Luftwaffe Uniformensemble für einen Hauptmann im Flakartillerie-Regiment 4.

Waffenrock: Eigentumstück, graublaues Tuch aus feiner Gabardine, komplett mit Brustadler 2. Modell für Offiziere per Hand vernäht, mit Kragenspiegeln und Schulterstücke zum einnähen, Waffenfarbe hochrot. Im Knopfloch die Bänder zum Eisernen Kreuz 1939 2. Klasse und Medaille Winterschlacht im Osten vernäht. Auf der linken Brust eine Bandspange (Luftwaffe Dienstauszeichnung, Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938), Schlaufen für 4 Steckabzeichen und auf der rechten Brust Schlaufen für ein Spanienkreuz oder Deutsches Kreuz. Innen im Nacken mit Schneideretikett ".... Comolluch Münster", seitlich mit Schlitz zum tragen des Offiziersdolches. Maße: Schulterbreite ca. 42 cm, Armlänge-Außen ca. 64 cm, Gesamtlänge ca. 60 cm. Die Schlaufen an der Brust und innen das Seidenfutter beschädigt, Zustand 2.
Lange Hose: Graublaue Hose aus Gabardine, innen mit weißen Tuch, Maße: Hosen-Bundumfang ca. 78 cm, Gesamtlänge ca. 99 cm. Fleckig. Zustand 2.
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2.100,00

Luftwaffe-Waffenrock-Ensemble eines Hauptmanns des Flakartillerie-Regiments 4

Dieses Uniformensemble – bestehend aus einem Waffenrock und einer langen Hose – gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Es vereint die formelle Eleganz der Paradedress mit den konkreten Spuren eines Offiziers, der in den ersten Kriegsjahren aktiv Dienst leistete. Als Eigentumsstück eines Hauptmanns (Hauptmann entspricht dem Rang eines Kapitäns) im Flakartillerie-Regiment 4 dokumentiert dieses Ensemble sowohl die Entwicklung der Luftwaffen-Uniformierung als auch die Geschichte der Flugabwehrartillerie innerhalb der jüngsten Teilstreitkraft des Deutschen Reiches.

Die Entstehung der Luftwaffe und ihrer Uniformierung

Durch Hitlers Entscheidung vom 26. Februar 1935 wurde die Luftwaffe offiziell zum 1. März 1935 als dritter Zweig der Wehrmacht etabliert. Im selben Monat wurden die Flugabwehreinheiten, die zuvor dem Heer unter der Tarnbezeichnung „Fahrabteilungen“ unterstellt waren, an die Luftwaffe übergeben. Ab Herbst 1935 wurde in den damals fünf Luftkreisen des Deutschen Reiches die Aufstellung der Flakartillerieschule in Rerik sowie von 15 schweren und 3 leichten Flakabteilungen (motorisiert) angeordnet. Bis Ende 1935 waren bereits elf dieser Abteilungen formiert worden.

In seiner Wehrmacht-Fassung ab 1935 war der Waffenrock ein figurbetonter, oberschenkellanger, achtknöpfiger Rock aus feinem feldgrauem Tuch ohne äußere Taschen. Die Luftwaffenversion wurde in charakteristischem Graublau gefertigt. Dieser Uniformtyp diente als formelle Parade- und Ausgehuniform für Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Luftwaffe von 1935 bis in die frühen Kriegsjahre hinein.

Das Ensemble im Detail

Der vorliegende Waffenrock ist aus feinem graublauen Gabardine-Tuch gefertigt – ein für Offiziersgarnituren typisches Material. Offiziersuniformen wurden häufig maßgeschneidert oder von Herrenausstattern unter Verwendung hochwertiger Wollgabardine, Doeskin oder Whipcord hergestellt. Innen ist der Rock mit Seidenfutter versehen, was dem gehobenen Anspruch eines Offiziersexemplars entspricht.

Der Brustadler des 2. Modells für Offiziere ist per Hand vernäht, was die handwerkliche Qualität dieser Privatanfertigung unterstreicht. Die Kragenspiegel und die zum Einnähen bestimmten Schulterstücke zeigen die Waffenfarbe Hochrot, die für Flak- und Artillerieeinheiten der Luftwaffe steht. Die Rangabzeichen identifizieren den Träger als Hauptmann. Die Ränge der Luftwaffe wurden durch Möwenschwingen-Sterne auf den Kragenspiegeln, Unteroffiziers-Tresse entlang des Kragenrandes und heeresübliche Schulterstücke angezeigt.

