Luftwaffe Ordens- und Urkundennachlass aus dem Besitz des Ritterkreuzträgers Rudolf Braun, zuletzt Kommandeur I./Schlacht Geschwader 3

Ritterkreuz des Eisernen Kreuz 1939, eine typische Fertigung der Fa. Otto Schickle Pforzheim. Geschwärzter Eisenkern mit Neusilberzarge, Öse und Sprungring sind nicht markiert, am getragenen Halsbandabschnitt, eine der seltenen Fertigungen zwischen Mai 1940 und März 1941. Das Ritterkreuz ist getragen, die Schwärzung auf dem Hakenkreuz groß Großteil abgetragen. Dazu ein schönes Portraitfoto von Hauptmann Braun um 1943, auf dem man genau dieses Ritterkreuz erkennen kann.
Große Verleihungsurkunde zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes an Leutnant Rudolf Braun. Datiert " Führerhauptquartier, den 14. Juni 1941". Mit eigenhändiger Original-Tintenunterschrift der Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler. Die Ritterkreuzmappe aus rotem Leder mit Gold geprägtem Hoheitsadler. Die Innendeckel mit Pergamentspiegeln und handvergoldeter Linieneinfassung. Am rückseitigen unteren Rand mit Signatur "Frida Thiersch". Die Urkunde auf großem Pergament-Doppelblatt von Hand geschrieben, der Name des Beliehenen " Rudolf Braun " in erhabenem Gold gehalten.
Die Pergamenturkunde befindet sich in gutem Zustand. Die rote Verleihungsmappe hat leider etwas gelitten, innen fehlt der rote Halteriemen, der Rücken zum Teil eingerissen, unten fehlen ca. 2 cm. 
Frontflugspange für Schlachtflieger in Gold mit Anhänger für "300" Feindflüge. Feinzink vergoldet. Leicht getragen, rückseitig fehlt die Tragenadel.
Kompletter Satz von 6 Flugbüchern, von 1935 bis zu seinem letzten Flug am 30.4.1945. Ab 1936 beim Fliegergeschwader Immelmann, insgesamt 310 eingetragene Feindflüge, letzter Feindflug am 29.4.1945.
Insgesamt 56 Fotos, darunter 18 Portraitfotos mit Ritterkreuz in verschiedenen Größen (auf den Fotos ist das Schickle Ritterkreuz immer wieder deutlich wieder zu erkennen), weiterhin Fotos aus dem Frankreichfeldzug 1940, 23 Fotos vom Einsatz und Kampf über Kreta 1941, 3 sehr schöne Gruppenfotos aus Afrika, 4 Fotos von seinem Kommodore und weiteren Ritterkreuzträgern. Weiterhin ein sehr schönes Reprofoto von Braun mit Nachkriegsunterschrift.
Rudolf Braun, geboren am 30. August in Brannenburg/Inn, kam 1934 zur Luftwaffe und wirkte schon als Unteroffizier an wichtiger Stelle in der Entwicklung der Sturzkampfwaffe. Am 1. April 1938 zum Leutnant befördert, am 1. April 1940 zum Oberleutnant, wurde er Staffelführer in der I./Stukageschwader 3, flog 1939 im Polenfeldzug, 1940 Frankreichfeldzug, 10 Feindflüge gegen England, über dem Balkan und bewährte sich vor allem im Kampf gegen Kreta und im Mittelmeergebiet. Dabei setzte er bei der Unterstützung des Fallschirmunternehmens bei Chania durch Volltreffer die Flakbatterien außer Gefecht, versenkte im Seegebiet von Griechenland 16.000 BRT, erzielte gegen die britische Flotte im Seegebiet südlich Melos Volltreffer auf einen schweren Kreuzer, auf einen Zerstörer und einen leichten Kreuzer. Nach über 170 Einsätzen, davon 25 im Mittelmeer und gegen Kreta, wurde er am 14. Juni 1941 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Dann verlegte die Gruppe nach Afrika. Am 25. April 1942 beim Einsatz auf Tobruk von Kitty-Hawas und Tomahawks der 2. Südafrikanischen und 4. SAAF Spn. abgeschossen und schwer verwundet, mit seinem toten Bordfunker an Bord bei Tmimi notgelandet. Bis 3.8.1943 im Lazarett und Genesungsurlaub, ab6.8.1943 - 1.1.1944 als Staffelkapitän der 3./StG. 15 Banden-Einsätze an der italienisch-kroatischen Grenze. Von Januar 1944 bis Januar 1945 Kommandeur der S.G. 102 der Stukaschule in Deutsch-Brod. Von Februar 1945 bis Kriegsende als Hauptmann Kommandeur der I./Schlachtgeschwader 3 im Nordabschnitt der Ostfront.

Ein beeindruckender Nachlass eines tapferen Stukafliegers. Als Träger einer der wenigen verliehenen Schickle Ritterkreuze, welches sich auf den Fotos wiedererkennen lässt, ist die Gruppe ganz besonders interessant.

