Südwestafrika Denkmünze für Kämpfer
Die Südwestafrika-Denkmünze für Kämpfer, offiziell als Denkmünze an den südwestafrikanischen Aufstand 1904–06 bezeichnet, stellt eines der bedeutendsten dokumentarischen Artefakte der deutschen Kolonialgeschichte in Afrika dar. Kaiser Wilhelm II. stiftete diese Auszeichnung am 19. März 1907 in seiner Funktion als Deutscher Kaiser zur Erinnerung an die Niederschlagung der Aufstände in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia.
Die Medaille wurde in zwei Klassen ausgegeben: Die bronzene Medaille für Kämpfer trug die Inschrift “DEN SIEGREICHEN STREITERN” und war mit gekreuzten Schwertern verziert, während die stählerne Version für Nichtkämpfer die Inschrift “VERDIENST UM DIE EXPEDITION” und einen Lorbeerzweig anstelle der Schwerter aufwies. Die hier beschriebene Kämpferversion aus vergoldetem Buntmetall gehört zur höheren Klasse dieser Auszeichnung.
Die Prägematrizen wurden von Otto Schultz (1848-1911) geschaffen, einem renommierten deutschen Medailleur und Graveur der Berliner Münze. Originalausgaben tragen seine Signatur “SCHULTZ” am Halsabschnitt der Vorderseite, während später ausgegebene Ersatzstücke diese Signatur nicht aufweisen. Die Vorderseite zeigt einen nach links gerichteten Kopf der Germania mit geflügeltem Helm sowie die gebogene Inschrift “SUEDWEST AFRIKA” links und “1904-06” rechts unten. Die Rückseite zeigt im Zentrum die Kaiserkrone über der gekrönten Initiale “W II” für Wilhelm II., darunter zwei gekreuzte Schwerter und die kreisförmige Inschrift “DEN SIEGREICHEN STREITERN”.
Die bronzene Version wurde allen Offizieren, Soldaten, Marineoffizieren, Zivilbeamten, Ordonnanz- und Pyrotechnikoffizieren verliehen, die nach Südwestafrika entsandt wurden oder bereits beim Ausbruch der Feindseligkeiten dort stationiert waren. Auch andere Personen, die mit Waffen die Niederschlagung unterstützten, konnten die Auszeichnung erhalten, darunter Ausländer, insbesondere Buren, sowie Angehörige freiwilliger medizinischer Dienste und Feldpostbeamte. Die Verleihungsberechtigung erstreckte sich vom Januar 1904 bis zum 31. März 1907 und wurde 1908 auf Teilnehmer der Kalahari-Expedition ausgeweitet. Voraussetzung war eine “vorwurfsfreie Teilnahme” am Feldzug gegen die aufständischen indigenen Völker.
Ein besonderes Merkmal der Auszeichnung waren die bis zu 16 autorisierten Gefechtsschnallen, die am Band befestigt werden konnten. Diese wurden an den Daten 19. März 1907, 11. November 1908 und 5. August 1912 autorisiert und umfassten unter anderem: HEREROLAND, OMARURU, ONGANJIRA, WATERBERG, OMAHEKE, GROSS-NAMALAND, FAHLGRAS, TOASIS, KARAS-BERGE, GROSS-NABAS, AUOB, NURUDAS, NOSSOB, ORANJE, KALAHARI 1907 und KALAHARI 1908. Diese vergoldeten Messingschnallen maßen 33 mm × 7 mm und wurden mittels Splints am Band befestigt, bei mehrfacher Verleihung in chronologischer Reihenfolge.
Die Medaille wurde am Band in den kaiserlich-deutschen Farben Schwarz-Weiß-Rot getragen. Sie blieb namenlos, wurde jedoch von einer vom Kaiser unterzeichneten Urkunde begleitet. Zu den dokumentierten Empfängern gehörte Major F.A.H. Elliot, Kommandeur der Cape Mounted Police, der die Medaille 1909 für Operationen in der Kalahari erhielt und zusätzlich mit dem Preußischen Kronenorden 2. Klasse und dem Distinguished Service Order ausgezeichnet wurde. Kapitän zur See Max Grapow ist ein weiterer dokumentierter Träger mit einer von Wilhelm II. persönlich unterzeichneten Verleihungsurkunde. Bemerkenswert ist, dass 105 Angehörige der Cape Colonial Forces (Südafrika) die Medaille im Januar 1909 für die Kalahari-Kampagne gegen Marengo erhielten.
Die historische Einordnung der Medaille ist heute untrennbar mit der Anerkennung verbunden, dass die Operationen in Deutsch-Südwestafrika genozidalen Charakter gegen die Herero und Nama hatten. Der Herero-Aufstand begann im Januar 1904 gegen die deutsche Kolonialverwaltung, gefolgt vom Nama-Aufstand später im selben Jahr. Die deutschen Schutztruppen, verstärkt durch Expeditionskontingente aus dem Heimatland unter Führung von Kommandeuren wie Major Theodor Leutwein und Generalleutnant Lothar von Trotha, schlugen die Aufstände nieder. Nach dem Ersten Weltkrieg entfernten südafrikanische Träger die Medaille aus der öffentlichen zur Schaustellung, da sie eine deutsche Auszeichnung war und Südafrika auf Seiten der Alliierten stand. Die Medaille erschien über viele Jahre nicht mehr im südafrikanischen Militärgebrauch. Heute wird sie in Museumssammlungen aufbewahrt, darunter im Deutschen Historischen Museum in Berlin, wo sie im Kontext der deutschen Kolonialgeschichte und des Völkermords an den Herero und Nama studiert wird.