Wehrpaß für einen späteren Obergefreiten zuletzt bei Feldstrafgefangenen-Abteilung 14

ausgestellt am 05.08.1939, mit Foto, als Wehrpflichtiger gemustert, bei mehreren Landeschützen Einheiten, zuletzt Feldstraf. Gefangenen Abt. 14. Mitgemachte Gefechte : Stellungskämpfe Heeresgruppe Mitte, 1944 Abwehrschlacht bei Newel. Ohne Auszeichnungen. Zustand 2-
 
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Wehrpaß für einen späteren Obergefreiten zuletzt bei Feldstrafgefangenen-Abteilung 14

Der Wehrpass war während des Zweiten Weltkriegs das wichtigste militärische Identitäts- und Dienstdokument eines jeden deutschen Soldaten. Dieses spezielle Exemplar, ausgestellt am 5. August 1939, dokumentiert den Militärdienst eines Mannes, der als Wehrpflichtiger gemustert wurde und schließlich den Rang eines Obergefreiten erreichte. Seine Dienstzeit endete bei der Feldstraf-Gefangenen-Abteilung 14, einer militärischen Strafeinheit, was auf disziplinarische Probleme während seiner Dienstzeit hindeutet.

Die Ausstellung des Wehrpasses nur vier Wochen vor Kriegsausbruch am 1. September 1939 zeigt, dass dieser Soldat zu den letzten Einberufungen vor Beginn des Krieges gehörte. Der Wehrpass enthielt umfassende Informationen über den Träger: persönliche Daten, ein Lichtbild, Einberufungsdaten, durchlaufene Einheiten, Beförderungen, Auszeichnungen, Verwundungen und militärische Ausbildung. Diese Dokumente wurden nach den Bestimmungen des Wehrgesetzes von 1935 geführt und waren für jeden wehrpflichtigen deutschen Mann obligatorisch.

Der Soldat diente zunächst bei mehreren Landesschützen-Einheiten. Diese Verbände wurden vorwiegend aus älteren Jahrgängen oder nur bedingt feldverwendungsfähigen Soldaten gebildet und hauptsächlich für Besatzungs-, Wach- und Sicherungsaufgaben im rückwärtigen Gebiet eingesetzt. Landesschützen-Bataillone übernahmen die Bewachung wichtiger militärischer Einrichtungen, Kriegsgefangenenlager, Nachschubwege und führten Partisanenbekämpfung durch.

Seine Kampferfahrung umfasste Stellungskämpfe bei der Heeresgruppe Mitte, einer der drei großen Heeresgruppen während des Unternehmens Barbarossa, dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion ab Juni 1941. Die Heeresgruppe Mitte operierte im zentralen Abschnitt der Ostfront und erlitt besonders ab 1943 schwere Verluste. Die Stellungskämpfe waren durch monate- und jahrelange Grabenkriegsführung unter extremen Bedingungen gekennzeichnet.

Ein besonders herausragendes Ereignis war seine Teilnahme an der Abwehrschlacht bei Newel im Jahr 1944. Newel war eine Stadt im Gebiet zwischen Weißrussland und Russland, die mehrfach umkämpft wurde. Die deutschen Verteidigungsoperationen in diesem Raum fanden im Rahmen der sowjetischen Großoffensiven statt, die die Heeresgruppe Mitte systematisch zurückdrängten. Diese Kämpfe waren von äußerster Härte und hohen Verlusten auf beiden Seiten geprägt.

Das Fehlen jeglicher Auszeichnungen ist bemerkenswert. Normalerweise erhielten Soldaten, die an Frontabschnitten wie der Heeresgruppe Mitte dienten und an Abwehrschlachten teilnahmen, zumindest grundlegende Auszeichnungen wie das Eiserne Kreuz II. Klasse, die Ostmedaille (umgangssprachlich “Gefrierfleischorden”) oder das Verwundetenabzeichen. Das vollständige Fehlen von Auszeichnungen könnte auf disziplinarische Probleme hinweisen, die später zu seiner Versetzung in eine Strafeinheit führten.

Die Feldstraf-Gefangenen-Abteilung 14 gehörte zum System der militärischen Strafjustiz der Wehrmacht. Soldaten, die wegen verschiedener Vergehen verurteilt wurden – von Desertion über Befehlsverweigerung bis hin zu Diebstahl oder anderen Delikten – wurden in solchen Einheiten zusammengefasst. Diese Einheiten führten meist gefährliche Arbeiten in Frontnähe aus, wie Minenräumung, Stellungsbau oder Bergung unter Beschuss. Die Sterblichkeitsrate in solchen Einheiten war deutlich höher als bei regulären Truppenteilen.

Der Zustand des Dokuments wird mit “2-” bewertet, was nach gängigen Sammlerbewertungen einen guten bis sehr guten Erhaltungszustand mit leichten Gebrauchsspuren bedeutet. Solche Dokumente sind wichtige zeitgeschichtliche Quellen, die individuelle Schicksale dokumentieren und Einblick in die militärische Organisation, das Dienstlaufsystem und die Realität des Kriegsdienstes geben.

Wehrmachtakten und -dokumente wie dieser Wehrpass sind heute bedeutende Forschungsquellen für Militärhistoriker und Genealogen. Sie ermöglichen die Rekonstruktion individueller Dienstverläufe und tragen zum Verständnis der Organisationsstruktur der Wehrmacht sowie der persönlichen Erfahrungen einfacher Soldaten bei.

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