III. Reich - nichttragbare Erinnerungsplakette - " Deutsche Kampfspiele Nürnberg 1934 "
Die vorliegende Erinnerungsplakette der Deutschen Kampfspiele Nürnberg 1934 dokumentiert ein bedeutendes sportpolitisches Ereignis der nationalsozialistischen Ära. Diese nichttragbare Medaille aus Böttger-Steinzeug, hergestellt von der renommierten Porzellanmanufaktur Hutschenreuther Selb, repräsentiert die enge Verflechtung von Sport, Propaganda und nationalsozialistischer Ideologie in den frühen Jahren des Dritten Reiches.
Die Deutschen Kampfspiele waren eine nationalsozialistische Sportveranstaltung, die als Alternative zu den traditionellen deutschen Sportfesten konzipiert wurde. Nach der Machtübernahme 1933 transformierte das NS-Regime systematisch die deutsche Sportlandschaft. Die Kampfspiele sollten nicht nur sportliche Höchstleistungen fördern, sondern vor allem die nationalsozialistische Weltanschauung propagieren und die körperliche Ertüchtigung im Sinne der Wehrhaftigkeit betonen.
Die Wahl Nürnbergs als Austragungsort war keineswegs zufällig. Die fränkische Stadt hatte sich bereits früh zu einem zentralen Schauplatz nationalsozialistischer Inszenierungen entwickelt. Nürnberg wurde als “Stadt der Reichsparteitage” stilisiert und sollte die historische Kontinuität zwischen dem mittelalterlichen Heiligen Römischen Reich und dem selbsternannten “Tausendjährigen Reich” symbolisieren. Die Durchführung der Kampfspiele 1934 fügte sich nahtlos in diese propagandistische Gesamtkonzeption ein.
Die Verwendung von Böttger-Steinzeug als Material für diese Erinnerungsplakette ist bemerkenswert und verweist auf deutsche handwerkliche Traditionen. Johann Friedrich Böttger hatte im frühen 18. Jahrhundert in Meißen das europäische Hartporzellan entwickelt. Das nach ihm benannte Steinzeug galt als typisch deutsches Produkt und wurde von den Nationalsozialisten im Rahmen ihrer Propagierung deutschen Kunsthandwerks bevorzugt. Die Firma Hutschenreuther in Selb gehörte zu den führenden deutschen Porzellanmanufakturen und produzierte während der NS-Zeit verschiedene Ehrenzeichen, Medaillen und Erinnerungsstücke.
Die Deutschen Kampfspiele 1934 fanden in einem politisch hochsensiblen Jahr statt. Nach der Konsolidierung der Macht 1933 diente das Jahr 1934 der weiteren Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Bereiche. Der Sport spielte dabei eine zentrale Rolle: Die Reichssportführung unter Hans von Tschammer und Osten hatte bereits begonnen, sämtliche Sportverbände zu zentralisieren und ideologisch auszurichten. Die Kampfspiele sollten demonstrieren, dass der nationalsozialistische Sport anders war – militärischer, disziplinierter und auf die Wehrhaftigkeit der Nation ausgerichtet.
Solche nichttragbaren Erinnerungsplaketten erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als Andenken für Teilnehmer, Organisatoren und Ehrengäste, dokumentierten die Teilnahme an einem als historisch bedeutsam inszenierten Ereignis und fungierten als Propagandamittel. Im Gegensatz zu tragbaren Medaillen und Abzeichen waren diese größeren Plaketten für die Präsentation in Vitrinen oder an Wänden konzipiert. Sie sollten in privaten oder öffentlichen Räumen die Verbundenheit mit dem nationalsozialistischen System und seinen Veranstaltungen demonstrieren.
Der Durchmesser von 51 mm entspricht einem gängigen Format für solche Erinnerungsstücke. Die Kennzeichnung mit dem Herstellernamen “Hutschenreuther Selb” auf der Rückseite war üblich und zeugt von der Bedeutung, die man der handwerklichen Qualität und der deutschen Herkunft beimaß. Hutschenreuther produzierte während der NS-Zeit ein breites Spektrum von Ehrenzeichen und Erinnerungsstücken, wobei die Firma nach 1945 betonte, diese Produktionen seien hauptsächlich kommerzieller Natur gewesen.
Die Kampfspiele von 1934 standen im Schatten der bevorstehenden Olympischen Spiele 1936 in Berlin, die eine noch größere propagandistische Bedeutung erlangen sollten. Sie dienten gewissermaßen als Vorbereitung und Demonstration der deutschen Sportfähigkeit im Vorfeld dieses internationalen Großereignisses. Die NS-Führung nutzte beide Veranstaltungen, um das Bild eines dynamischen, sportlichen und modernen Deutschland zu propagieren.
Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige historische Quellen für die Erforschung der nationalsozialistischen Alltagskultur und Propagandapraxis. Sie dokumentieren, wie das Regime versuchte, durch die Verknüpfung von Sport, traditionellem Handwerk und politischer Ideologie die Bevölkerung einzubinden und für seine Ziele zu mobilisieren. Die relativ gute Erhaltung vieler dieser Stücke (wie der angegebene Zustand 2+) erklärt sich dadurch, dass sie als Erinnerungsstücke aufbewahrt und nicht im Alltag getragen wurden.
Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit solchen Objekten ist wichtig für das Verständnis der Mechanismen nationalsozialistischer Herrschaft und Propaganda. Sie zeigen, wie systematisch alle Lebensbereiche – einschließlich Sport und Freizeit – ideologisiert und für politische Zwecke instrumentalisiert wurden.