Preußen Attila für Mannschaften im Husaren-Regiment Königin Wilhelmina der Niederlande (Hannoversches) Nr. 15, 5. Eskadron 

Standort Wandsbek. Eigentumsstück um 1900. Attila in dunkelblauem Tuch mit weißer Verschnürung, vernickelte Knebel und Rosetten, die Schulterlitzen mit in Metall aufgelegten gekrönten Namenszügen, Knöpfe der 5. Eskadron. Auf dem rechten Ärmel die Winkel als Auszeichnung für gutes Lanzenfechten. Innen mit schwarzem Seidenfutter. Vorne auf der Brust ein Mottenloch, hinten am Kragen zwei kleine Mottenlöcher, am linken Ärmel eine kleine Reparatur. Zustand 2.

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Preußen Attila für Mannschaften im Husaren-Regiment Königin Wilhelmina der Niederlande (Hannoversches) Nr. 15, 5. Eskadron 

Die Attila des Husaren-Regiments Königin Wilhelmina der Niederlande (Hannoversches) Nr. 15 repräsentiert eine der charakteristischsten Uniformkomponenten der preußischen Kavallerie im späten Kaiserreich. Dieses spezifische Kleidungsstück, das um 1900 gefertigt wurde und der 5. Eskadron zugeordnet war, verkörpert nicht nur militärische Tradition, sondern auch die komplexen dynastischen Verbindungen zwischen Preußen und den Niederlanden.

Das Husaren-Regiment Nr. 15 hatte seine Wurzeln im ehemaligen Königreich Hannover. Nach der Annexion Hannovers durch Preußen im Jahr 1866 wurde das Regiment in die preußische Armee integriert. Im Jahr 1889 erhielt es den Ehrennamen “Königin Wilhelmina der Niederlande”, als die junge Prinzessin Wilhelmina (1880-1962) zur Königin der Niederlande wurde. Diese Ehrenbezeichnung unterstrich die dynastischen Beziehungen zwischen dem Haus Hannover und dem niederländischen Königshaus sowie die historischen Verbindungen zwischen den beiden Territorien. Das Regiment war in Wandsbek bei Hamburg stationiert, einem wichtigen Garnisonsstandort im norddeutschen Raum.

Die Attila selbst war die charakteristische Jacke der Husaren, benannt nach dem legendären Hunnenführer und eingeführt als Teil der orientalisch inspirierten Husarenuniform, die ihre Ursprünge in der ungarischen Militärtradition des 18. Jahrhunderts hatte. Die dunkelbaue Grundfarbe mit weißer Verschnürung entsprach den spezifischen Regimentsfarben des Husaren-Regiments Nr. 15. Die weiße Verschnürung – das komplexe System von Kordeln und Schnüren auf der Brust – war nicht nur dekorativ, sondern hatte ursprünglich auch einen praktischen Zweck: Sie sollte Säbelhiebe abwehren und die Brust des Reiters schützen.

Die vernickelten Knebel und Rosetten waren charakteristische Verschlusselemente der Husarenattila. Die Knebel – zylindrische oder olivenförmige Knöpfe – wurden durch Schnüre verbunden und ermöglichten ein schnelles An- und Ausziehen der eng anliegenden Jacke. Die Vernicklung dieser Metallteile war typisch für Mannschaftsuniformen, während Offiziere oft vergoldete oder versilberte Elemente trugen.

Besonders bedeutsam sind die Schulterlitzen mit den in Metall aufgelegten gekrönten Namenszügen. Diese zeigten das königliche Monogramm und die Krone, Symbole der Regimentsinhaberin Königin Wilhelmina. Die Knöpfe trugen die Nummer “5” und identifizierten damit eindeutig die 5. Eskadron des Regiments. Ein Husarenregiment bestand typischerweise aus vier bis sechs Eskadronen, jede mit etwa 150-200 Mann.

Von besonderem historischem Interesse ist der Winkel auf dem rechten Ärmel – eine Auszeichnung für gutes Lanzenfechten. Dies mag zunächst überraschen, da Husaren traditionell nicht als Lanzenreiter galten – diese Rolle füllten die Ulanen aus. Jedoch führte die preußische Armee im späten 19. Jahrhundert umfassende Trainingsstandards ein, die auch Husaren im Gebrauch verschiedener Waffen ausbildeten. Der Winkel als Schießabzeichen oder Leistungsauszeichnung war eine Form der Anerkennung militärischer Fähigkeiten und wurde sichtbar auf der Uniform getragen, um den Träger zu ehren und andere Soldaten anzuspornen.

Das schwarze Seidenfutter im Inneren der Attila war Standard bei Uniformjacken dieser Zeit und bot Komfort sowie Haltbarkeit. Die Verwendung von Seide, auch bei Mannschaftsuniformen, zeigt die relativ hohe Qualität der preußischen Militärbekleidung um 1900. Die Attila wurde über der Uniform getragen und war besonders für zeremonielle Anlässe, Paraden und den Ausgehanzug vorgesehen, während im Feld oft praktischere Kleidung getragen wurde.

Der Zustand des Objekts mit einigen Mottenlöchern und einer kleinen Reparatur ist typisch für über ein Jahrhundert alte Textilien. Diese Beschädigungen beeinträchtigen den historischen Wert kaum, sondern bezeugen vielmehr die authentische Nutzung und das Alter des Stücks. Die Klassifizierung als “Zustand 2” deutet auf ein gut erhaltenes Sammlerstück hin.

Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 behielten die preußischen Husarenregimenter ihre traditionellen Uniformen bei. Mit Kriegsbeginn wurden jedoch schnell praktischere Felduniformen in Feldgrau eingeführt, und die farbenprächtigen Attila wurden nur noch im Hinterland getragen. Nach der Auflösung der kaiserlichen Armee 1918/19 endete auch die Tradition der Husarenregimenter. Das Husaren-Regiment Nr. 15 wurde wie alle anderen Kavallerieeinheiten der preußischen Armee aufgelöst.

Heute sind solche Attila wichtige museale Objekte und begehrte Sammlerstücke, die nicht nur die militärische Geschichte dokumentieren, sondern auch Einblicke in Handwerkskunst, Textiltechnologie und die gesellschaftliche Bedeutung militärischer Tradition im Kaiserreich bieten.