Ehrenchronik unserer Gemeinde / Weltkrig 1914 - 1918

Leinengebundenes Buch zur Geschichte einer Gemeinde während des Krieges zu erstellen inden Jahren nach dem Krieg ca 1937 mit politischem Hintergrund.
Beiliegend Fragebögen an die Kriegsteilnehmern, Grossformatiges Buch.
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300,00

Ehrenchronik unserer Gemeinde / Weltkrig 1914 - 1918

Die Ehrenchronik unserer Gemeinde / Weltkrieg 1914-1918 repräsentiert einen bedeutenden Typus von Gedenkpublikationen, die in den Jahrzehnten nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland und Österreich erstellt wurden. Diese gebundenen Werke dienten sowohl als historische Dokumentation als auch als Mittel zur Ehrung gefallener und überlebender Soldaten auf kommunaler Ebene.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs im November 1918 herrschte in vielen deutschen Gemeinden das Bedürfnis, die Kriegserfahrungen der lokalen Bevölkerung festzuhalten. Diese Gemeindechroniken entstanden typischerweise in zwei Phasen: unmittelbar nach Kriegsende in den frühen 1920er Jahren und verstärkt nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933, besonders um das Jahr 1937, als das vorliegende Exemplar vermutlich entstand.

Die politische Dimension solcher Chroniken änderte sich dramatisch mit dem Regimewechsel 1933. Während Publikationen aus der Weimarer Republik (1919-1933) oft einen versöhnlichen oder trauerbetonten Charakter hatten, wurden Gemeindechroniken ab Mitte der 1930er Jahre zunehmend im Sinne der NS-Ideologie interpretiert. Die Datierung auf etwa 1937 deutet auf den verstärkten Einfluss der nationalsozialistischen Geschichtspolitik hin, die den Ersten Weltkrieg als heroisches Opfer umzudeuten versuchte.

Das leinengebundene Format war Standard für offizielle Gemeindedokumente dieser Art. Die Großformate ermöglichten die Aufnahme von umfangreichem Material: Namenslisten, Fotografien, Dokumente und die erwähnten Fragebögen. Diese Fragebögen an Kriegsteilnehmer waren ein wesentliches Element der Datensammlung. Gemeinden versandten diese Formulare an überlebende Veteranen und deren Familien, um detaillierte Informationen über Dienstzeit, Einheiten, Schlachten, Verwundungen und Auszeichnungen zu erhalten.

Die typischen Inhalte solcher Ehrenchroniken umfassten: Auflistungen aller Kriegsteilnehmer aus der Gemeinde, organisiert nach Geburtsjahr oder alphabetisch; Gedenkseiten für Gefallene mit Sterbeort und -datum; Abschriften von Feldpostbriefen; Fotografien in Uniform; Dokumente wie Orden und Auszeichnungen; sowie historische Darstellungen der lokalen Mobilmachung im August 1914.

Die Erstellung dieser Chroniken war oft ein mehrjähriger Prozess. Gemeindeverwaltungen, häufig unterstützt durch lokale Kriegervereine oder Veteranenverbände, sammelten systematisch Material. In der NS-Zeit wurde dieser Prozess teilweise durch den Reichskriegerbund und andere gleichgeschaltete Organisationen koordiniert. Die Fragebögen folgten standardisierten Mustern, die reichsweit verbreitet wurden.

Aus historischer Sicht sind diese Chroniken heute wertvolle Quellen für die Regional- und Sozialgeschichte des Ersten Weltkriegs. Sie dokumentieren die Kriegserfahrung auf der untersten administrativen Ebene und ermöglichen Einblicke in die Zusammensetzung militärischer Einheiten, Verluststatistiken und die soziale Struktur ländlicher und städtischer Gemeinden. Die Fragebögen enthalten oft biographische Details, die in keiner anderen Quelle überliefert sind.

Gleichzeitig muss die politische Instrumentalisierung berücksichtigt werden. Chroniken aus der Zeit nach 1933 wurden bewusst gestaltet, um bestimmte Narrative zu fördern: die “Dolchstoßlegende”, die Verherrlichung des Frontsoldaten, die Vorbereitung auf künftige militärische Konflikte. Die Sprache, Bildauswahl und Gestaltung spiegeln häufig die ideologischen Vorgaben des NS-Regimes wider.

Die Produktion solcher Bücher war auch ein ökonomischer Faktor. Lokale Druckereien und Buchbinder erhielten Aufträge von Gemeinden, die oft aus öffentlichen Mitteln finanziert wurden. Die Qualität variierte erheblich: von einfachen getippten und gebundenen Sammlungen bis zu aufwendig gedruckten und illustrierten Bänden mit Goldprägung.

Nach 1945 wurden viele dieser Chroniken aus öffentlichen Bibliotheken entfernt oder in Archive überführt. Heute befinden sie sich in kommunalen Archiven, Heimatmuseen und Privatsammlungen. Sie dienen als Forschungsmaterial für die Aufarbeitung der lokalen Geschichte, insbesondere für genealogische Forschung und die Untersuchung der Erinnerungskultur.

Die Bewahrung solcher Dokumente ist aus mehreren Gründen wichtig: Sie dokumentieren die Namen von Kriegsteilnehmern, die sonst vergessen wären; sie zeigen die Mechanismen der Geschichtspolitik und Erinnerungskultur; und sie bieten authentische Einblicke in die Lebenswelt deutscher Gemeinden während und nach dem Ersten Weltkrieg. Die kritische Auseinandersetzung mit ihrer Entstehung und ihrem politischen Kontext ist dabei unverzichtbar.