Besonders aufschlussreich sind die am Rock angebrachten Ordensauszeichnungen. Im Knopfloch befinden sich die Bänder zum Eisernen Kreuz 1939 2. Klasse und zur Medaille Winterschlacht im Osten (1941/42). Auf der linken Brust ist eine Bandspange mit der Luftwaffen-Dienstauszeichnung und der Medaille zur Erinnerung an den 1. Oktober 1938 angebracht. Die Schlaufen für vier Steckabzeichen auf der linken Brust und die Schlaufen für ein Spanienkreuz oder Deutsches Kreuz auf der rechten Brust deuten auf einen Offizier hin, der über die Jahre mehrere Auszeichnungen erwarb. Die Medaille Winterschlacht im Osten lässt auf einen Einsatz an der Ostfront im Winter 1941/42 schließen.

Seitlich befindet sich ein Schlitz zum Tragen des Offiziersdolches – ein typisches Merkmal der Waffenröcke, das die zeremonielle Funktion dieser Uniform unterstreicht. Im Nackenbereich trägt der Rock ein Schneideretikett aus Münster. Diese Stadt war ein bedeutendes Zentrum der Luftwaffe: Unterhalb der Luftkreiskommandos wurden ab 1936 Luftgaukommandos gebildet. Im Juli 1938 erhielten die Befehlshaber im Luftgau die Befugnisse eines Kommandierenden Generals. Das Luftgaukommando VI hatte seinen Sitz in Münster.

Produktion und Verwendung nach 1940

Die Produktion und Ausgabe des Waffenrocks wurden 1940 eingestellt. Fortan wurde entweder die Dienstuniform oder die verzierte Offiziersuniform für festliche Anlässe getragen. Der Waffenrock blieb jedoch für diejenigen zum Ausgehen zugelassen, die ihn bereits besaßen oder privat erwerben konnten. Es war eine verbreitete, wenn auch nicht offiziell genehmigte Praxis, einem Soldaten einen Waffenrock aus Regimentsbeständen für die Hochzeit zu leihen – zahlreiche Hochzeitsfotos aus der Kriegszeit belegen dies. Da die Produktion 1940 eingestellt wurde und die Medaille Winterschlacht im Osten auf einen Dienst im Winter 1941/42 hindeutet, handelt es sich bei diesem Ensemble um ein nach 1940 privat beschafftes Stück, das weiterhin getragen wurde.

Die Flugabwehrartillerie in der Luftwaffe

Die Flakeinheiten, zu denen das Flakartillerie-Regiment 4 gehörte, bildeten einen wesentlichen Bestandteil der Luftwaffe. Nach der Überführung vom Heer im März 1935 wurden diese Einheiten sowohl für die Luftverteidigung der Heimat als auch in besetzten Gebieten und zur Unterstützung der Truppen im Operationsgebiet eingesetzt. Die grundlegende Luftwaffenuniform bestand aus einer graublau einreihigen, offenkragigen Jacke mit vier Taschen und Klappen, einem hellblauen Hemd mit dunkelblauen Schlips, graublauer Hose, schwarzen Lederstiefeln und einer graublau Schirmmütze.

Bedeutung für Sammler

Dieses Uniformensemble vereint mehrere Aspekte, die es für Sammler besonders wertvoll machen: die seltene Kombination aus Waffenrock und langer Hose, die identifizierbaren Ordensschlaufen und -bänder, die auf eine konkrete Dienstgeschichte hinweisen, sowie die Zuordnung zu einer spezifischen Einheit und einem bestimmten Rang. Die Tatsache, dass es sich um ein maßgeschneidertes Eigentumsstück eines Offiziers handelt, unterstreicht die Qualität der Verarbeitung – trotz der Beschädigungen am Seidenfutter und an den Brustschlaufen. Als greifbares Relikt der Luftwaffen-Flakartillerie bietet es einen einzigartigen Einblick in das Zusammenspiel von militärischer Hierarchie, persönlicher Auszeichnung und formeller Uniformtradition im Dritten Reich.