Schnalle eines Preußischen Landwehr Offiziers des Frankreichfeldzugs 1870/71

4 Auszeichnungen: Eisernes Kreuz 1870 Fertigung der Fa. Steinhauer & Lück um 1890. Landwehr Dienstauszeichnung Kreuz für XX Jahre die Medaillons in Gold. Kriegsdenkmünze für Kämpfer 1870/71 und Königgrätz Kreuz 1866, beides Schnallenstücke. Deutlich getragen, Zustand 2-.
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Schnalle eines Preußischen Landwehr Offiziers des Frankreichfeldzugs 1870/71

Die vorliegende Schnalle eines preußischen Landwehr-Offiziers vereint vier bedeutende militärische Auszeichnungen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und bietet ein eindrucksvolles Zeugnis der militärischen Karriere eines Offiziers, der an den deutschen Einigungskriegen teilgenommen hat.

Das Eiserne Kreuz von 1870, gefertigt von der renommierten Firma Steinhauer & Lück um 1890, steht im Zentrum dieser Ordensschnalle. Das Eiserne Kreuz wurde am 19. Juli 1870 von König Wilhelm I. von Preußen gestiftet und knüpfte an die Tradition der Stiftung von 1813 während der Befreiungskriege an. Die Firma Steinhauer & Lück aus Lüdenscheid gehörte zu den führenden Herstellern militärischer Auszeichnungen im Deutschen Kaiserreich und zeichnete sich durch qualitativ hochwertige Fertigung aus. Die Produktion um 1890 deutet darauf hin, dass es sich um eine spätere Ersatzfertigung oder eine nachträgliche Zusammenstellung der Ordensspange handelt.

Die Landwehr-Dienstauszeichnung für 20 Jahre mit goldenen Medaillons dokumentiert die lange Dienstzeit des Trägers in der preußischen Landwehr. Die Landwehr bildete die zweite Linie der preußischen Streitkräfte und bestand aus bereits gedienten Soldaten im Alter von 27 bis 39 Jahren. Offiziere der Landwehr spielten eine entscheidende Rolle bei der Mobilmachung und Führung dieser Reserveverbände. Die Verleihung der Auszeichnung mit goldenen Medaillons unterstreicht den Offiziersrang des Trägers und seine außergewöhnlich lange Dienstzeit, die weit über die normale Verpflichtungszeit hinausging.

Die Kriegsdenkmünze für Kämpfer 1870/71 wurde allen Teilnehmern des Deutsch-Französischen Krieges verliehen. Dieser Krieg, der vom 19. Juli 1870 bis zum 10. Mai 1871 dauerte, führte zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs und zur endgültigen Einigung Deutschlands unter preußischer Führung. Die Kriegsdenkmünze wurde durch Allerhöchste Kabinetts-Order vom 20. Mai 1871 gestiftet und an alle Kombattanten ausgegeben, die am Feldzug teilgenommen hatten. Sie bestand aus Bronze für Kämpfer und aus Stahl für Nichtkombattanten.

Das Königgrätz-Kreuz von 1866 erinnert an die Teilnahme am Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich. Die Schlacht bei Königgrätz (Hradec Králové) am 3. Juli 1866 war die entscheidende Schlacht dieses Krieges und markierte den Beginn der preußischen Vorherrschaft in Deutschland. Das Kreuz wurde am 20. September 1866 durch König Wilhelm I. gestiftet und an alle preußischen Soldaten verliehen, die an den Kämpfen von 1866 teilgenommen hatten. Die Anwesenheit dieser Auszeichnung auf der Schnalle belegt, dass der Träger sowohl 1866 als auch 1870/71 im Feld stand.

Die Kombination dieser vier Auszeichnungen zeichnet das Bild eines erfahrenen Offiziers, der seine militärische Laufbahn möglicherweise als junger Offizier oder Fähnrich im Jahr 1866 begann und sie bis mindestens 1890 fortsetzte. Die beiden Schnallenstücke der Kampfauszeichnungen zeigen, dass der Träger an den beiden entscheidenden Kriegen teilnahm, die zur deutschen Einigung führten. Die lange Dienstzeit von mindestens 20 Jahren in der Landwehr deutet auf eine tiefe Verbundenheit mit dem Militärwesen hin.

Der angegebene Zustand 2- (deutlich getragen) ist für solche Ordensspangen nicht ungewöhnlich und unterstreicht sogar ihre Authentizität. Offiziere trugen ihre Auszeichnungen bei zahlreichen offiziellen Anlässen, Paraden, Gedenkveranstaltungen und gesellschaftlichen Ereignissen. Die Abnutzungsspuren sind somit Zeugnis der aktiven Verwendung über viele Jahre oder Jahrzehnte hinweg.

Im Kontext der preußisch-deutschen Militärgeschichte repräsentiert diese Ordensspange eine Epoche grundlegender Veränderungen. Die Kriege von 1866 und 1870/71 schufen nicht nur das Deutsche Kaiserreich, sondern etablierten auch Preußen als dominierende Militärmacht Kontinentaleuropas. Die Landwehr-Offiziere spielten dabei eine wichtige Rolle, da sie das Bindeglied zwischen der stehenden Armee und der Zivilbevölkerung darstellten und im Mobilmachungsfall für die schnelle Aufstellung kampffähiger Verbände verantwortlich waren.

Solche Ordensspangen sind heute wichtige historische Dokumente, die individuelle Militärkarrieren dokumentieren und Einblick in das Auszeichnungswesen des Deutschen Kaiserreichs geben. Sie verbinden persönliche Schicksale mit den großen historischen Ereignissen ihrer Zeit und sind unersetzliche Zeugnisse der deutschen Militärgeschichte des 19. Jahrhunderts.