Wehrmacht Heer Fotogruppe, Soldat mit eingenähten Ordensband für das Eisernen Kreuz 1914 2. Klasse
Die vorliegende Fotogruppe zeigt einen Soldaten der Wehrmacht Heer mit einem besonderen Detail seiner Uniform: einem eingenähten Ordensband des Eisernen Kreuzes 1914 2. Klasse. Diese Fotografien, in Postkartengröße, dokumentieren ein faszinierendes Phänomen der deutschen Militärgeschichte zwischen den beiden Weltkriegen und während des Zweiten Weltkriegs.
Das Eiserne Kreuz wurde 1813 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. während der Befreiungskriege gestiftet und in den folgenden deutschen Kriegen erneuert. Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) wurde es in großem Umfang verliehen, wobei die 2. Klasse die häufigste Stufe darstellte. Etwa fünf Millionen Eiserne Kreuze 2. Klasse wurden während des Ersten Weltkriegs verliehen, was diese Auszeichnung zu einer der am weitesten verbreiteten deutschen Tapferkeitsauszeichnungen machte.
Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde am Band getragen, das durch das zweite Knopfloch der Uniformjacke gezogen wurde. Nach einer gewissen Tragezeit war es jedoch üblich, nur noch das schwarz-weiße Band zu tragen, während die eigentliche Ordenskreuz-Dekoration für besondere Anlässe aufbewahrt wurde. Dieses Band bestand aus den preußischen Farben Schwarz und Weiß und war etwa einen Zentimeter breit.
Die Besonderheit dieser Fotografien liegt in der Tatsache, dass der abgebildete Soldat während der Wehrmacht-Zeit (1935-1945) das Band einer Auszeichnung aus dem Ersten Weltkrieg trägt. Nach den Uniformvorschriften der Wehrmacht vom 4. Juli 1935 war es ausdrücklich gestattet, frühere kaiserliche Auszeichnungen auch auf der neuen Wehrmacht-Uniform zu tragen. Dies galt besonders für das Eiserne Kreuz, das 1939 von Adolf Hitler für den Zweiten Weltkrieg erneuert wurde.
Veteranen des Ersten Weltkriegs, die in die Wehrmacht eintraten oder reaktiviert wurden, durften ihre alten Auszeichnungen weiterhin tragen. Dies war nicht nur eine Frage des militärischen Stolzes, sondern auch ein praktisches Zeichen der Kampferfahrung. Die sichtbare Präsenz des 1914er Ordensbandes signalisierte Kameraden und Vorgesetzten, dass dieser Soldat bereits Fronterfahrung aus dem vorherigen Konflikt besaß.
Um die Auszeichnungen aus verschiedenen Epochen zu unterscheiden, wurde 1939 eine Spange eingeführt. Träger des Eisernen Kreuzes von 1914, die die gleiche Auszeichnung im Zweiten Weltkrieg erneut erwarben, erhielten eine Spange mit der Jahreszahl “1939”, die auf dem Band befestigt wurde. Dies ermöglichte es, zwischen der ursprünglichen Verleihung und der Wiederverleihung zu unterscheiden.
Fotografien wie diese waren während der Kriegszeit von großer Bedeutung. Sie dienten als persönliche Erinnerungen für die Soldaten selbst und als wichtige Verbindung zu ihren Familien in der Heimat. Die Postkartenformat-Größe war besonders praktisch, da diese Bilder leicht verschickt werden konnten. Viele Soldaten ließen sich bei professionellen Fotografen in Uniform ablichten, oft kurz nach dem Erhalt einer Auszeichnung oder vor der Abreise an die Front.
Die Uniformfotografie entwickelte sich zu einem eigenen Genre der Militärfotografie. Studios in Garnisonstädten und nahe militärischen Einrichtungen spezialisierten sich auf solche Porträts. Die Fotos zeigten die Soldaten meist in ihrer besten Uniform, mit allen sichtbaren Auszeichnungen und Abzeichen, was den militärischen Stolz und die persönliche Ehre widerspiegelte.
Das Tragen von Auszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg in der Wehrmacht-Zeit war jedoch nicht nur eine Frage der Ehre. Es reflektierte auch die demographische Realität der deutschen Streitkräfte, besonders in den späteren Kriegsjahren. Viele ältere Jahrgänge wurden eingezogen oder reaktiviert, Männer, die bereits im Ersten Weltkrieg gekämpft hatten. Ihre Erfahrung war wertvoll, besonders in Führungspositionen oder in Spezialeinheiten.
Die Erhaltung solcher Fotografien bietet heute wichtige Einblicke in die Sozialgeschichte des deutschen Militärs. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformen und Auszeichnungen, sondern auch die Gesichter und Persönlichkeiten der Männer, die diese Uniformen trugen. Jedes solche Foto erzählt eine individuelle Geschichte innerhalb des größeren historischen Kontexts.
Der Zustand dieser Fotogruppe (2-) deutet auf eine gute Erhaltung hin, mit möglicherweise geringen Gebrauchsspuren. Dies ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass solche persönlichen Gegenstände oft schwierige Umstände überdauert haben – Kriegswirren, Evakuierungen, und die vielen Jahrzehnte seit ihrer Entstehung.