Preussen Orden Pour le Mérite mit Verleihungsurkunde aus dem Besitz von Generalmajor Wilhelm von Groddeck

Orden Pour le Mérite in silbervergoldeter, probemäßiger Ausführung von 1918 in absolutem Bestzustand und ohne jegliche Beschädigung der Emaille. Das Ordenskreuz entspricht dem massiv geprägtem Typ, wie es von de durch die General-Ordenskommission beauftragen Berliner Firmen Wagner und Friedländer geliefert wurde. Der für diesen Typ charakteristische Prägefehler im Gefieder des Adlers der Vorderseite bei 4 Uhr ist bei beiden Herstellern nachweisbar, da sie sich die Prägewerkzeuge zur Anfertigung der höchsten Tapferkeitsauszeichnung in dieser Phase des Weltkrieges teilten. Im unteren Kreuzarm befindet sich die Feingehaltspunze "938" und im Bandring "800" Silber. Das Ordenskreuz ist komplett mit dem langen getragenen originalen Halstrageband, an den Enden mit Druckknöpfen konfektioniert. Nur leicht getragen, die original Vergoldung noch nahezu vollständig erhalten, Zustand 2.
Dazu die große Verleihungsurkunde zum Orden Pour le Mérite. Doppelseitiger Urkundenvordruck "Wir Wilhelm..."für den "Generalmajor Wilhelm von Groddeck, Kommandeur der 208. Infanteriedivision", ausgestellt "Großes Hauptquartier" am 9. April 1918 . Mit Blindprägesiegel und eigenhändiger Unterschrift von Kaiser Wilhelm II. Gelocht, Maße 21,3 x 33,1 cm, Zustand 2. 
Die Urkunde befindet sich in einem sehr schönen Glasrahmen altsilberner Holzleiste, die Urkunde in das Passepartout lose eingelegt (lässt sich problemlos herausnehmen).
Dazu 2 schöne Reprofotos des Generals, Erinnerungsanzeige zum Tod sowie in Fotokopie der Auszug aus "Geschichte der Ritter des Ordens "pour le mérite" im Weltkrieg.

Wilhelm von Groddeck, geboren in Schwetz, Westpreußen, am 28. April 1861, tritt 1881 als Fahnenjunker in das Feldartillerie Regiment 15 ein, dient danach als Regimentsadjutant im 34. FAR und wird 1896 in den Großen Generalstab kommandiert. 1904 ist er 1. Generalstabsoffizier des III. Armeekorps, später Chef der Kriegsgeschichtlichen Abteilung im Großen Generalstab und erhält 1912 (1913 als Oberst) das Kommando über das FAR 36 in Danzig.
Der im April 1915 zum Generalmajor beförderte Groddeck war nach der Mobilmachung zunächst Generalquartiermeister II im Osten und wurde nach kurzer Verwendung als Kommandeur der 21. Feldartilleriebrigade zum Oberquartiermeister der 4. Armee in Russisch-Polen ernannt.
Am 28. November 1916 ernennt ihn der Kaiser zum Kommandeur der im August neu aufgestellten 208. Infanterie Division, mit der er im November und Dezember 1917 in der Angriffsschlacht von Cambrai große Erfolge erzielt. Bei der großen Offensive im März 1918 durchbricht die 208. ID die feindlichen Stellungen nördlich von St. Quentin und erobert Pontru, Le Berguier und die südlichen Artilleriestellungen. Für diese Leistungen seiner Division und die dabei erbeuteten 23 Geschütze und fünf Tanks erhält Generalmajor von Groddeck von Kaiser Wilhelm am 9. April 1918 den Pour le Mérite verliehen.
Nach Kriegsende hilft Groddeck als Gouverneur von Thorn die Ostgrenze sichern, wird zunächst Kommandeur der 41. ID und schließlich Kommandeur der Reichswehr-Brigade 4 in Magdeburg. Wegen seiner Beteiligung am Kapp-Putsch (die ihn sicher auch um seine Beförderung zum Generalleutnant bringt) wird er im April 1920 verabschiedet, ein Verfahren wegen Hochverrats wird eingestellt. Generalmajor Wilhelm von Groddeck verstirbt am 6. März 1937 auf seinem Altersruhesitz in Wernigerode kurz nach der Vollendung seiner "Lebenserinnerungen" 75-jährig.

Der komplette Nachlass des Generalmajor von Groddeck wurde im Jahr 2016 beim Auktionshaus Hermann Historica München versteigert. Seitdem befand sich dieser Ordenssatz in einer bedeutenden deutschen Privatsammlung.

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Der Orden Pour le Mérite – Preußens höchste militärische Tapferkeitsauszeichnung

Der hier vorliegende Orden Pour le Mérite, verliehen an Generalmajor Wilhelm von Groddeck am 9. April 1918, gehört zu den bedeutendsten militärischen Auszeichnungen der europäischen Geschichte. Als höchste preußische Tapferkeitsauszeichnung für Offiziere aller Dienstgrade verkörpert dieses Ordenskreuz ein Stück Militärgeschichte, das von der Ära Friedrichs des Großen bis zum Ende der preußischen Monarchie im November 1918 reicht.

