Preußen 1. Weltkrieg Löwenkopfsäbel in Luxusausführung für Offiziere Artillerie mit Geschenkwidmung

Datiert 1916. An der Wurzel ca. 2.5 cm breite 74.7 cm lange Steckrückenklinge mit Schör aus Damaststahl, mittig beidseitig geätzt mit der Inschrift «Seinem lieben und getreuen Kommandeur aus Dankbarkeit R. Höland Weihnachten 1916.», auf dem Rücken der Lieferant «Deutscher Offizier Verein, Berlin». Fein ziseliertes Messinggefäß mit Löwenkopf, der Löwenkopf mit roten Glasaugen, der schauseitige Parierlappen mit den "gekreuzten Kanonenrohren", schwarzer Kunststoffgriff mit intakter Drahtwicklung. Anhängend Portepee. Schwarz lackierte Stahlscheide mit einem Ringband und beweglichem Tragering. Zustand 2.

Gesamtlänge 97 cm. 
522861
6.500,00

Preußen 1. Weltkrieg Löwenkopfsäbel in Luxusausführung für Offiziere Artillerie mit Geschenkwidmung

Der preußische Löwenkopfsäbel stellt eines der charakteristischsten Symbole der kaiserlich-deutschen Militärtradition dar. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (1914-1918) wurde dieser Säbeltyp von Artillerie- und Kavallerieoffizieren der preußischen und kaiserlich-deutschen Armee getragen. Der Löwenkopf als Knauf symbolisierte Stärke, Mut und königliche Macht – Eigenschaften, die mit dem preußischen Offizierskorps untrennbar verbunden waren.

Das vorliegende Exemplar aus dem Jahr 1916 repräsentiert eine besonders aufwendige Privatanfertigung, die als persönliches Weihnachtsgeschenk überreicht wurde. Die beidseitig geätzte Inschrift “Seinem lieben und getreuen Kommandeur aus Dankbarkeit R. Höland Weihnachten 1916” bezeugt die persönlichen Bindungen zwischen Offizieren und die fortdauernde Bedeutung zeremonieller Militärtraditionen selbst während des totalen Krieges. Diese Widmung verleiht dem Säbel einen besonderen historischen Wert als Zeugnis der kameradschaftlichen Beziehungen im Offizierskorps.

Die Klinge aus Damaststahl kennzeichnet diesen Säbel als luxuriöse Sonderanfertigung. Damaststahlklingen waren in dieser Zeit selten und kostspielig, was auf eine besondere Wertschätzung für den beschenkten Kommandeur hindeutet. Das fein ziselierte Messinggefäß mit seinem Löwenkopf, dessen rote Glasaugen dem Knauf ein charakteristisches Aussehen verleihen, zeugt von höchster handwerklicher Kunst. Die gekreuzten Kanonenrohre auf dem schauseitigen Parierlappen identifizieren den Träger eindeutig als Angehörigen der Artillerie.

Der Säbel wurde über den Deutschen Offizier-Verein in Berlin vertrieben, wie die Markierung auf dem Klingenrücken belegt. Diese Organisation fungierte als privater Händler und Vertreiber, kein militärischer Hersteller. Im kaiserlichen Deutschland waren Offiziere verpflichtet, ihre Säbel selbst von zugelassenen Herstellern und Händlern zu erwerben. Dies führte zu einer bemerkenswerten Vielfalt bei Löwenkopfsäbeln: Je nach Hersteller und Käuferwunsch variierten Oberflächen (Messing, vernickelt oder vergoldet), Griffmaterialien (Fischheit, Horn oder Bakelit), Bügelformen und Scheidenkonstruktionen. Damaststahlklingen waren teure Sonderbestellungen, die den gehobenen Status dieser Waffe unterstreichen.

Die schwarzlackierte Stahlscheide mit einem Ringband entspricht den Vorschriften von 1906 oder 1910, die geschwärzte Scheiden mit Einring-Aufhängung anstelle der früheren Zweiring-Konstruktion vorschrieben. Das beigefügte Portepee (Säbelknoten) vervollständigt die Ausstattung als Offizierssäbel.

Im Kontext des Ersten Weltkriegs hatte die Blankwaffe ihre taktische Bedeutung weitgehend verloren. Der moderne Grabenkrieg und Schusswaffen hatten den Säbel als Kampfmittel obsolet gemacht. Dennoch trugen Offiziere weiterhin ihre Säbel als Symbole von Rang, Autorität und militärischer Tradition. Der Säbel blieb ein wichtiges Zeremonialobjekt und Führungssymbol, das die Kontinuität preußischer Militärwerte auch in den modernen Materialschlachten des Weltkriegs verkörperte.

Die Datierung auf Weihnachten 1916 situiert diesen Säbel in eine kritische Phase des Krieges. Nach mehr als zwei Jahren intensiver Kampfhandlungen, den blutigen Schlachten von Verdun und der Somme, blieb die Pflege militärischer Traditionen und persönlicher Offiziersbeziehungen ein wichtiger Bestandteil der Kriegsführung. Solche persönlichen Geschenke stärkten die Moral und bestätigten die hierarchischen und kameradschaftlichen Bindungen im Offizierskorps.

Nach der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Vertrag von Versailles (1919) wurde das deutsche Militär drastisch reduziert. Viele Säbel aus der Kaiserzeit wurden als Familienerbstücke bewahrt, als Überschuss verkauft oder für den begrenzten Gebrauch in der Reichswehr während der Weimarer Republik aufgearbeitet. Im Zweiten Weltkrieg war das Löwenkopfsäbel-Muster durch neue Designs ersetzt worden, obwohl einige Offiziere weiterhin geerbte Waffen aus der Kaiserzeit trugen. Heute werden diese Säbel als Militaria gesammelt, die das preußische und kaiserlich-deutsche Militärerbe repräsentieren.