Sozialismus - Arbeiter-Turn- u. Sportbund ( ATuSB ) - Mitgliedsabzeichen 5. Form

an langer Nadel, Zustand 2.
422660
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Sozialismus - Arbeiter-Turn- u. Sportbund ( ATuSB ) - Mitgliedsabzeichen 5. Form

Das Mitgliedsabzeichen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes (ATuSB) in seiner 5. Form repräsentiert ein bedeutendes Kapitel der deutschen Arbeitersportbewegung während der Weimarer Republik. Diese Abzeichen waren nicht nur einfache Erkennungszeichen, sondern symbolisierten die enge Verbindung zwischen der sozialistischen Arbeiterbewegung und dem Sport als Mittel zur körperlichen Ertüchtigung und sozialen Emanzipation.

Der Arbeiter-Turn- und Sportbund wurde 1893 als Arbeiter-Turnerbund (ATB) gegründet und entwickelte sich zu einer der größten Arbeitersportorganisationen in Deutschland. Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die Organisation einen enormen Aufschwung. Im Jahr 1919 erfolgte die Umbenennung in Arbeiter-Turn- und Sportbund, um der erweiterten sportlichen Ausrichtung Rechnung zu tragen. Während der 1920er Jahre wuchs die Mitgliederzahl kontinuierlich und erreichte ihren Höhepunkt mit über 1,2 Millionen Mitgliedern in mehr als 7.000 Vereinen.

Die verschiedenen Formen der Mitgliedsabzeichen spiegelten die organisatorische Entwicklung und die veränderten politischen Rahmenbedingungen wider. Die 5. Form des Abzeichens entstand in den späten Jahren der Weimarer Republik, wahrscheinlich zwischen 1928 und 1933. Diese Abzeichen wurden typischerweise an langen Nadeln getragen, was das vorliegende Exemplar bestätigt, und konnten an der Kleidung befestigt werden, besonders bei Sportveranstaltungen, Wettkämpfen und politischen Versammlungen.

Die ideologische Ausrichtung des ATuSB war fest im sozialistischen Milieu verankert. Im Gegensatz zu den bürgerlichen Turnvereinen, die oft nationalistisch geprägt waren, verstand sich der ATuSB als Teil der internationalen Arbeiterbewegung. Die Organisation war der Sozialistischen Arbeitersport-Internationale angeschlossen und pflegte enge Kontakte zu ähnlichen Organisationen in anderen europäischen Ländern. Sport wurde hier nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern als Mittel zur Stärkung der Arbeiterkraft, zur Gesundheitsförderung und zur Entwicklung des Klassenbewusstseins.

Die Mitgliedsabzeichen des ATuSB waren sorgfältig gestaltet und enthielten typischerweise sozialistische Symbolik. Häufige Motive waren geballte Fäuste, aufgehende Sonnen, Sterne oder stilisierte Turner in Aktion. Die Farbgebung war oft in Rot gehalten, der traditionellen Farbe der Arbeiterbewegung. Die Abzeichen wurden in verschiedenen Qualitätsstufen hergestellt, von einfachen Blechprägungen bis zu emaillierten Ausführungen für langjährige oder verdiente Mitglieder.

Die Träger dieser Abzeichen waren stolz auf ihre Zugehörigkeit zu einer Organisation, die mehr als nur Sport bot. Der ATuSB organisierte neben Turn- und Sportveranstaltungen auch kulturelle Aktivitäten, Bildungsveranstaltungen und Ausflüge. Die Organisation unterhielt eigene Sportstätten, Turnhallen und sogar Erholungsheime. Sie gab Zeitschriften heraus und entwickelte eigene pädagogische Konzepte für die körperliche Erziehung.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 endete die Geschichte des ATuSB abrupt. Als Teil der Gleichschaltung wurden alle Arbeitersportorganisationen verboten, ihr Vermögen beschlagnahmt und ihre Funktionäre verfolgt. Viele Mitglieder des ATuSB leisteten später Widerstand gegen das NS-Regime oder mussten emigrieren. Die Sportstätten und das gesamte Organisationsvermögen wurden dem Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen übertragen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in beiden deutschen Staaten Versuche unternommen, an die Traditionen der Arbeitersportbewegung anzuknüpfen. In der DDR wurde die sozialistische Sporttradition in das staatliche Sportsystem integriert, während in der Bundesrepublik verschiedene Arbeitersportvereine neu gegründet wurden, allerdings nie mehr die Bedeutung der Weimarer Zeit erreichten.

Heute sind Mitgliedsabzeichen des ATuSB gesuchte Sammlerstücke, die ein wichtiges Zeugnis der deutschen Sozial- und Sportgeschichte darstellen. Sie erinnern an eine Zeit, in der Sport und Politik, körperliche Ertüchtigung und soziale Emanzipation untrennbar miteinander verbunden waren. Die 5. Form des Abzeichens steht dabei für die letzte Phase einer bedeutenden Organisation, bevor sie der nationalsozialistischen Diktatur zum Opfer fiel.