Wehrmacht Paar Wickelgamaschen
Die Wickelgamaschen der Wehrmacht stellen ein charakteristisches Ausrüstungsstück der deutschen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese speziellen Tropenwickelgamaschen in olivfarbener Ausführung waren Teil der Bekleidung für Soldaten, die in warmen Klimazonen eingesetzt wurden, insbesondere in Nordafrika, im Mittelmeerraum und in anderen tropischen oder subtropischen Einsatzgebieten.
Entwicklung und Verwendungszweck
Wickelgamaschen hatten in den europäischen Armeen eine lange Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht. Sie dienten dem Schutz des Unterschenkels und sollten verhindern, dass Schmutz, Steine, Insekten oder andere Fremdkörper in die Stiefel gelangten. Gleichzeitig boten sie eine gewisse Stützfunktion für Wade und Knöchel bei langen Märschen. Die Wehrmacht übernahm dieses bewährte Konzept und passte es den spezifischen Anforderungen verschiedener Einsatzgebiete an.
Die Tropenausführung unterschied sich von den Standardgamaschen durch das verwendete Material und die Farbe. Während die regulären Wickelgamaschen für den europäischen Einsatz in feldgrau oder dunkelgrün gehalten waren, wurden die Tropengamaschen in einem helleren Olivton gefertigt, der besser zur Tropenbekleidung der Wehrmacht passte. Diese wurde ab 1940/41 verstärkt produziert, als sich das Deutsche Reich auf Operationen in Nordafrika vorbereitete.
Material und Herstellung
Die Gamaschen bestanden aus strapazierfähigem Baumwollgewebe oder Mischgewebe, das für tropische Bedingungen geeignet war. Im Gegensatz zu den Lederausführungen, die bei großer Hitze unpraktisch waren, bot das Stoffmaterial bessere Atmungsaktivität. Die Wickelmethode erlaubte eine individuelle Anpassung an verschiedene Beinformen und Stiefelgrößen.
Die Herstellung erfolgte in verschiedenen Textilbetrieben im Deutschen Reich und in besetzten Gebieten. Die Herstellermarkierungen, die üblicherweise als Stempel oder gewebte Etiketten angebracht wurden, ermöglichen heute eine Zuordnung zu bestimmten Produktionsstätten und Zeiträumen. Diese Markierungen enthielten typischerweise Kürzel für den Hersteller, manchmal auch Jahreszahlen oder Abnahmestempel der Wehrmacht.
Trageweise und Ausrüstungsvorschriften
Die Wickelgamaschen wurden paarweise ausgegeben, wobei zwischen linkem und rechtem Bein unterschieden wurde. Dies war notwendig, da die Form der Gamasche der natürlichen Kontur des Beins folgte. Der Soldat wickelte die Gamasche vom Knöchel ausgehend spiralförmig nach oben bis knapp unter das Knie. Die Befestigung erfolgte durch eingenähte Bänder oder Schnüre.
In den Heeresbekleidungsvorschriften (HBV) und den Anzugsordnungen war genau festgelegt, wann und wie Wickelgamaschen zu tragen waren. Sie gehörten zur Feldausrüstung und waren besonders bei Märschen, im Gefecht und bei Arbeiten im Freien vorgeschrieben.
Einsatzgebiete
Die Tropengamaschen kamen hauptsächlich beim Deutschen Afrikakorps (DAK) unter Generalfeldmarschall Erwin Rommel zum Einsatz, das von 1941 bis 1943 in Nordafrika operierte. Weitere Einsatzgebiete waren Italien nach 1943, der Balkan und die südlichen Teile der Ostfront. Auch Einheiten, die in die UdSSR verlegt wurden, erhielten teilweise Tropenausrüstung, wenn keine wintergerechte Bekleidung verfügbar war.
Erhaltungszustand und Materialbefall
Der erwähnte Mottenschaden ist ein typisches Problem bei historischen Textilien. Kleidermotten (Tineola bisselliella) und ihre Larven ernähren sich von Keratinfasern, wie sie in Wolle vorkommen, befallen aber auch Baumwollgewebe, besonders wenn dieses mit organischen Rückständen wie Schweiß kontaminiert ist. Dies ist bei militärischen Ausrüstungsgegenständen, die unter extremen Bedingungen getragen wurden, häufig der Fall.
Historische Bedeutung
Wickelgamaschen waren bis in die 1940er Jahre hinein in vielen Armeen Standard, wurden aber nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend durch höhere Stiefel oder modernere Beinbekleidung ersetzt. Sie repräsentieren eine Übergangszeit in der Militärausrüstung und sind heute wichtige Sammlerstücke und Studienobjekte für Militärhistoriker. Die Tropenausführungen sind dabei besonders interessant, da sie die Anpassung der Wehrmacht an verschiedene Klimazonen und Kriegsschauplätze dokumentieren und Einblick in die logistischen Herausforderungen einer global operierenden Armee geben.