Freikorps: Danziger Schild für treue Dienste der Einwohnerwehr

Großes Steckabzeichen, emaillierter Schild, rückseitig an Längsnadel, Hersteller "M. Stumpf & Sohn, Danzig". Bodenfund, die Nadel fehlt, Zustand 3-.
Dennoch ein sehr seltenes Abzeichen.
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350,00

Freikorps: Danziger Schild für treue Dienste der Einwohnerwehr

Der Danziger Schild für treue Dienste der Einwohnerwehr ist ein bedeutendes Zeugnis der turbulenten Nachkriegszeit in Danzig zwischen 1919 und 1920. Dieses emaillierte Steckabzeichen wurde von der Firma M. Stumpf & Sohn in Danzig hergestellt und an Mitglieder der lokalen Einwohnerwehr verliehen, die sich in einer Zeit extremer politischer und sozialer Unsicherheit für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung einsetzten.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges im November 1918 befand sich Deutschland in einem Zustand des politischen Chaos. Die Revolution hatte das Kaiserreich gestürzt, und überall im Reich bildeten sich paramilitärische Verbände, die als Freikorps bekannt wurden. Diese bestanden häufig aus demobilisierten Soldaten, Offizieren und nationalistisch gesinnten Bürgern. Parallel dazu entstanden Einwohnerwehren – lokale Bürgerwehren, die sich den Schutz ihrer Gemeinden zur Aufgabe machten.

Die Situation in Danzig war besonders kompliziert. Die Stadt mit ihrer mehrheitlich deutschen Bevölkerung war ein wichtiger Ostseehafen und seit Jahrhunderten ein Brennpunkt zwischen deutschen und polnischen Interessen. Der Versailler Vertrag von 1919 bestimmte, dass Danzig vom Deutschen Reich getrennt und zur Freien Stadt Danzig unter dem Schutz des Völkerbundes werden sollte. Diese Entscheidung trat am 15. November 1920 offiziell in Kraft.

In der Übergangszeit zwischen Kriegsende und der Etablierung des Freistaatenstatus herrschte große Unsicherheit. Die Danziger Einwohnerwehr wurde gegründet, um die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten, Plünderungen zu verhindern und die Stadt vor möglichen Übergriffen zu schützen. Diese Formation stand in engem Zusammenhang mit der Freikorpsbewegung, auch wenn sie formal als Bürgerwehr organisiert war.

Das vorliegende Abzeichen wurde als Auszeichnung für “treue Dienste” verliehen. Es handelt sich um ein großes Steckabzeichen in Form eines emaillierten Schildes. Die Herstellung durch M. Stumpf & Sohn, eine renommierte Danziger Juweliers- und Ordensmanufaktur, zeugt von der Qualität und offiziellen Natur dieser Auszeichnung. Die Firma Stumpf war in Danzig für die Herstellung von Orden, Ehrenzeichen und militärischen Abzeichen bekannt.

Die Gestaltung als emailliertes Schild mit rückseitiger Längsnadel entsprach den typischen Standards für Ehrenabzeichen jener Zeit. Emaillearbeiten waren aufwendig und kostspielig, was den Wert unterstreicht, den man dieser Auszeichnung beimaß. Die Träger befestigten das Abzeichen an ihrer Uniform oder Zivilkleidung, um ihre Zugehörigkeit zur Einwohnerwehr und ihre anerkannten Dienste öffentlich sichtbar zu machen.

Die historische Bedeutung solcher Abzeichen liegt in ihrer Dokumentation einer Übergangsepoche. Die Freikorps und Einwohnerwehren spielten eine kontroverse Rolle in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Einerseits verhinderten sie vielerorts Chaos und schützten die Zivilbevölkerung, andererseits waren sie oft politisch rechtsstehend und trugen zur Militarisierung der Gesellschaft bei. In Danzig kam die besondere Situation hinzu, dass diese Formationen auch Ausdruck des deutschen Widerstands gegen die geplante Abtrennung vom Reich waren.

Die Einwohnerwehr als Institution wurde in vielen deutschen Städten und Regionen gegründet. Die Reichsregierung duldete oder förderte diese Organisationen zunächst, musste sie aber 1921 auf Druck der Alliierten auflösen, die in ihnen eine Umgehung der Abrüstungsbestimmungen des Versailler Vertrages sahen. In Danzig verlief diese Entwicklung zeitlich parallel zur Transformation in den Freistaatenstatus.

Das beschriebene Exemplar ist ein Bodenfund, was bedeutet, dass es aus dem Erdreich geborgen wurde. Dies erklärt seinen Erhaltungszustand und das Fehlen der Nadel. Bodenfunde von militärischen und paramilitärischen Abzeichen sind nicht ungewöhnlich, da solche Objekte in Krisenzeiten häufig vergraben oder verloren wurden. Nach 1945 war der Besitz von Freikorps-Memorabilia in Deutschland zeitweise problematisch, was zur Entsorgung solcher Gegenstände führte.

Die Seltenheit dieses Abzeichens wird durch mehrere Faktoren erklärt: Erstens war die Danziger Einwohnerwehr eine lokale und zeitlich begrenzte Organisation. Zweitens wurden nach der Auflösung der Einwohnerwehren und insbesondere nach 1945 viele dieser Abzeichen vernichtet. Drittens befinden sich heute nur wenige dokumentierte Exemplare in öffentlichen oder privaten Sammlungen.

Für Sammler und Historiker stellen solche Abzeichen wichtige Quellen dar. Sie dokumentieren nicht nur die Existenz dieser Organisationen, sondern auch die Auszeichnungspraxis und die handwerkliche Qualität der Zeit. Das Herstellermerkmal von M. Stumpf & Sohn erlaubt zudem eine präzise Zuordnung und Datierung.

Die Erforschung der Freikorps- und Einwohnerwehr-Geschichte ist Teil der kritischen Auseinandersetzung mit der deutschen Zwischenkriegszeit. Diese Formationen bildeten ein Reservoir an militärisch organisierten und politisch radikalisierten Männern, die später teilweise in extremistische Bewegungen eintraten. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass viele Mitglieder aus ehrlichem Pflichtgefühl und Sorge um ihre Gemeinschaft handelten, ohne radikale politische Absichten zu verfolgen.