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Luftwaffe Ordens- und Urkundennachlass aus dem Besitz des Ritterkreuzträgers Rudolf Braun, zuletzt Kommandeur I./Schlacht Geschwader 3

Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verkörpert eine der bedeutendsten militärischen Auszeichnungen des Zweiten Weltkriegs und bildete den Grundstein eines hierarchischen Ordenssystems, das die außergewöhnliche Tapferkeit und militärische Führung im deutschen Heer, der Luftwaffe, der Kriegsmarine und der Waffen-SS würdigte. Am 1. September 1939 von Adolf Hitler durch die Verordnung über die Erneuerung des Eisernen Kreuzes gestiftet, löste das Ritterkreuz den Pour le Mérite als höchste deutsche Tapferkeitsauszeichnung ab und schloss die Lücke zwischen dem Eisernen Kreuz Erster Klasse und dem Großkreuz, letzteres nur an Hermann Göring verliehen.

Die Auszeichnung wurde in einer streng gestaffelten Hierarchie mit fünf aufsteigenden Stufen verliehen. Das Ritterkreuz selbst bildete die Basisstufe, gefolgt vom Ritterkreuz mit Eichenlaub (gestiftet am 3. Juni 1940), dem Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern (28. September 1941), dem Ritterkreuz mit Eichenlaub, Schwertern und Brillanten (15. Juli 1941) und schließlich dem Ritterkreuz mit goldenem Eichenlaub, Schwertern und Brillanten, das am 29. Dezember 1944 gestiftet und ausschließlich an Hans-Ulrich Rudel verliehen wurde.

Die Verleihungskriterien erforderten außergewöhnliche Tapferkeit im Kampf oder herausragende militärische Führungsleistungen. Empfänger mussten zuvor das Eiserne Kreuz Erster Klasse 1939 besitzen, obwohl beide Auszeichnungen gelegentlich gleichzeitig verliehen wurden. Spezifische Schwellenwerte regelten die Vergabe: U-Boot-Kommandanten erhielten die Auszeichnung für das Versenken von 100.000 BRT Schiffsraum, Jagdflieger anfangs für 20 Luftsiege, wobei diese Kriterien im Kriegsverlauf angepasst wurden. Das Ritterkreuz wurde am Halsband getragen und hatte Vorrang vor allen anderen Auszeichnungen mit Ausnahme seiner eigenen höheren Stufen.

Die Gesamtzahl der verliehenen Ritterkreuze bleibt Gegenstand historischer Diskussion. Das Bundesarchiv analysierte 7.313 Verleihungen, während die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger 7.318 erfasste, wovon 200 ohne offizielle Nachweise blieben. Das Bundesarchiv substantiierte 7.161 Empfänger sowie 863 Verleihungen des Eichenlaubes, 147 der Schwerter und 27 der Brillanten. Die erste Verleihung erfolgte am 30. September 1939 nach dem Überfall auf Polen. Präsentationen fanden häufig persönlich durch Hitler in der Reichskanzlei, am Berghof oder im Führerhauptquartier wie der Wolfsschanze oder Werwolf statt. Nach dem gescheiterten Attentat vom 20. Juli 1944 nahm Hitler nur noch sporadisch Verleihungen vor, während ranghohe Kommandeure diese Aufgabe übernahmen.

Das vorliegende Exemplar stellt eine Fertigung der Firma Otto Schickle aus Pforzheim dar, eine der seltensten Varianten des Ritterkreuzes. Die Herstellung erfolgte in dreiteiliger Konstruktion mit geschwärztem Eisenkern zwischen zwei Neusilberzargen, verlötet und mit Öse sowie Sprungring versehen. Im Unterschied zu den häufigeren Ausführungen der Hersteller Steinhauer & Lück (mit Prägung „800“), C.E. Juncker, Klein & Quenzer oder C.F. Zimmermann sind Schickle-Kreuze typischerweise unmarkiert, ohne Silberstempel oder Herstellercode. Die Produktionsperiode erstreckte sich lediglich über einen Zeitraum von fünf bis sechs Monaten, wobei die Fertigung Mitte 1941 nach einem Verbot der Präsidialkanzlei eingestellt wurde.

Das Ritterkreuz zeigt die klassische Form des Tatzenkreuzes mit schmalen Armen im Zentrum und breiter werdenden Enden. Die Vorderseite trägt ein drehbares Hakenkreuz im Zentrum sowie die Jahreszahl „1939“ auf dem unteren Kreuzarm, während die Rückseite das Datum „1813“ aufweist, das an die ursprüngliche Stiftung des Eisernen Kreuzes erinnert. Das Band in schwarz-weiß-rot wurde um den Hals getragen.

Der vorliegende Nachlass dokumentiert die Verleihung an Leutnant Rudolf Braun, Staffelführer der I./Sturzkampfgeschwader 3, datiert vom 14. Juni 1941 im Führerhauptquartier. Die Auszeichnung würdigte seine Leistungen nach über 170 Einsätzen, davon 25 im Mittelmeerraum und über Kreta, wo er Volltreffer auf britische Kreuzer und Zerstörer erzielte und 16.000 BRT Schiffsraum versenkte. Die beigefügte Verleihungsurkunde auf Pergament-Doppelblatt wurde handgeschrieben und trägt die originale Tintenunterschrift Adolf Hitlers.

Nach 1945 verbot die Bundesrepublik Deutschland das Tragen von Abzeichen mit nationalsozialistischen Symbolen. 1957 autorisierte die westdeutsche Regierung ein Ersatz-Ritterkreuz mit Eichenlaub-Cluster anstelle des Hakenkreuzes, das von Kriegsveteranen getragen werden durfte. Die Rahmenprägematrizen der Firma Schickle gelangten nach Kriegsende zur Firma Deumer und wurden bei der Produktion der Ersatzausführung von 1957 verwendet.

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