am Ring sind extrem rar – für den verwandten Albrechtsorden konnten nur drei Urkunden nachgewiesen werden.
Die Hinzufügung der Schwerter am Ring wurde vom Dresdner Hofjuwelier G.A. Scharffenberg ausgeführt, der auch für die Herstellung und Modifikation der Ordensinsignien verantwortlich war.
Das Ende des Königreichs Sachsen
Das Königreich Sachsen, das als deutscher Bundesstaat seit 1806 bestand, erlebte mit dem Ende des Ersten Weltkrieges seinen Untergang. Am 13. November 1918 dankte König Friedrich August III. ab, und mit der Auflösung der Monarchie hörte auch der Verdienstorden auf zu existieren. Die Dekorationen waren nach dem Tod des Empfängers zurückzugeben – ein Umstand, der die Erhaltung dieser Stücke zusätzlich erschwerte.
Das vorliegende Exemplar wurde 2014 im Rahmen der 56. Auktion des Hauses Andreas Thies versteigert und gilt als das einzige bekannte Stück dieses Typs. Es wird als Prachtexemplar in feinster Dresdner Juweliersqualität beschrieben, das am originalen langen Halsband – weißes Band mit grünen Seitenstreifen – getragen wurde und sich in hervorragendem Zustand befindet. Für Sammler sächsischer Phaleristik stellt es zweifellos eines der bedeutendsten Objekte dar, das auf dem Markt erschienen ist.