Signiertes Porträtfoto von Gauleiter Hartmann Lauterbacher
Bei dem vorliegenden Objekt handelt es sich um ein signiertes Porträtfoto im Postkartenformat des nationalsozialistischen Funktionärs Hartmann Lauterbacher in seiner Funktion als Gauleiter des Gaues Südhannover-Braunschweig. Das Foto trägt eine eigenhändige Unterschrift in schwarzer Tinte mit dem Namenszug „Lauterbacher“. Der Zustand wird in der deutschen Sammlerterminologie mit 2+ bewertet, was einem sehr guten Erhaltungszustand entspricht.
Zur Person: Hartmann Lauterbacher
Hartmann Paul Johann Lauterbacher wurde am 24. Mai 1909 geboren. Er durchlief eine bemerkenswerte Karriere innerhalb der nationalsozialistischen Hierarchie, die ihn in mehrere bedeutende Machtpositionen führte. Bevor er zum Gauleiter ernannt wurde, diente er als Stabsführer der Hitlerjugend, einer der höchsten Positionen innerhalb dieser Organisation.
Am 8. Dezember 1940 wurde Lauterbacher zum Gauleiter des Gaues Südhannover-Braunschweig ernannt und trat damit die Nachfolge des 57-jährigen Bernhard Rust an, der das Amt niedergelegt hatte. Mit gerade einmal 31 Jahren war Lauterbacher der jüngste Gauleiter des nationalsozialistischen Deutschlands – ein Umstand, der seine rasante Karriere innerhalb des Regimes verdeutlicht. Er bekleidete dieses Amt bis Mai 1945.
Neben seiner Funktion als Gauleiter trug Lauterbacher auch den Titel des Oberpräsidenten der Provinz Hannover. Seine SS-Karriere verlief parallel dazu mit bemerkenswerter Geschwindigkeit: Am 2. August 1940 trat er der Allgemeinen SS im Rang eines SS-Brigadeführers bei. Die Beförderung zum SS-Gruppenführer erfolgte am 20. April 1941, und am 30. Januar 1944 erhielt er den Rang eines SS-Obergruppenführers. Darüber hinaus bekleidete er den Rang eines Obergruppenführers der SA.
Historische Verantwortung
Die historische Bewertung Lauterbachers wird maßgeblich durch seine direkte Verantwortung für die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung bestimmt. Er war die treibende Kraft hinter der Ghettoisierung der jüdischen Bevölkerung in sogenannte „Judenhäuser“. Diese Maßnahme wurde als „Aktion Lauterbacher“ bekannt und stellte die unmittelbare Vorstufe zur Deportation der Juden in die Vernichtungslager dar, die ab Dezember 1941 begann. Sein Name ist somit untrennbar mit einem der dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte verbunden.
Nachkriegsgeschichte
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Lauterbacher wegen Kriegsverbrechen vor Gericht gestellt, jedoch freigesprochen. Was danach folgte, ist eine der bemerkenswerteren Nachkriegsbiographien ehemaliger NS-Funktionäre. Lauterbacher führte zunächst ein Schattendasein, wurde jedoch bald vom westdeutschen Geheimdienst rekrutiert.
Der Bundesnachrichtendienst (BND) beschäftigte den ehemaligen SS-Obergruppenführer von 1950 bis 1963 als hauptamtlichen Mitarbeiter unter der Registrierungsnummer V-6300 und dem Decknamen „Leonhard“. Seine angebliche Flucht nach Argentinien im Jahr 1951 war eine bewusste Täuschung der Gehlen-Organisation, um zu verschleiern, dass man ihn bereits 1950 als festen Mitarbeiter rekrutiert hatte. Unter dem Decknamen „Leonhard“ bestand eine seiner Aufgaben darin, die ostdeutsche Jugendorganisation zu infiltrieren.
In seinen späteren Jahren fand Lauterbacher eine ungewöhnliche Beschäftigung: Zwischen 1977 und 1981 war der ehemalige Gauleiter und stellvertretende Reichsjugendführer als offizieller Berater des Sultans von Oman in Jugendfragen tätig.
Hartmann Lauterbacher wurde am 12. April 1988 tot in seinem Haus in Seebruck am Chiemsee aufgefunden.
Einordnung des Objekts
Signierte Fotografien nationalsozialistischer Funktionäre stellen eine verbreitete Kategorie politischer Memorabilia des Dritten Reiches dar. Solche Fotos wurden typischerweise zu Propagandazwecken, zur persönlichen Verteilung an Parteimitglieder und Funktionäre oder als Geschenke an Unterstützer produziert und verbreitet. Das vorliegende Foto entstand nach 1940, als Lauterbacher das Amt des Gauleiters bekleidete, und fällt somit in die Periode seiner größten politischen Machtentfaltung.
Für Sammler stellt dieses Objekt ein zeitgenössisches Dokument dar, das die Selbstinszenierung der NS-Führungsschicht widerspiegelt und gleichzeitig an die Verantwortung erinnert, die mit der historischen Einordnung solcher Objekte einhergeht.