Feuerwehr Säbel für Beamte .

Leicht gekrümmte Klinge, beidseitig mit Hohlbahn und Zierätzung, ohne erkennbares Herstellerzeichen, neusilbernes Gefäß in der Form der Füsilier-Säbel, Rochenhautgriff mit defekter Drahtwicklung, die Lederscheide ebenfalls mit neusilbernen Beschlägen, zwei Trageringe, etwas geschrumpft, sonst gut erhalten, mit Portepee. Zustand 2-

Gesamtlänge etwa 950 mm.
519261
600,00

Feuerwehr-Säbel für Beamte – Zeremonialwaffe im Dienst des deutschen Feuerlöschwesens

Der hier vorliegende Feuerwehr-Säbel für Beamte ist ein eindrucksvolles Zeugnis der jahrhundertealten Tradition des deutschen Feuerlöschwesens, in der höhere Dienstgrade berechtigt waren, zu feierlichen und dienstlichen Anlässen eine Blankwaffe zu tragen. Dieses Exemplar mit seiner leicht gekrümmten Klinge, beidseitiger Hohlbahn und Zierätzung, dem neusilbernen Gefäß in der Form der Füsilier-Säbel sowie dem Rochenhautgriff mit Drahtwicklung repräsentiert eine Waffengattung, die von etwa 1850 bis 1945 in nahezu unveränderter Grundform produziert wurde und mehrere politische Epochen Deutschlands überdauerte.

Historischer Hintergrund

Deutsche Feuerwehroffiziere waren ab etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts berechtigt, zeremonielle Säbel zu tragen. Diese Tradition zog sich durch das Kaiserreich, die Weimarer Republik und das Dritte Reich hindurch. Bis 1945 war das Tragen von Seitengewehren durch verschiedene Staatsbeamte, darunter auch Feuerwehroffiziere, für bestimmte Anlässe durch Vorschriften geregelt. Innerhalb der Feuerwehrhierarchie bestand eine klare Unterscheidung: Während höhere Dienstgrade den Säbel trugen, führten niedrigere Ränge ein Seitengewehr in Form eines Bajonetts.

Die Produktion dieser Säbel lag in den Händen verschiedener Solinger Hersteller, darunter namhafte Firmen wie WKC, Carl Eickhorn und Paul Weyersberg. Es handelte sich dabei nicht um eine zentralisierte staatliche Fertigung, sondern um eine dezentrale Produktion durch verschiedene Klingenschmiede der berühmten Solinger Schneidwarenindustrie. Das vorliegende Exemplar weist kein erkennbares Herstellerzeichen auf, was eine exakte Zuordnung zu einem bestimmten Produzenten unmöglich macht.

Konstruktion und Gestaltung

Der Feuerwehr-Offizierssäbel folgt in seiner Grundform dem Muster des Füsilier-Säbels mit einem Bügelgefäß. Die Klinge ist leicht gekrümmt und verfügt beidseitig über eine Hohlbahn. Charakteristisch ist die Zierätzung, die typischerweise Feuerwehrmotive wie Feuerwehrhelme, gekreuzte Äxte, Leitern und Feuerwehrschläuche zeigt. Das Gefäß besteht aus Neusilber (einer Kupfer-Nickel-Zink-Legierung), der Griff ist mit Rochenhaut belegt und mit Draht umwickelt. Die Scheide besteht aus Leder mit neusilbernen Beschlägen und zwei Trageringen. Die Gesamtlänge beträgt etwa 950 mm, was im typischen Bereich dieser Waffengattung liegt – vergleichbare Exemplare weisen Klingenlängen von 800 bis 870 mm auf.

Ein bemerkenswertes Detail dieser Waffengattung ist, dass – im Gegensatz zu vielen militärischen Blankwaffen – die Feuerwehr-Säbel während der Zeit des Dritten Reiches keine nationalsozialistischen Symbole wie Hakenkreuze aufnahmen. Die grundlegende Gestaltung blieb von etwa 1850 bis 1945 im Wesentlichen konstant, was die Datierung einzelner Exemplare ohne eindeutige Herstellermarken oder Inschriften erschwert.

Die Feuerwehr im Wandel der politischen Systeme

Die Geschichte des deutschen Feuerlöschwesens durchlief im behandelten Zeitraum erhebliche organisatorische Veränderungen. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 begann eine Neuorganisation der deutschen Feuerwehren. Am 23. November 1938 wurde durch die Verordnung über das Feuerlöschwesen eine tiefgreifende Umstrukturierung vollzogen: Die Berufsfeuerwehren wurden als Feuerschutzpolizei unter staatliche Kontrolle gestellt und der Ordnungspolizei zugeordnet. Bis 1941 verfügten 86 Städte über Einheiten der Feuerschutzpolizei.

Der Säbel diente dabei sowohl Offizieren der Berufsfeuerwehr als auch der Freiwilligen Feuerwehr als zeremonielle Seitenwaffe. Er war kein Kampfgerät, sondern ein Symbol des Ranges und der Autorität, das zu offiziellen Anlässen, Paraden und feierlichen Veranstaltungen getragen wurde.

Nachkriegszeit und Sammlerbedeutung

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs arbeiteten die meisten Feuerwehren als kommunale Einrichtungen weiter. Die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammenden gesetzlichen Bestimmungen zum Feuerlöschwesen wurden aufgehoben und durch Landesregelungen ersetzt. Die Tradition des Tragens zeremonieller Säbel durch Feuerwehroffiziere wurde nach 1945 eingestellt.

Viele dieser Säbel wurden von den alliierten Besatzungskräften als „Waffen“ beschlagnahmt, und zahllose Exemplare wurden zerstört. Dennoch überlebten Tausende als Kriegstrophäen und gelangten auf den Sammlermarkt. Heute sind Feuerwehr-Offizierssäbel begehrte Sammlerstücke, die eine faszinierende Verbindung zwischen militärischer Tradition und zivilem Staatsdienst dokumentieren.

Das vorliegende Exemplar befindet sich im Zustand 2-, mit defekter Drahtwicklung am Griff und einer etwas geschrumpften Lederscheide, ist aber ansonsten gut erhalten und komplett mit Portepee. Es bietet dem Sammler ein authentisches Zeugnis einer über Jahrzehnte gewachsenen Tradition des deutschen Feuerwehrdienstes.