Wehrmacht Heer Schiffchen für Mannschaften

Kammerstück, feldgraues Tuch, komplett mit Bevo-gewebtem Hoheitsadler und Kokarde. Innen mit Futter, Kopfgröße ca. 54. Lüftungslöcher korrodiert, kleine Mottenlöcher, Zustand 2.
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550,00

Wehrmacht Heer Schiffchen für Mannschaften

Das Wehrmacht Heer Schiffchen war eine der grundlegendsten Kopfbedeckungen der deutschen Landstreitkräfte während des Zweiten Weltkriegs. Diese Feldmütze für Mannschaften stellte einen wesentlichen Bestandteil der feldgrauen Uniform dar und wurde von einfachen Soldaten bis Unteroffizieren getragen.

Die Bezeichnung “Schiffchen” leitet sich von der charakteristischen bootsförmigen Form dieser Kopfbedeckung ab. Im militärischen Sprachgebrauch wurde sie auch als Feldmütze oder umgangssprachlich als Seite bezeichnet. Die Einführung dieser Kopfbedeckung erfolgte bereits in der Reichswehr und wurde mit der Neuorganisation der Wehrmacht ab 1935 weitergeführt.

Das vorliegende Exemplar ist aus feldgrauem Wollstoff gefertigt, der charakteristischen Farbe der Wehrmacht, die zwischen 1935 und 1945 verwendet wurde. Die genaue Nuance des Feldgraus variierte im Laufe des Krieges aufgrund von Materialknappheit und unterschiedlichen Herstellern. Die Uniformvorschriften der Wehrmacht, insbesondere die Heeresdienstvorschrift (HDv), definierten präzise die Anforderungen an Schnitt, Material und Ausführung.

Besonders charakteristisch sind die aufgenähten Hoheitsabzeichen: Der BEVO-gewebte Hoheitsadler und die Kokarde in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot. Die Firma BEVO (Bandfabrik Ewald Vorsteher) aus Wuppertal war einer der Hauptlieferanten für diese maschinell gewebten Abzeichen. Die BEVO-Technik ermöglichte eine kostengünstige Massenproduktion von qualitativ hochwertigen Abzeichen. Der Adler wurde oberhalb der Kokarde an der rechten Seite des Schiffchens angebracht und zeigte das stilisierte Hoheitszeichen der Wehrmacht mit nach rechts blickendem Adler und Hakenkreuz in den Fängen.

Die Kokarde bestand aus konzentrischen Kreisen in den Nationalfarben und wurde direkt darunter positioniert. Diese Anordnung folgte den strengen Vorschriften der Heeresbekleidungsordnung und war für alle Mannschaftsdienstgrade verbindlich.

Im Inneren verfügt das Schiffchen über ein Futter, das üblicherweise aus Kunstseide oder Baumwolle bestand. Die angegebene Kopfgröße von etwa 54 entspricht einer mittleren Größe und war weit verbreitet. Die Wehrmacht verwendete das metrische System für Kopfgrößen, wobei Größen von 52 bis 62 produziert wurden.

Die Lüftungslöcher (Ventilationsösen) waren ein funktionales Element, das der Luftzirkulation diente. Diese waren typischerweise mit Metallösen verstärkt, die bei diesem Exemplar Korrosionsspuren aufweisen – ein deutlicher Hinweis auf das Alter und die Lagerungsbedingungen über die Jahrzehnte.

Die Herstellung von Schiffchen erfolgte durch zahlreiche Zulieferbetriebe im gesamten Deutschen Reich. Jeder Hersteller musste sich an die Vorschriften des Heereswaffenamtes halten. Im Inneren befand sich häufig ein Stempel mit Herstellercode, Größenangabe und Produktionsjahr, obwohl diese Markierungen oft mit der Zeit verblassten.

Die Tragebedingungen waren in den Uniformvorschriften genau geregelt. Das Schiffchen wurde im Kasernen- und Garnisonsdienst, beim Ausgang sowie bei bestimmten Feldsituationen getragen. Bei Paraden und offiziellen Anlässen wurde hingegen die steifere Feldmütze (M34 oder M38) oder der Stahlhelm bevorzugt.

Das vorliegende Stück wird als “Kammerstück” bezeichnet, was darauf hindeutet, dass es sich um ein persönliches Ausrüstungsstück handelt, das vom Soldaten in der Kammer aufbewahrt wurde. Dies unterscheidet es von Ausrüstungsstücken, die nur temporär ausgegeben wurden.

Die erwähnten Mottenlöcher sind typische Alterungserscheinungen bei Wollstoffen und finden sich häufig bei Textilien aus dieser Zeit. Sie zeugen von der organischen Natur des Materials und der langen Lagerung unter nicht immer optimalen Bedingungen.

Aus sammlerischer Sicht repräsentiert dieses Schiffchen ein authentisches Zeugnis der Uniformierung der Wehrmacht. Der Zustand 2 in der militärhistorischen Bewertungsskala deutet auf ein gut erhaltenes Stück mit leichten Gebrauchsspuren hin, was für ein über 75 Jahre altes Textil bemerkenswert ist.

Solche Objekte dienen heute ausschließlich der historischen Forschung und Dokumentation. Sie sind wichtige Sachzeugen einer dunklen Epoche deutscher Geschichte und helfen, die materielle Kultur des Zweiten Weltkriegs zu verstehen und für kommende Generationen zu bewahren.