Ursprung und Geschichte des Ordens

Der Pour le Mérite wurde im Jahr 1740 von König Friedrich II. von Preußen gestiftet. Sein Name wurde in französischer Sprache gewählt, da Französisch zu jener Zeit die führende internationale Sprache und die bevorzugte Sprache am Hofe Friedrichs war. Bemerkenswert ist, dass der französische Name trotz des aufkommenden Nationalismus und der zunehmenden Feindschaft zwischen Frankreich und Deutschland im 19. Jahrhundert beibehalten wurde. Der Orden wurde in zwei Klassen unterteilt, die jeweils eigene Gestaltungen aufwiesen: eine militärische und eine zivile Klasse. Das Großkreuz wurde lediglich an fünf Empfänger verliehen. Die Eichenblätter kamen im Ersten Weltkrieg zum Einsatz, um anzuzeigen, dass ein Empfänger den Pour le Mérite ein zweites oder weiteres Mal erhalten hatte. Insgesamt sind 147 Verleihungen mit Krone dokumentiert, die als Anerkennung zum 50-jährigen Jubiläum dienten.

Verleihungskriterien und Bedeutung

Der Pour le Mérite war Preußens höchste militärische Auszeichnung und wurde nicht für einzelne Taten, sondern für wiederholte und andauernde Tapferkeit verliehen. Er stellte eine Anerkennung außergewöhnlicher persönlicher Leistung dar, nicht lediglich einen allgemeinen Marker sozialen Status oder eine Höflichkeitsehrung, wenngleich bestimmte Einschränkungen hinsichtlich sozialer Klasse und militärischem Rang galten. Im Unterschied zur amerikanischen Medal of Honor oder dem englischen Victoria Cross musste der Empfänger des Pour le Mérite unter den Lebenden sein – eine posthume Verleihung fand nicht statt. Seit der Gründung erhielten insgesamt 5.430 Personen diese Auszeichnung.

Die Herstellung im Ersten Weltkrieg

Die physische Erscheinung des Ordens ist ein blau emailliertes Malteserkreuz mit goldenen Adlern zwischen den Kreuzarmen, basierend auf dem Symbol des Johanniterordens. Der preußische königliche Namenszug und die Worte “Pour le Mérite” (“Für das Verdienst”) sind in goldenen Buchstaben auf dem Kreuzbalken angebracht. Getragen wird der Orden an einem 2¼ Zoll breiten schwarz-weiß gestreiften Band, wobei die weißen Streifen mit Silberfäden durchwebt sind.

Aufgrund der durch den Krieg bedingten Goldknappheit und steigender Herstellungskosten erwog die General-Ordenskommission im Frühherbst 1916, von Gold auf vergoldetes Silber als Grundmaterial für Ordensinsignien umzusteigen. Am 10. Oktober 1916 ordnete die General-Ordenskommission an, dass goldbasierte Auszeichnungen nur noch aus vergoldetem Silber mit einem Silbergehalt von 938/1000 gefertigt werden durften. Ab Ende November 1916 wurden Kreuze aus 938er Feinsilber hergestellt und mit der Feingehaltspunze “938” (oder “937”) versehen.

Offiziell verliehene Pour le Mérite-Orden im Ersten Weltkrieg wurden von den Berliner Firmen Wagner, Friedländer oder Godet hergestellt. Das vorliegende Ordenskreuz entspricht dem massiv geprägten Typ der zweiten Kriegshälfte und zeigt die charakteristische Punzierung: “938” im unteren Kreuzarm für den Silbergehalt des Kreuzkörpers und “800” am Bandring. Ein für die Hersteller Wagner und Friedländer charakteristischer Prägefehler im Gefieder des Adlers bei 4 Uhr ist nachweisbar – beide Firmen teilten sich in dieser Phase des Weltkrieges die Prägewerkzeuge zur Anfertigung dieser höchsten Tapferkeitsauszeichnung.

Der Beliehene: Generalmajor Wilhelm von Groddeck

Wilhelm von Groddeck wurde am 28. April 1861 in Schwetz, Westpreußen, geboren. Er erhielt den Pour le Mérite am 9. April 1918 als Kommandeur der 208. Infanterie-Division. Die begleitende Verleihungsurkunde, ausgestellt im Großen Hauptquartier, trägt die eigenhändige Unterschrift von Kaiser Wilhelm II. sowie ein Blindprägesiegel. Groddeck verstarb am 6. März 1937.

Berühmte Empfänger und historisches Vermächtnis

Zu den berühmtesten Empfängern des Pour le Mérite zählt der Fliegerass Manfred von Richthofen, bekannt als der “Rote Baron”. Auch Fedor von Bock erhielt 1918 den Orden für seine Leistungen bei der Führung seines Bataillons an der Somme und bei Cambrai. Der deutsche Autor Ernst Jünger, der 1998 verstarb, war der letzte lebende Empfänger der militärischen Klasse.

Mit dem Ende der preußischen Monarchie im November 1918 endeten die Neuverleihungen der militärischen Klasse. Die drei verschiedenen Firmen, die von 1914 bis 1918 mit der Herstellung beauftragt waren, verwendeten dieselben Prägestempel noch in den 1920er Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1952 die zivile Klasse des Pour le Mérite neu gestiftet – diese Ausprägung des Ordens besteht bis heute fort.

Das vorliegende Ensemble aus Ordenskreuz und Verleihungsurkunde stellt eine bedeutende historische Einheit dar, die den direkten Bezug zwischen Auszeichnung und Beliehenen dokumentiert und damit für Sammler und Historiker gleichermaßen von außerordentlichem Wert ist.

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